Von Caro
06.04.2005//Fabrik, Hamburg
Nachdem Le Tigre ihr neuestes Album »This Island« auf einem Major Label – Universal – im September letzten Jahres veröffentlichten, war vorherzusehen, dass das Konzert in der Fabrik in Hamburg während der kurzen Europa-Tournee bis auf den letzten Platz ausverkauft sein würde. Am Ende hat meine Vorhersage nicht gestimmt , was bei einer so großen Halle auch nicht weiter tragisch ist, die Vorzeige-Feministinnen-Band gab sich nun doch nicht vor einem ganz so vollen Haus die Ehre. Naja, meine wahrsagerischen Fähigkeiten halten sich in Grenzen und Kartenlegen war sowieso noch nie meine Stärke. Aber trotzdem war ich froh, die eine wichtige Karte, meine Eintrittskarte, schon einige Wochen, ach was sag’ ich Monate vor dem Konzert in den Händen halten zu können.
Die Vorband Lesbians on Ecstasy kannte ich nur vom Namen – elektronisches in den Arsch treten – so oder so ähnlich wurde mir Gutes prophezeit. Sie gaben dem Publikum anscheinend eine gehörige Kelle, denn die Leute tanzten und tanzten. Was ich nicht ganz nachvollziehen konnte. Die Musik war kalt und mechanisch, wie die Vertonung eines Herstellungsprozess von irgendwelchen Maschinen durch blankpolierte Roboterarme in einer Fabrikhalle, was von daher auch wieder gut zum Veranstaltungsort passte. Die Sängerin sprang wie wild auf der Bühne herum, so dass ich sie mir auch ganz gut auf so ´nem Schauwagen bei der Loveparade vorstellen konnte, wie auf Ecstasy – um dem Bandnamen gerecht zu werden. `Ne schlechte Coverversion von »Talking about the revolution« später war der Spuk zum Glück vorbei.
Le Tigre kamen auf die Bühne und das Publikum war sofort hin und weg, es brauchte keine zwei Sekunden Aufwärmphase oder ähnliches, es ging gleich ans Eingemachte. »TKO«, »Visibility«, den Rest der neuen Platte, wie auch die alten Perlen »Keep on Living« und »Deceptacon« wurden wie vom Band abgespielt. Und da war auch schon das Problem, was diesem Konzert den Beigeschmack von »So cool wars eigentlich doch nicht« gab. Dadurch, dass man das Konzept Le Tigres wahrscheinlich als Gesamtkunstwerk begreifen sollte und nicht nur als Musik, lag auch ein Schwerpunkt des Konzerts in der Präsentation der Songs – die Tanzchoreographien machen echt was her und die Videoleinwand wie auch die »Kostüme« geben dem Konzert einen künstlerischen Anspruch. Aber durch diese Art von Präsentation kamen die musikalischen Elemente einfach zu kurz. Es wurde live gesungen, manchmal Keyboard oder Gitarre gespielt aber der Rest, der die »feminist punk electronic music« wie sie von Le Tigre selbst bezeichnet wird, ausmacht: der Beat und Elektro-Samples kamen vom Band. Schade, schade, schade – aber deshalb war es in musikalischer Hinsicht ein eher unspektakulärer Abend.
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