Von Hannes
01.06.2004//Volksbühne, Berlin
Der Mann aus Amerika, der mit Zeilen wie »there’s no wrong way to fuck a girl with no legs« zu schockieren wusste, andererseits aber seine tatsächliche Strahlkraft erst mit »we fall in love by accident« und »I wanna choose to die and be burried with a rubic’s cube« und ähnlich postmodernen Eindringlichkeiten erreicht, hat sämtliche Herzen auch jenseits der Independant-Community gewonnen – dieser Adam Green war gestern in Castorffs Volksbühne.
Das bedeutete zunächst ein Sitzkonzert in einem Theatersaal, in dem Rauchen verboten ist. Ein solcher Raum hat es an sich, dass schon architektonisch die Aufenthaltsbereiche und Rollen aller Beteiligten festgelegt sind und erfahrungsgemäß eine Überwindung dieses Diktats der Mauern und Bänke selten nur gelingt. Die Präsentation des Werkes geschieht de jure auf der dafür vorgesehenen Bühne, auf der sich Herr Green samt Band auch einfand. Jedoch ohne Anstalten zu machen die Zone der Bretter, die die Welt bedeuten während des vielleicht anderthalbstündigen Konzerts auch nur annähernd aufzubrechen. Ich meinerseits fand mich im Publikum wieder, auf dem Boden sitzend und vor mir ein tschechisches Bier.
Adam Green spielte derweil alle seine Hits. Es folgten zwei Zugaben, wobei er bei letzterer das Publikum die Stücke wählen ließ. Er blieb wortkarg, amte allenfalls mehrmals zurückhaltend den Twistschritt nach und zeigte sonst kaum Emotionen. Es war einfach eine Präsentation, vor allem der Friends-of-mine-Platte. Gelassen und gut. Er schmiegte sich mit seinem Auftritt irgendwie in dieses Theater ein und blieb so jedoch ein bisschen konturlos: die Aura des Großartig-Besonderen seiner Platten konnte das Konzert mir nicht mitgeben. (Dass Adam Green einer der wenigen Der-Beste-Musiker-Des-Einundzwanzigsten-Jahrhunderts ist, setze ich als bekannt voraus!)
Noch vor 12 Uhr Mitternacht war ich wieder zuhause und konnte mich bereitschlafen für die Bibliothek, in der ich gerade sitze und diese Notiz schreibe. Adam Green läuft als Konserve über Kopfhörer – schön mal gesehen zu haben, wer sich hinter dieser Stimme verbirgt.
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