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Walk On Water

Von Janette

Am 12. Mai kommt die deutsch-israelische Produktion in die Kinos. Der Film mit dem Untertitel »Er hasste seinen Feind, bis er ihn traf« versucht sich mit der Vergangenheitsbewältigung in Deutschland und auseinander zusetzen.
Im Rahmen der israelisch-deutschen Literaturtage lief der Film als Preview im Kino in den Berliner Hackischen Höfen. Die Laudatio zu hielt Knut Elstermann, seines Zeichens Kinoexperte beim Potsdamer Radiosender Radio Eins. Elstermann charakterisierte den israelischen Regisseur des Films als äußerst politisch. habe Mut, denn er befasse sich mit Themen die in der israelische Gesellschaft auf Gegenwehr, Schock und Kritik stoßen. Homosexualität sei da zum Beispiel so ein Thema, zu dem in gern geschwiegen wird. Oder auch der Libanonkrieg, den Fox zum »Vietnam Israels« erklärte. Fox soll außerdem gesagt haben, dass das, was im Libanon passierte ein Holocaust wäre. Das zu sagen ist gewagt aber mutig, gab der Radiomoderator an und dieser Mut gehöre belohnt. Mit derartigen Äußerungen käme man auch in nicht ungestraft davon, weiß Elstermann zu berichten, deshalb zitiert er auch nur und klemmt sich die eigene deutsche Sicht auf das politische Geschehen im Nahen Osten.

Fox ist in mit Filmen wie »Yossie und Jagger« und diversen Fernsehserien bekannt geworden. Der Fokus seiner Filme richtete sich meist auf die israelische Gesellschaft, Krieg und Homosexualität.

Mit »« möchte der israelische Regisseur wohl seinen Beitrag zur Deutsch-Israelischen Aussöhnung leisten. In einem Interview im Programmheft zum Film sagt er: »Ich bin davon überzeugt, dass die Israelis zu besessen vom Holocaust und ihrem Opferstatus sind und daher blind gegenüber der Tatsache, dass sie selbst zu Aggressoren geworden sind«.

Der Film greift den generationsübergreifenden Konflikt mit der Vergangenheit und den Umgang mit ihr in Deutschland und auf. Im Land der Täter verabscheut die dargestellte junge Generation die Taten der Großeltern. Die sind Nazis und haben wenig von ihrer eigenen Geschichte begriffen. Das Geschwisterpaar Pia und Axel, dessen Großvater ein führender SS-Offizier war, symbolisiert das bessere Deutschland. Pia Himmelmann lebt in einem Kibbuz in . Dort arbeitet sie schwer und leistet somit ihren Teil zur Wiedergutmachung der Familienschuld. Mit eben jener hat sie einen totalen Bruch vollzogen, da wird kein Nazigeld angenommen und keine Grußkarte geöffnet. Ihr Bruder Axel weiß von all dem nichts, auch sonst scheint er extrem naiv und offen für alles Neue, ihm Unbekannte zu sein. Nach und nach erzählt Pia ihm von der engen Verbindung der Eltern mit dem Großvater und letztendlich auch, dass dieser noch am Leben ist. Das war die Information, auf die der Agent Eyal seit dem Beginn der Beschattung der beiden Geschwister gewartet hat. Eyal begleitet die Beiden als ihr vermeidlicher Reiseführer, sein Auftrag ist es herauszufinden, ob und wo der alte Himmelmann lebt. Mit seiner coolen, distanzierten Art ist er der krasse Gegensatz zum deutschen Axel.

Zu Beginn des Films tötet Eyal einen Hamasterroristen. Der Mord wird äußerst dramatisch und kitschig dargestellt, der Terrorist ist mit seiner Familie auf einem Touristendampfer in der Türkei unterwegs, macht also Urlaub von der Intifada. Eyal verpasst ihm eine Spritze, daraufhin stirbt der Mann vor den Augen seines kleinen Sohnes und dessen Mutter. Mit großen, anklagenden traurigen Augen blickt das Kind dem Mossadagenten hinterher. Ein neuer Märtyrer steht also in den Startlöchern. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Als Eyal nach der Erfüllung seines Auftrages nach zurückkehrt, gibt es einen kleine Feier und macho‘eske Riten unter den Agenten. Die sehen aus wie Zuhälter mit Bomberjacken, Armyhosen und zurück gegelten Haaren. Zu hause findet Eyal die Leiche seiner Frau. Eyal stürzt das in eine Lebenskrise, die er aber vor sich selbst und anderen leugnet. Der Auftrag, sich dem deutschen Axel anzuschließen soll ihm eigentlich die Möglichkeit geben, mal ein wenig zu entspannen, doch Eyal ist der Deutsche mit seinem spirituellen Hippie-Esoterikgefasel zuwider. Als er erfährt, dass Axel schwul ist, ist er alles andere als begeistert. Als er dann auch noch sieht, wie Axel in einer Disko in den besetzten Gebieten mit einem Araber anbandelt muss er gehen. Es folgen Auseinandersetzungen zwischen dem »Besetzter« Eyal und Händlern im Gazastreifen und letztendlich auch zwischen Eyal und Axels neuem Freund. Als der zu Eyal sagt, dass »ihr Juden so besessen von dem seit, was damals mit euch …« wird er von ihm unterbrochen, die Deutschen schweigen dazu lieber.

Derart sind sämtliche Konflikte im Film aufgebaut, der Agent verflucht die palästinensischen Selbstmordattentäter, der Deutsche benennt die immense Verzweiflung, die ihnen vorausgehen muss. Immer werden beide Seiten der Medaille betrachtet. So zeigt Fox mit der Verlagerung der Handlung nach Deutschland, dass auch hier nicht alle so pazifistisch und links unterwegs sind wie die Figuren der Himmelmanngeschwister. Am Alex treffen Axel und Eyal nämlich auf Neonazis, die in grüner Bomberjacke und Springerstiefeln auf Transvestiten losgehen und vom Agent mit gezogener Waffe in die Flucht geschlagen werden. Oder die Familie Himmelmann, die in einer biederen Wannseevilla den Spirit der goldenen Zwanziger lebt und sich wahnsinnig über den Besuch des Urgroßvaters freut.

Ja, der über 90 jährige SS-Offizier taucht tatsächlich auf der Feier zum siebzigsten Geburtstag seines Sohnes auf. Für Axel bricht die heile Welt zusammen, denn seine Schwester hatte die ganze Zeit recht. Auch der Verdacht der Mutter, dass der Großvater in Gefahr sei, ist berechtigt, denn Eyal soll den alten Nazi töten.

Noch in Berlin gesteht sein Vater dem Agenten, dass der Mordauftrag nicht vom kommt, sondern ein persönlicher ist. Himmelmann hatte fast die ganze Familie der Agenten im NS töten lassen und nun will der überlebende Vater Rache. Als Eyal vor dem Bett des an Maschinen angeschlossenen, steinalten Mannes steht, kann er nicht mehr töten. Er verlässt das Zimmer und kurz nach ihm tritt Axel ein. Der streicht dem Opa noch zärtlich über das Gesicht bevor er die Beatmungsmaschine ausschaltet und der Alte schließlich über den Jordan geht.
Nun hat also auch Axel seinen Teil zur Wiedergutmachung geleistet. Eyal weiß endlich, dass es noch mehr im Leben geben muss als Auftragskiller zu sein.

in Deutschland nach 1945 wird nicht angesprochen, Axel darf nach der Begegnung mit den Stiefelnazis lediglich anmerken, dass Eyal sie hätte töten sollen, »denn diese Leute machen alles kaputt«. Die Selbstmordattentate in werden zwar immer wieder in Gesprächen oder durch Radiomeldungen thematisiert, ihnen wird aber gleichzeitig die prekäre Situation der Araber in den besetzten Gebieten oder das Streben nach Frieden in und der palästinensischen Autonomiebehörde gegenübergestellt.

Am Ende des Films gehen Axel und Eyal zusammen über das Meer, das geht wenn, so Axel zu Beginn des Films, »das Herz von innen heraus sauber und frei ist. Keine Negativität, keine schlechten Gedanken…« dich umtreiben. Eyal hat am Ende natürlich auch Pia geheiratet und ein Kind mit ihr bekommen.

Der Film wird den Deutschen gefallen, er zeigt gute Deutsche und verbitterte Israelis, zeigt, dass wir alle nur Menschen sind, Opfer unserer Geschichte und das die Juden doch eigentlich nur einen lockereren Umgang mit ihrer Vergangenheit pflegen sollten.


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