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Gregory Crewdson Fotografien 1985–2005

Von Cathy

Review über die Ausstellung in Winterthur/Fotomuseum. Von Cathy

Passend in die psychoanalytische Praxenlandschaft der Schweiz, begab ich mich im Sommer ins Fotomuseum nach Winterthur, um in die märchenhaft-düstere Welt von Gregory einzutauchen. Dort waren Werke aus all seinen Schaffensperioden zu sehen – Bilder aus seiner frühsten Schaffensperiode mit dem gleichen Namen EarlyWork bis zu den großangelegten Projektbildern der Zyklen Hover (1996–97), Twilight (1998–2002), Dreamhouse oder Beneath the Roses (2003–2005).

Seine frühen kleinformatigen Fotografien sind Ausschnitte des häuslichen Raumes, dargestellt als Hort der Einsamkeit und unbestimmter Erwartungen, der auch mit den Erwartungen der Betrachter spielt. Geht man chronologisch, nach der Entstehung Crewdsons Werke durch die Ausstellung, befällt einen selbst ein unheimliches Gefühl, das sich immer mehr aufdrängt, je weiter man durch die Zyklen schreitet.

zeichnet Bilder von Neurosen, Ängsten und geheimen oder unterdrückten Wünschen einer Gesellschaft, die in den Vorstädten Amerikas ihrem trauten Heim frönt. Dieser Trautheit (das Bewusste), die keine ist, wird gleichzeitig ihre verborgene Seite (das Unbewusste) vorgehalten. In Twilight (Zwielicht/Dämmerung) wird dies besonders deutlich: Eine Frau sitzt in ihrem Wohnzimmer auf einem raumerfüllenden Blumenbeet, das sie, verschwitzt, erschöpft und mit Erde beschmiert, offensichtlich gerade selbst angelegt hat.

Oder, ein Junge greift durch den Abfluss der Dusche tastend in den Untergrund, sein Arm wirkt wie ein abgetrenntes Leichenteil. Ein anderes dunkles Bild zeigt eine Frau im Negligé, die mit starrem Blick bewegungslos, auf spiegelglattem Wasser durch ein Wohnzimmer treibt. Man wird als Betrachter nicht nur an-und hineingezogen, nein, man hat schon vor der Ausstellung Teil daran, weil es hier um seelische Vorgänge und Ängste geht, die exemplarisch für eine Massengesellschaft stehen. Die Starrheit der Personen deutet auf die Kommunikationsschwierigkeiten einer Gesellschaft, die sich lieber pedantisch mit dem Bearbeiten des eigenen Gartens beschäftigt, als sich mit den offensichtlichen Spannungen in der Familie auseinanderzusetzen. Die scheinhaft familiäre Atmosphäre und deren ’sche Zersetzung zeigt die Faszination des Künstlers für die Zwiespältigkeit zwischen Häuslichem und Natur, zwischen Zivilisation und Animalität.

Man wandert durch Ausschnitte oder gar ganzen Szenen rätselhafter, unheimlicher und faszinierender Bilder, die überhöht realistisch in der Tradition inszenierter stehen. Farben und Bildaufbau verweisen auf die zwiespältige Thematik von Realität und Bedeutung. Der Fokus zielt auf das Durchsetzen der oft hyperrealistisch wirkenden Oberfläche, wobei das Bild wie ein Text gelesen werden muss, in dem alle Symbole aufeinander, bzw. auf Tieferliegendes verweisen. Im Zyklus Beneath the Roses stößt man zum Beispiel auf David Lynch-artige Symbole: offene Taschen, blutenden Wunden, wilde Blicke und Haare.

Der Text zeigt aber auch: Absolute Klarheit, Tiefe, hyperreale Schärfe aller Details durch Nachbearbeitung. Aber nicht nur das: Mit Beneath the Roses erreicht einen vorläufigen Höhepunkt: Für die Bilder werden ganze Straßenzüge abgesperrt, leerstehende Häuser abgebrannt, Strassenkreuzungen mit Wasser, Licht, Feuer und Schauspielern zu Filmsets verwandelt. Bis zu hundertfünfzig Personen arbeiten an der Produktion mit, darunter Spezialisten für Luftbildaufnahmen und Special Effects, Castingagenten, Kranführer, Friseure und Stylisten. Dass das Zusammenspiel von so viel Inszenierungen klappt, davon sollte man sich selbst überzeugen! Eine Darstellung psychoanalytischer Thematik einmal anders, die man sich nicht entgehen lassen darf findet…


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