Von Dennis
…GFK, Mi Amore//12.11.2005//Foufounes D´Electric, Montreal
Montreals Nachtleben ist lustig, solange man weiß, was man sucht und das passende Kleingeld dafür hat. An diesem Samstagabend lud das Foufounes d’electric zur Folklore ein und das auch noch mit dem NYHC-Aushängeschild Agnostic Front. Das Fouf, eigentlich mehr eine zweistöckige Alternativ-Disko, war mit 300 Leuten knapp ausverkauft und bot wegen günstiger Bierpreise gut Möglichkeit die Zeit zwischen den Bands sinnvoll auszufüllen. Einen rundherum ansprechenden Abend versprachen also die äußeren Umstände.
Der AF-Gig war cool und konnte Vaters Sohn komplett zufrieden stellen. Von den ersten 10 Songs kannte ich mal gar keinen, woraus zu schließen ist, dass diese alle neu waren bzw. von den letzten beiden Alben »Working Class Heros« und »Dead Yuppies« stammen, die ich aber nie gehört habe. Yuppies waren auch keine da, sondern hauptsächlich HC-Kids und Skinheads, und alle zusammen haben wir, zwar sichtlich gealterte, aber trotzdem sehr lebendige Agnostic Front gesehen. Besonders Frontsau Roger Miret zeigte keine Abnutzungserscheinungen hinsichtlich des über zwanzigjährigen Bühnendaseins und polterte in gewohnter Manier und absolut unverständlichem New Yorker Akzent ins Mikro.
Anders Stigma. Der schrubbte zwar seine sechs Seiten souverän, wirkte dabei aber irgendwie sehr zerbrechlich und irritiert, nicht wirklich abwesend, aber eben doch etwas verloren in seiner hinteren Bühnenecke im Halbdunkel. Das schlug sich zum Glück nicht auf die musikalische Darbietung nieder, denn neben den vielen neuen Liedern, ließen es vor allem die alten AF-Knaller nicht an Frische missen. »Your Mistake«, »Power«, »One Voice« sind groß und wichtig, aber verglichen mit den Reaktionen auf »Gotta Go« muss man befürchten, dass AF über diese verhängnisvolle Hymne ihren Lebtag nicht mehr hinaus kommen werden. 45 Minuten lang kochte die Bude. Eine Zugabe wurde noch drangehängt, dann Applaus.
Was gab es noch zu sehen? Erste Band waren die StonerCore-Könige Mi Amore aus Québec City (und nicht, wie fälschlicher Weise von mir behauptet, aus Montreal), die wenig Wert auf Posen legen, dafür aber umso stärker mit ihren Instrumenten befreundet sind und ein cooles Brett toller Songs ablieferten. Mich haben sie erneut voll überzeugt und waren viel zu schnell fertig, vom Restpublikum wurden Mi Amore allerdings kaum wahrgenommen. Außerdem waren da noch GFK und Tears From The Sky, die sich beide dem Metalcore verschrieben haben.
Letztere konnten ihren mittelmäßigen Eindruck vom letzten Mal locker bestätigen und langweilten mehr oder weniger vor sich hin. Seltsam, dass selbst als Support für AF, anstelle stilistisch näherstehenden Gruppen, auf Metalbands zurück gegriffen wird – spielen die doch in Montreal an jeder Straßenecke. Die Lieder von GFK bolzten etwas einfallsreicher, aber ähnlich eintönig, und so war es dann kein Wunder, dass auch das Publikum wenig Anteil am Geschehen nahm. Applaudiert wurde höfflich, aber wegen den »Vorbands« war hier anscheinend niemand gekommen und auch ich konnte dem nicht viel abgewinnen.
Nach dem Konzi wurden unten die Türen aufgemacht und das Publikum wechselte. Die Skinheads zogen sich zur Bar zurück, es wurde Punkmusik aus der Konserve gespielt, irgend ein Unmensch hat meinen Tabak gestohlen und ein recht angetrunkener Australier (Curtis) hat fröhlich Bierchen ausgegeben bis überraschenderweise gegen 3:30 Uhr die Lichter angingen und wir hinausgebeten wurden.
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