Von Dennis
…It Dies Today, Every Time I Die//11.10.2005//Club Soda, Montreal
Scheiße. Wenn’s hier um acht Anfang heißt, ist hier auch um acht Anfang. Die einzelnen Gigs der »Vorbands« überschreiten eine Spielzeit von 25 Minuten eigentlich nie, was schade ist, denn als Curtis und ich in den Club kommen, schmeissen die Opener Cancer Bats aus Toronto gerade ihren Schlussakkord in die Runde. Dabei klingt »Club« etwas irreführend, handelt es sich beim Club Soda doch um eine Halle in Downtown, die ca. 700 Leute fasst und heute Abend mit knapp 500 schon ordentlich gefüllt aussieht. Die Cancer Bats fanden hier alle Scheiße – was aber nicht so viel zu sagen hatte, wie wir noch rausfinden sollten.
Erstaunlich wie unterschiedlich das Publikum verglichen mit dem Converge-Konzert am Freitag war: nämlich um einiges jünger und viel besser gestylt. Hier heute keine uncoolen Tattoos, kaputte Klamotten oder Harrschnitte von gestern, sondern zahlungswillige MusikliebhaberInnen in trendy Outfits. Nicht ausschließlich, aber alles in allem ein bißchen ein Modepublikum.
Erstaunlich auch wie eintönig die dann folgenden Bands waren: Haste The Day und It Dies Today spielen beide angesagten Metalcore (in der Vene von Evergreen Terrace und Konsorten), mit einem Standardschreihals im Vordergrund und von einem oder zwei singenden Bandmembern unterstützt, die aus der Tiefe der Einfallslosigkeit hervorträllern. In den meisten Fällen haben die Songs den gleichen Ablauf und ähneln sich viel zu sehr um ernsthaft zu begeistern. Speziell die Lieder von It Dies Today haben weiter keine Substanz und funktionieren fast ausschließlich über Breaksdowns und den anschließenden, unausweichlichen Metalmoshparts. Das ist so durchschaubar, dass es schon fast ärgerlich ist, aber eben auch genau das, was die Leute hier hören wollen. Auch wenn ich mich jetzt weit aus dem Fenster lehne; aber meiner Meinung nach haben solche Bands nicht mehr viel mit Punk zu tun. Weder textlich noch musikalisch bieten sie Anknüpfungspunkte an die ursprüngliche rebellische Grundeinstellung und Auflehnung, die ich zu gewissen Teilen mit Punk Rock verbinde. Das heißt natürlich nicht, dass man es zwangsläufig mit schlechten Bands zu tun hat, aber warum dieser Sound unter Hardcore läuft, bleibt noch zu klären.
Im Club Soda darf man zum Schmöken leider nicht raus gehen, sondern muss das im Raucherraum tun, wo eigentlich die Merchandise-Tische aufgebaut sind. Der ist in der Zeit zwischen den Bands natürlich überfüllt und erwartungsgemäß sieht man kaum sein Gegenüber beim Feuer geben. (An dieser Stelle grüße ich meine Schwester – sie weiß warum.) Wäre ich nicht selbst so benebelt gewesen, hätte ich schwören können, dass, als sich der Raum wieder leerte, diverse Rauchvergiftete von der Security abtransportiert wurden.
Every Time I Die aus Buffalo/NY haben eigenen Angaben zu Folge großen Ärger an der Grenze mit dem kanadischen Zoll gehabt, dem das ETID-Merchandise wohl nicht recht gefallen hat und deshalb auf $2000 Nachzahlung bestand, die die Band – vor die Wahl gestellt umzukehren – zähneknirschend bezahlte.1 Dem Trouble an der Grenze vorher schloß sich dann ordentlich Trouble vor der Bühne an, als die Band anfängt einige ihrer zahlreichen Hits zu präsentieren und ein Großteil des Publikums zum bewegen bringt. Den Aufforderungen zum Stagediven von Sänger Keith kommen etliche Kids nach, nicht zuletzt er selber, wenn er gerade nicht auf irgendwelchem Equipment herumklettert. Ein wirklich guter Sänger und echter HC-Flummi. Obwohl heute sogar Zugaben gespielt werden, verschwindet ca. 5 Minuten vor dem regulären Ende ziemlich zeitgleich fast die Hälfte aller Besucher den Club. Wir konnten nicht rausfinden wieso, haben aber schnurstraks nach dem letzten Song ebenfalls die Szenerie verlassen.
Trotz eines guten Headliners war es insgesamt ein etwas enttäuschender Konzertabend.
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