Von Chris
28.10.2004//Jugendhaus Stuttgart-West
Dass Endstand musikalisch zweifelsfrei zu den besten ihres Genres, das man gut und gerne mit straightem Old-School-Hardcore belabeln könnte, zählen, war mir vor meiner Entscheidung den müßigen Konzertgang bei doch recht kaltem Wetter in ein Stuttgarter Jugendzentrum zu tätigen, bekannt. Schließlich entdeckte ich die fünf Finnen schon vor einer ziemlichen Weile für mich und lernte deren musikalische Outputs sehr zu schätzen. Ihre kickende Mischung aus In-die-Fresse-Hardcore und gutem, anspruchsvollem Songwriting machte sie mir sympathisch. Dennoch hegte ich zugegebenermaßen einige Zweifel, hatte ich doch die Befürchtung ob der musikalischen Schublade der Finnen, dass der Abend, auf den ich mich eigentlich freuen wollte, in einer mackermäßigen Show enden könnte, bei der unheimlich toughe Typen mit Feinripp-Unterhemden mir irgendwas von Hardcore-Pride, Unity und True Life erzählen wollen. Nach einigem Hin und Her und dem Gedanken, dass das ja Kumpels von den überragenden Manifesto Jukebox sind, entschied ich mich dann für den Stuttgarter Westen und machte mich also auf, das Jugendhaus schnellstmöglich zu erreichen. Dort angekommen hatte ich dann schon die Hälfte verpasst, die letzte Vorband war gerade am Spielen. Rückblickend hätte ich gerne auf diese jungen, deutschen Menschen verzichtet, hatten sie doch an diesem Abend erwähnt, dass Deutschland für sie das gelobte Land sei. Aha, da kann man ja nur gratulieren und ihnen alsbald einen Band-Split an den Hals wünschen. Mir ist immer wieder unklar, warum es die wenigsten ach so politischen Bands nicht begreifen, dass solche unreflektierten Statements nicht das geringste mit Coolness zu tun haben und darüber hinaus – wenn man sich schon so einer angeblich fortschrittlichen »Szene« verpflichtet fühlt – den alten Minimalkonsens, nämlich, dass der Hauptfeind das eigene Land ist, einfach so für sich nicht mehr geltend macht. Deutschland ist und bleibt scheiße, auch wenn ein paar Hardcore-Kids das wohl anders sehen wollen. Nach besagtem Spruch also erst mal frustriert an die Theke, Bier bestellt, zwischen einigen Menschen mit X-en auf der Hand genüsslich getrunken und auf Endstand gewartet. Die erklommen dann auch sogleich die Bühne und stürmten furios los. Leider war es den hart singenden und spielenden Sympathen, die übrigens keineswegs im typischen Genre-Look und –Style auftraten, nicht möglich, die doch recht spärlich vorhandenen BesucherInnen mitzureißen. Für einen Wochentag und wenige BesucherInnen machten Endstand aber ihre Sache ganz gut. Nach viel Zeug von der alten Platte, wenigen Ansagen und einigen älteren Hits machten die Herren dann auch schon nach zwei Zugaben Schluss und ich weiß bis heute nicht so recht, was ich von dem Konzert halten soll. Sicher, es knallte live noch mehr, als auf Platte, aber die Voraussetzungen machten dies alles wieder zunichte. Man merkte Endstand einfach an, dass sie relativ wenig Bock hatten, ein Konzert zu spielen, was sich natürlich auch auf die Atmosphäre auswirkte. Schlecht war es dennoch keineswegs. Doch unter anderen Umständen wäre da sicherlich einiges mehr gegangen. Vielleicht beim nächsten Mal. Aber bitte ohne diese eine Vorband, deren Name ich zum Glück schon wieder vergessen habe.
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