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Lichter

Von Christian Schmidt

Eigentlich interessierte mich dieser Film zuallererst wegen seines Soundtracks von . Einer Band, die mich seit meiner Jugend in Weilheim begleitet. Nachdem ich sie im Sommer 1990 das erste Mal gesehen hatte, ließ mich ihre Musik nie wieder los. Und nach dem wunderbaren Soundtrack, den sie zum Film „Absolute Giganten“ kreirt hatten, wollte ich mir ihre neuen Stücke für „“ nicht entgehen lassen. Über die Handlung des Films wußte ich kaum etwas. Es sollte also eine Überraschung werden. Und die war es dann letztlich auch im positiven Sinne.

“ handelt von Grenzen. Von menschlichen und staatlichen Grenzen. Bei dem Versuch, sie zu überwinden, scheitern die Charaktere des Films und zerbrechen an ihren eigenen Träumen und Hoffnungen. Ort des Geschehens und Kristallisationspunkt einzelner Geschichten ist das deutsch-polnische Grenzgebiet. Tristesse dominiert diese Gegend. Die Menschen versuchen sich mit Billiglohnjobs über Wasser zu halten. Sowohl dies‑ als auch jenseits der Grenze. Sie alle haben ihre kleinen Träume und Visionen. Da ist der unterbezahlte, polnische Taxifahrer, der für seine Tochter ein Kommunionskleid kaufen möchte. Eine Familie von Kleinschmugglern, die steuerfreie Zigaretten über die Grenze nach Deutschland bringen. Eine für den Bundesgrenzschutz arbeitende Dolmetscherin, die versucht, aufgegriffenen Flüchtlingen zu helfen. Eine Gruppe von MigrantInnen aus der Ukraine, die endlich nach Berlin wollen. Ein junger Mann aus Deutschland, der seine alte Liebe aus Polen im Grenzgebiet wiederfindet und die Zeit zurückdrehen möchte. Ein Matratzenverkäufer in Frankfurt/Oder, der es in seinem Leben endlich mal zu etwas bringen will. Ein Junge, der auf der Suche nach Freiheit und Liebe ist.

Im Laufe des Films wird all diesen Menschen bewußt, daß sie der strukturellen Gewalt des Grenzregimes nicht entfliehen können. Sie versuchen ihre eigenen Grenzen und die des Systems zu überwinden, übertreten aber nur ihre eigenen Grenzen, die ihnen Sicherheit und letztlich Menschlichkeit garantieren. Die Struktur zwingt sie dazu, anders zu handeln, als sie es möchten. Ein Stück der eigenen Persönlichkeit bleibt dabei auf der Strecke. Das eigene Dasein wird immer mehr vom Bewußtsein bestimmt angesichts der unerträglichen strukturellen Gewalt scheitern zu müssen. Das schnürt dem ZuschauerInnen des Films förmlich den Hals zu und macht das Regime der Grenze für Augenblicke zumindest fühlbar.

Der Soundtrack von unterstützt genau dieses Gefühl. Die sich wiederholenden, sehr reduzierten Stücken sind die Spiegelung der filmischen Handlung auf der musikalischen Ebene: Die Menschen drehen sich in „“ im Kreis. Sie kommen aus den Verhältnissen nicht heraus, sondern verstricken sich stattdessen mehr und mehr in deren Gewalttätigkeit.
Daß gerade solch ein Film von einem Regisseur wie kommt, verwundert doch sehr. Nach seinem wohl erfolgreichsten Film, „23“, der mit seinem Illuminaten-Gedöhnse ziemlich nervte und beim deutschen Publikum mal wieder bewußt oder unbewußt den Drang nach Weltverschwörungstheorien förderte, hätte ich einen Streifen wie „“ nicht erwartet, in dem die Schuld für diese Gewaltverhältnisse nicht mehr klar irgendwelchen Personen zuzuordnen ist. Die Brutalität der Struktur tritt voll und ganz in den Vordergrund. Das ist die Stärke, aber auch, wenn man es überhaupt so nennen will, die „Schwäche“ des Films: Er läßt am Ende keine Hoffnung zu, jemals diese Verhältnisse überwinden zu können.

Die Frage ist, wie die ZuschauerInnen aus „“ gehen werden. Mit der Erkenntnis, sowieso nichts ändern zu können und deshalb zu resignieren? Oder mit dem Drang danach, trotz und wegen der Unerträglichkeit im Hier und Jetzt und der Widersprüchlichkeit des eigenen Daseins, die Verhältnisse (immer noch) überwinden zu wollen, weil es schlicht und einfach keine Alternative dazu gibt. Aber kann dieser oder irgendein anderer Film dieses Problem tatsächlich lösen oder taucht es nicht unvermeidlicher Weise immer dann auf, wenn man sich diesem Thema zuwendet? Muß ein Film wie „“ überhaupt Lösungen aufzeigen? Oder ist es nicht schon an sich politisch, heute und unter diesen gesellschaftlichen Bedingungen den Versuch zu wagen, ein Bewußtsein für die unerträgliche Brutalität der Gewalt dieser herrschenden Verhältnisse zu schaffen? In diesem Sinne wäre „“ ohne Zweifel zu den Glanzlichtern des politischen Films aus Deutschland zu zählen, obwohl er sich selbst sicherlich nicht in diese starre Kategorie einordnen lassen möchte.

Der Soundtrack von ist übrigens ab dem 4. August als 12“ auf ihrem eigenen Label „Alientransistor“ erhältlich. Mehr Infos dazu unter: http://www.alientransistor.de


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  1. kommunion 16.10.2007 / 4:03 pm

    kommunion…

    Yeah thats right!…

Reiss die Fresse auf:

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