Von Max
Universal Pictures//Regie: Zack Snyder//100 Minuten
Gewonnene Freikarten für eine Pressevorführung sind eine tolle Sache. Den Film einen Monat vor dem bundesweiten Kinostart, in seiner ungeschnittenen englischsprachigen Originalfassung genießen, dazu kostenlose Drinks, da könnt ich mich dran gewöhnen. Vor Beginn müssen Jacken, Taschen und Handys bei der Security abgegeben werden, damit auch ja niemand das vorgeführte Produkt abfilmt und vorab ins Netz stellt. Da die besten Kopien sowieso von Originalfilm oder Presse-DVDs gemacht werden, fällt der Verlust der qualitaiv miserablen Screener nicht allzu tragisch aus.
Zu sehen gab es die Neuverfilmung von Romeros Zombieklassiker DAWN OF THE DEAD und meine doch eher niedrigen Erwartungen wurden locker übererfüllt. Wie auch im Original wird eine Art Virus durch Menschenbisse weitergegeben, die Opfer sterben und stehen umgehend als Untote wieder auf der Matte. Die letzten Überlebenden haben sich in einer Mall, einem für deutsche Verhältnisse übergroßen Kaufhaus, verschanzt. Im grandiosen Vorspann muss Anna, eine der Hauptcharaktere des Films, mit ansehen, wie ihr Lover von einem kleinen Nachbarmädchen totgebissen wird. Als wiedererwachter Zombie hetzt sie dieser dann durch die Wohnung, sie rettet sich in einen PKW und bahnt sich damit ihren Weg durch die inzwischen von lebenden Toten beherrschte Stadt. Waren die Untoten in den älteren Genre-Vertretern noch stolpernd langsam und eher dümmlich, sind sie hier wesentlich aggressiver und schneller unterwegs. Was der enttäuschend schlechte 28 DAYS LATER gern gezeigt hätte, wird bei DAWN realisiert.
Da scheinbar genug Budget zur Verfügung stand, darf sich der Zuschauer auf große Massen schick zurechtgemachter Zombies freuen. Die Überlebenden im Kaufhaus müssen sich indes nicht nur gegen die Untoten zur Wehr setzten, auch innerhalb ihrer Gruppe kommt es zu Konflikten und Autoritätskämpfen. Die gut gespielten und durchaus interessanten Charaktere bleiben dabei allerdings sehr an der Oberfläche, auf tiefergehende Dialoge wurde verzichtet, man beschränkt sich auf das Wesentliche bzw Praktische. Bemüht philosophisches Gerede hat ähnliche Filme zwar meist mehr versaut als bereichert, trotzdem schade, dass das Remake den gesellschaftskritischen Subtext der Vorlage komplett ausklammert. Der Film setzt dagegen mehr auf Action, schnelles Tempo und Ästhetik.
Rasante Schnitte, ungewohnte Kameraeinstellungen, viel schwarzer Humor, der oft nur knapp an Klamauk grenzt, und professionelle Splatter-FX wissen durchaus zu unterhalten. Der unerträgliche Nu-Metal-Song im Abspann wird durch das Johnny Cash – Intro und einem auch sonst sehr gelungenen Soundtrack leicht wieder wettgemacht. Storymäßig orientiert sich der Film nur grob am Original, die Vorlage wird vielmehr durch zahlreiche Anspielungen gewürdigt. So gibt zum Beispiel Special-Effects-Legende Tom Savini (Mr. »Sexmachine« in FROM DUSK TILL DAWN) hier einen Cop zum Besten. Nach dem ebenfalls sehr gelungenen Remake von TEXAS CHAINSAW MASSACRE und dem großartigen HOUSE OF THE 1000 CORPSES beweist das amerikanische Mainstreamkino ein lange vermisstes gutes Händchen in Sachen harter Horrorfilm, vom Ideenreichtum und der Grenzüberschreitung asiatischer Produktionen ist man allerdings noch meilenweit enfernt.
Es bleibt leider zu befürchten, dass der deutsche Verleih den Film durch eine schlechte Synchronisation und munteres Herausschneiden einzelner Gore-Szenen entstellt, wer die Möglichkeit hat, sollte sich also wie immer lieber die Originalfassung ansehen.
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