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»Be nice to people who deserve it and mean to pricks please!«

Von Lehni

im Interview mit Lehni

»Hello, and thank you for purchasing this thingy. I am Atom, and the package is a Yamaha 700 sequencer«. So, die ersten Worte auf dem ’Attention Blah Blah Blah!’ Album.
Bevor Adam Gorem und sein Yamaha 700, aka , Ende August ihr Abschiedskonzert geben und wahrscheinlich getrennte Wege gehen werden, habe ich es doch noch geschafft, ein Interview mit dem Sympathen aus Philadelphia zu führen. Wem seine Musik kein Begriff ist, dem sei eher empfohlen, in eine seiner Alben reinzuhören, statt eine der 1000 verschiedenen Beschreibungen seines abgefahrenen Punkstils zu lesen.

Na gut, ich versuch’s trotzdem: Seit mittlerweile sechs Jahren verbindet Atom einfache 80er(?) Punkrockmelodien mit kinderzimmer-kompatiblen, teilweise herrlich einfachen Synthesizersequenzen, lässt diese live per Knopfdruck von seinem ’Package’ ablaufen und spielt dazu als einziger Musiker der Band Gitarre. Spart Reisekosten und klingt einmalig! Das ganze ist eigentlich zu poppig/elektrisch um es Punk zu nennen, auf jeden Fall aber zu punkig, um es Pop nennen zu können.

Was ihn trotz dieses simplen »Besetzung« so außergewöhnlich macht, sind neben dem Ohrwurmcharakter und der Melodien und seiner Stimme, sein unglaubliches Gespür für den richtigen Humor an der richtigen Stelle.
Konkrete ’politische’ Forderungen, sind kaum zu finden, ausser vielleicht sein vehementes Eintreten für die Einführung des metrischen Systems in den USA (»I weight 180 pounds that’s 90 kilogramm, see metrics can even make you thin!«) oder seine Idee, eine Punk Rock Academy zu gründen (»We got some government funding and our own private road, and 666 for our radio snow code«).

Ansonsten schreibt er Liebeslieder an seine Heimatstadt Philadelphia (»Phillie the place where the mummers are weird and I do not think that Phillie has won in years«), seine Freundin Jenny, die Black Metal Szene in Skandinavien (»in the mountains of norway where the weather is cold. There’s not much to do except kill each other and play guitars in the snow«), oder die physikalische Erklärung wieso in seinem Ikea-Regal soviel schlechte Platten stehen: D=Bk/r2 bedeutet: »the closer I am to a bad record, the greater the need I have to purchase it«.
Atom scheint auch einen starken Drang zu verspüren, Songs aus den 80ern zu bearbeiten. Neben abgefahrenen »Coverversionen« von Fugazi, Youth of Today oder Nutrition von den Dead Milkmen, ging er soweit mit seinen Kumpels einen Song einer (scheinbar rabenschlechten) Band namens Dali Llamas zu klauen. Der dazu neu geschriebene Text handelt übrigens davon, dass die Dali Llamas ihren Song ’Shopping Spree’ geklaut hätten(»the bastardheaded thieves!«). Erklärung Atom:»You know, a good defense is a good offense or something like that«.
Obwohl ihm praktisch nichts zu simpel bzw. zu schade ist, darüber einen lustigen Text zu schreiben, schafft er es wie selbstverständlich, einen klaren, kritischen Blick auf einige Dinge zu behalten und mit scharfer Satire und ungewohnt offensiver Haltung sich z.B. gegen Rassismus, und Homophobie zu positionieren. Er gehört zu den wenigen Künstlern, die Leute in einem Song verarschen können, ohne sie dabei zu beleidigen, es sei denn, sie haben es verdient.

So entgegnet er etwa in seinem Song ’What we do on christmas’ antisemitischen Verschwörungstheoretikern, dass sich an Weihnachten, wenn alle feiern, die Juden zu ihrem »whole year planning of world domination« zusammenfinden würden, um die nächsten ’jüdischen’ Naturkatastrophen zu planen (»El Nino – we made it!«). In ’The Palestinians are not the same thing as the rebel alliance’ kritisiert er die blinde Solidarisierung mit palästinensischen Terrorgruppen durch dier Leute, bei denen er auf seinen Touren durch die besetzen Häuser und Jugendzentren auf der halben Welt, unterkommt.

Es wird ziemlich schnell klar, dass Adam weder politisch noch gesellschaftskritisch in einem Gesamtansatz ist. Ich fande es aber herrlich erfrischend, auf einen Künstler zu stossen, der es ablehnt, in das allgegenwärtige Geschrei gegen Amerika und einzustimmen.
Durch seinen entwaffnenden Humor wiederlegt er solchen Unsinn, verarscht es, aber bei all dem, ist er selbst der aller letzte, den er wirklich ernst nimmt. Schwer vorstellbar auch, dass in Deutschland ein jüdischer Künstler mit soviel Selbstironie, aber eben auch mit soviel Selbstverständlichkeit und Selbstbewusstsein seine ’jüdische Identität’ in einer Punk Rock Szene vertritt.

In seinem Liebeslied an seine Freundin singt er beispielsweise »the thing that make she perfect is that she’s even a jew« oder in ’Me and my black metal friends’: »I don’t care if they burn down churches but they’d better not fucking touch a synagogue«.

Beatpunk Webzine (Lehni): Manche Leute bezeichnen deine Musik als ’weird sesam street style’ oder auch ’synthie pop punk’. Kannst du unseren LeserInnen deine eigene Definition geben? Und wie hat das alles angefangen?
Atom: Ich hab’s nicht so mit Musik beschreiben, weil es sich die Songs, die ich schreibe immernoch gleich anhören, egal ob es einer Free Jazz oder Oper nennt, verstehst du? Aber ich denke, wenn mich jemand dazu drängen würde, hätte ich kein Problem mit dem Label ’Eddie van Human League Core’.
Es begann, weil meine alte Band auseinanderbrach und ein Freund mir einen Song vorspielte, den er auf einem Musiksequenzer programmierte. Das war sehr verlockend für mich, da du ganze Songs alleine schreiben, aufnehmen und zusammenstellen kannst. Und da ich zu der Zeit keine Band hatte, begann ich das so zu machen.

Wie läuft das ab, wenn du einen Song schreibst? Spielst du alle Instrumente selbst ein? Teilweise singen da noch andere Leute oder?
Meistens programmiere ich die Instrumente auf dem Sequenzer. Dann spiel ich die Gitarre ein, singe dazu und nehme dabei alles einzeln auf. Immer wieder mal singen Freunde oder Geschwister von mir einen bestimmten Part, wenn ich denke, dass sich das gut anhört.

In wieweit bist du, abgesehen von , mit Musik verbunden? Irgendwelche anderen Bands oder Projekte? Und was ist dein Background, ich meine was beeinflusste deine Art zu spielen und schreiben am meisten?
Ich bin ein gieriger Musikhörer und Plattenkäufer. Ich spiele hier in Philadelphia in einer ’echten’ Band Gitarre und singe, macht echt Spass. Ich habe es vermisst, mit anderen gemeinsam Musik zu schreiben.
Als meine Band ’Fracture’ auseinanderbrach, zeigte mir ein Freund einen Song, den er auf einem Musiksequenzer geschrieben hatte, und dieses Ding alles selbst zu machen, schreiben, spielen, zusammenstellen war echt interessant für mich. Und da ich keine Band hatte, mit der ich spielen konnte und mich in der Punkrock Szene wohl fühlte begann ich innerhalb dieser auch Shows zu spielen.
Es hat Spass gemacht, also habe ich weiter gemacht. Was die Beeinflussung meiner Art zu spielen angeht, glaube ich, dass jeder Song der mir mal gefallen hat, meine Art Musik zu schreiben beeinflusst.

Dein Musikgeschmack scheint ja ziemlich zu variieren. Auf einem Photo posierst du vor einem WuTang Clan-Graffiti. Kennst du die Leute und hörst du auch Hip Hop? Ich kenne leider nicht alle deine Platten. Hast du auch schon deinen eigenen Hip Hop-Package Song geschrieben?
Ich mag total viele verschiedene Musikrichtungen. Ich kenne nicht den Wut Tang Clan, aber höre ein bisschen Hip Hop. Mir gefällt total das Zeug von einem Label namens ’Anticon Releases’. Genauso ’Grand Buffet’ aus Pittsburgh, die sind echt klasse und haben absolut meine Unterstützung.

Du hast gerade deine Europatour beendet. Wo bist du noch mit »deinem Paket« herumgereist, ich habe gehört du warst sogar in ?
Während der letzten sechs Jahre bin ich ausgiebig herumgereist und habe an unzähligen Orten gespielt, die ich anders nie hätte besuchen können. Ich war überall in Europa, Japan, Australien, Neuseeland, und in den ganzen Vereinigten Staaten und Canada.

Die meisten von uns Beatpunks sind nicht die 100%Punkrocker und es war reiner Zufall, dass ein Freund mir deine Platten zeigte. Hast du hier bereits ’einen Namen’ in Europa? Ich habe gehört in den Staaten bist du ziemlich ’berühmt’.
Ich habe ganz sicher mehr Erfolg mit gehabt, als ich mir jemals hätte vorstellen können. Es ermöglichte mir herumzureisen, Orte zu sehen, wundervolle Menschen zu treffen, die ich anders nie hätte treffen können. Ich würde mich allerdings nicht als ’berühmt’ bezeichnen, obwohl ich überrascht war, wievielen Leuten das gefällt, was ich tue.

Zwei Wochen nach deinem Auftritt in Leipzig kam ein Nachbar von dir, Scott Beibin, ebenfalls ins Zoro und präsentierte sein ’Lost Film Festival’.
Ohh… ihr Glücklichen!!

Ich glaube er wohnt in der gleichen Ecke von Philadelphia wie du und ich hoffe, keiner von euch fühlt sich beleidigt, wenn ich sage, mein erster Eindruck war, dass ihr Brüder seid. Was hälst du von diesem no/low budget festival?
Wir sind ganz sicher keine Brüder. Ich habe echt meine Probleme mit Beibin. Ich bin mir nicht ganz sicher ob er es böse meint, aber ich habe wirklich schlechte Erfahrungen mit ihm gemacht, als es darum ging von ihm abhängig zu sein und sich auf ihn verlassen zu müssen. Er kann echt frustrierend sein. Alle Zeit mal wieder kriegt er seinen Scheiß zusammen und produziert was echt Cooles. Ich habe Teile des Lost Film Festival gesehen und fand es großartig. In einem war ich mit Scott involviert und es lief echt schwach und total unorganisiert, …was allgemein meine Erfahrungen mit Beibin waren….
Na ja, ich will ihn nicht komplett abschreiben, da er sicher das Potential dazu hat, was echt Cooles zu machen, aber genauso hat er total das Zeug zum Riesenarschloch.

Abgesehen von ein paar lustigen anarchistischen Clips, gab es da ein paar wirklich ärgerliche Filme. In einem zeigten sie ’Herr der Ringe’ mit einer ganz lustigen antikapitalistischen Diskussion a la ’fight the game not the players’. Aber die Schlussequenz zeigte den Selbstmordanschlag auf das WTC, als die ultimative antikapitalistische Aktion, was die Zuschauer zum Applaudieren brachte. Ich bemerkte die Reaktionen der amerikanischen Gäste und die sagten mir, dass sie sich von der deutschen Menge nicht missverstanden fühlten. Glaubst du, diese Leute denken darüber nach, dass, bei so einem ernsten Thema, ein schlechter Witz in den USA ein gefährliches, reaktionäres Statement in Europa sein kann?
Sicherlich finde ich es echt beschissen, zu so einer schrecklichen Tat zu jubeln. Ich denke, es ist wirklich beängstigend, wie weit die Leute davon entfernt sind, sei es durch’s Fernsehen oder konkret durch Kilometer. Das waren Menschen die im WTC getötet wurden, Leute mit Familien. Das war 90 Minuten entfernt, von dem Ort, wo ich wohne und es hätten leicht auch ich oder Leute von mir sein können, die im Gebäude waren. Ich glaube wirklich nicht, dass ich, meine Freunde oder Familie diese Schicksal verdient hätten. Außerdem ist es total lächerlich den Leuten die die Selbstmordanschläge verübt haben, dieselbe fortschrittliche und ehrenhafte Kritik zu attestieren, die die Linken an den USA üben. Ich finde, dass das aus den triftigen Gründen heraus zerstörerisch ist. Genau wie die Kritik an den USA, die diese Leute im Kopf haben, wenn sie zu so schrecklichen Taten jubeln. Total jämmerlich!

Scott sprach ein bißchen über Philadelphia was sehr interessant klang. Erzähl uns doch mal was über den Ort, ’where the mummers are weird’, muss man irgendwas gesehen haben?
Ich finde Philadelphpia ist eine wirklich wunderschöne Stadt. Es ist fasst mein ganzes Leben lang mein zu Hause gewesen. Deshalb fühle ich mich dort nicht nur wohl mit Familie und Freunden um mich herum, es ist dort auch einfach schön zu leben und sehr vielfältig. Es gibt viel gutes Essen und da es eine große Stadt ist, gibt es Unmengen von Leuten, die interessante und konstruktive Dinge tun, sei es politisch oder musikalisch.

Würdest du dich selbst als politisch bezeichnen. Auf einer Single von dir habe ich einen Verweis auf die ’Philadelpphia Direct Action Group’ gefunden. Bist du an dem Projekt beteiligt?
Ich habe feste Überzeugungen zu vielen verschiedenen Dingen, und einiges davon ist politisch. Nein, an der PDAG war ich nicht beteiligt, aber ich glaube dass die eine gewichtige Rolle spielen.

Nach deinem Song ’Hats off to Halford’ in dem du den einzigen Heavy Metal Star (Judas Priest sänger Rob Halford) für sein homosexuelles Comingout deinen Respekt aussprichst, hasst du ’ne Menge Hatemails bekommen. Hast du jemals ein Reaktion von Judas Priest selbst bekommen, oder irgendwelche positiven Reaktionen aus der Metal Szene?

Ja wirklich, ein Kerl aus Deutschland machte eine Radioshow, in der Rob Halford Gast war und er spielte Mr. Halford den Song vor, der echt super reagierte! Wenn ihr interessiert seid, es zu hören, habe ich eine MP3 des Interviews auf meiner Website. Ich habe auch ein paar positive Mails von schlauen Metaltypen erhalten. Ich liebe Metal und zähle mich selbst zu den schlauen Metaltypen, obwohl ich mir nicht selbst gemailt habe.

Wie würdest du all die negativen Reaktionen auf deine Texte erklären. Ich meine, denkst du es wäre anders wenn du mit einer ’regulären’ Bandformation spielen würdest. Oder ist es die Kombination von Humor und Kritik, die die Leute dazu bringt, dir so seltsame Hatemails zu schreiben?
Ehrlich, weiß ich nicht. Einige der Kritik kommt von Leuten mit wirklichen schwachem Verständnisfähigkeiten was Lesen und Hören angeht, die die Texte der Songs einfach nicht verstehen. Ich habe viele Mails von Leute bekommen, die Metal mögen und Zeug schreiben wie ’Warum nennst du uns Schwuchteln’. Ich glaube, es ist offensichtlich, dass der Song ganz sicher keine homophoben Aussagen hat.

Einer meiner ersten Eindrücke von deiner Musik war, dass du es schaffst diese Punkrockstereotype, also entweder politisch (und dabei schrecklich ernst) zu sein oder zu versuchen lustig zu sein, was ja oft gleichbedeutend mit unkorrektem und beleidigendem ’Humor’ ist, zu umgehen. Wie siehst du das?
Ich weiss es wirklich nicht. Ich schreibe einfach nur Lieder zu Dingen, über die ich nachdenke. Ich habe ganz sicher nie versucht etwas anderes, als Lieder zu machen die gut klingen und von Dingen handeln, über die ich nachdenke.
Ich habe viele feste Überzeugungen und neige zum Sarkasmus und das kommt oft durch. Ich habe sicherlich nicht vorgehabt, irgendwelche Punkrockstereotype aufzubrechen. Ich habe einfach nur Songs gemacht, die gut klingen und anderes Zeug innerhalb der Punkrock Welt, in der ich mich meistens sehr wohl fühle.

Kannst du uns etwas über euren ’shopping spree coup’ erzählen. Haben die Dali Llamas schon versucht, dich zu verklagen?
Ich bekam eine Drohmail von jemanden der behauptete sie zu sein, aber das war wohl eher als Witz gedacht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand denken könnte, Geld damit zu machen, indem er mich für das verklagt. Die Story ist zu lange um sie hier zu erzählen… Wenn es euch interessiert, schaut euch doch bitte die Erläuterungen auf der Platte „Redefining Music“ an.

Eines von den ernsten Themen in deinen Texten von ’The Palestinian are not the same thing as the rebel alliance’ oder ’What we do on christmas’ ist und Antizionismus, speziell in der linken Szene. In Berlin, z.B., marschierten Anarchisten neben Neonazis, Parteimitglieder neben Hamasunterstützern gegen den Krieg gegen das faschistische Regime im Irak. Ihr einendes Moment ist und war der Hass gegen die USA und , was in ihren schrecklichen antisemitischen/antizionistischen Flugblättern und Parolen zu sehen und zu hören war. In Europa spielst du normalerweise in besetzten Häusern oder alternativen Jugendzentren, wo solch eine Meinung oft den Konsens darstellt. Bist du dir bewusst über diesen wachsenden und beängstigenden und Feindschaft gegen und den USA innerhalb der linken Szene in Europa? In deinem Tourtagebuch habe ich über einige antisemitische Bemerkungen von ein paar Deutschen gelesen. Wie gehst du damit um?
Natürlich wurde mir vom wachsenden in Europa erzählt und ich habe mit vielen Leuten darüber geredet, wobei in Europa eher über den Israelisch-Palästinensischen Konflikt. Es ist wirklich beängstigend, dass die vermeintlich Linken, von denen ich mal erwartet habe, dass sie mehr an Menschenrechten interessiert sind, mit Hamasunterstützern marschieren.
Was die Orte angeht, wo ich spiele…dass sie dieses Ding unterstützen…. ist oft schwer zu sagen. Wenn da Flugblätter mit dummen, linken Müll (im Gegensatz zu nicht-dummen Linken Zeug) rumliegen, würde ich sicherlich mit den Leuten darüber reden. Ich bin nicht der Typ, der sich zurückhält, wenn es darum geht, seine Meinung zu sagen.
Aber,….die meisten Orte, an denen ich auf meinem letzten Trip nach Europa gespielt habe, sind wichtige Räume mit beteiligten Leuten, die echt super Sachen machen und eine großartige Möglichkeit für viele Leute darstellen.
Natürlich ist es für mich unmöglich, die politischen Ansichten von jedem zu überblicken, der mit einem bestimmten Ort verbunden ist, bevor ich da spiele.
Ich bringe Argumente vor, wenn ich mit ihnen in Kontakt komme oder dazu bewegt werde.Sicherlich gibt es, wie du weißt, immer noch und ich ging entsprechend der Situation in der ich war damit um. Meistens waren es nur besoffene Leute, die dummen Scheiß redeten.

Gibt es Situationen in den Staaten für dich, dass Leute ankommen und versuchen, dich, als Juden, für den israelisch-palestinensischen Konflikt verantworlich zu machen? Wir hatten hier die schreckliche Erfahrung, dass es gerade unsere früheren »Genossen« waren, die den (den sie Antiimperialismus nennen) sehr offen seit dem 11.9. artikulieren. Inwiefern ist das in der US-Linken präsent und wie artikuliert sich der Antizionismus/ dort?
Dankenswerterweise bin ich noch nie Leuten über den Weg gelaufen, die mich persönlich für den israelisch-palästinensischen Konflikt verantwortlich machten. Es ist üblicher, dass ich Leuten treffe, die Schlagworte und Parolen über den Konflikt ablassen und in Wirklichkeit nicht all zu viel darüber wissen.
Ich kriege viel davon aus erster Hand mit, es ist jedoch unmöglich für mich, so was als eindeutig antisemitisch zu bezeichnen. Ich bin mir nicht ganz sicher, was du mit „schrecklicher Erfahrung“ meinst, von der du sprichst. Deshalb bin ich mir auch nicht sicher ob ich dir entsprechende Erfahrungen aus den Vereinigten Staaten erzählen kann.

Mit schrecklicher Erfahrung meine ich den Umstand, dass sich große Teile der Linken mit islamistisch-faschistischen Mörderbanden solidarisieren, die ganz offen sagen, dass ihr Ziel es ist, alle Juden zu töten. Vor allem, aber nicht nur in der BRD, sind solche Positionen vor dem Hintergrund von Auschwitz antisemitisch, egal ob sie von links oder rechts kommt. Die Argumentationslinien von Links‑ und Rechtsradikalen sind da fasst identisch, sei es bezüglich des 11.9., der beiden ’amerikanischen Kriege’ oder dem Konflikt in . Findest du nicht, dass in all diesen (entscheidenden)Fällen, eine eindeutige Positionierung von Links auf Seiten des erfolgt?
Natürlich würde ich es als antisemitisch bezeichnen, wenn sich Leute nach Gruppen ausrichten, deren erklärtes Ziel es ist, ’alle Juden zu töten’. Ich denke, die meisten sind unglücklicherweise einfach nicht fähig, die Dinge anders als in Schwarz und Weiss zu sehen und total bescheuerte Reaktionen an den Tag zu legen, die dann meistens so aussehen: ’ macht Dinge mit denen ich nicht einverstanden bin, also, finde ich seinen Feind, die Hamas, gut’, was natürlich eine absolut verkürzte und gefährliche Denkweise ist.

Mit dem Beginn des Kriegs im Irak kamen viele Bands aus den USA mit sehr konfusen Statements über Krieg, Weltpolitik und die Rolle der USA an. Normalerweise nennen sie sich Antikapitalisten obwohl es den Anschein hat, dass sie Kapitalismus noch immer nicht als ökonomisches System begreifen, sondern als ’Resultat einzelner böser Personen’. Sie lehnen Krieg prinzipiell ab (was für mich heisst, dass sie den Krieg gegen Nazideutschland ebenfalls abgelehnt hätten) und brandmarken als faschistischen/rassistischen Staat. Der gefährliche Background einer solchen Haltung, konnte man am Statement vom Boy sets Fire Sänger auf der Bühne beim Berlinova Festival erkennen, als er sagte, es gäbe keinen qualitativen Unterschied zwischen den Selbstmordattentätern vom 11.9. und dem „Bombardieren unschuldiger Länder“.
(Natürlich, und das ist das wahre Problem, wird solcher Unsinn vom deutschen Publikum mit tosendem Applaus quittiert). Ist es (auch) in den USA eine Art Radical Chic, den faschistischen und antisemitischen Charakter der islamistischen Bewegung und der Selbstmordanschläge auf das WTC zu leugnen?

Ich hasse es zu sagen, aber es gibt überall vertrottelte Leute und es gibt hier ein Teil der Linken, der über die Dinge in Schwarz und Weiss denkt und der nicht allzu kritisch mit den Sachen umgeht, die ihnen erzählt werden oder die sie auf einem Stück Papier lesen. Es gibt hier eben auch eine Menge , die entweder über die aktuelle Weltsituation nicht unterrichtet sind oder aber unfähig sind, kritisch zu denken. Und sie legen sich die Dinge in Begriffen wie ’USA=böse – Feinde der USA müssen gut sein’ zurecht. Das ist wirklich lächerlich verkürzt und eine riesen Dummheit, v.a. wenn man sich im Kopf behält, dass die Linken diejenigen sein wollen, die über die Dinge nachdenken und nicht blind jeden Scheiß schlucken, egal von wem er kommt.

Gab es in der amerikanischen Linken ernsthafte Diskussionen über Bedeutung und Hintergrund des 11.9.?
In Deutschland war das Resultat hieraus, die totale Spaltung der Szene. Wie sieht es da aus, gab oder gibt es Gruppen oder Personen, die klare Statements gegen Antiamerikanismus und im Zusammenhang mit dem 11.9. und dem Konflikt in verfassten?

Ich kann sicherlich nicht als das Sprachrohr der linken Szene in den USA fungieren. Ich kann nur für mich selbst sprechen und was ich gesehen habe. Natürlich gab es breite Diskussionen über das Ereignis und sie sind immer noch im Gange. Es gibt sicherlich Verrückte die denken, dass der 11.9. eine jüdische Verschwörung war, dass die Juden sich am 11.9. alle krank gemeldet haben und anderer Unsinn. Aber ich hoffe und denke, dass das ein Mythos ist und so auch von den Leuten gesehen wird, die außerhalb der Welt leben, in der so etwas im Staatsfernsehen als Fakt verkauft wird. Ich bin mit diesem krassen von Links nicht in Berührung gekommen, Unglücklicherweise jedoch mit Sympathien und Unterstützung von abscheulichen Gruppen wie Hamas, durch Leute die angeblich für Menschenrechte eintreten.

Was kommt nach der Punkrock Karriere. Gehst du an die High School zurück (ich habe gehört du wärst Lehrer?
Ich bin mir im Moment noch nicht ganz klar über meine Pläne. Ich brauche einen Job mit Krankenversicherung (Krankenversicherung ist eine riesen Schweinerei in den USA). Ich bin ausgebildet an der High School Biologie und Chemie zu unterrichten, vielleicht werde ich das tun, aber ich könnte mir auch was anderes vorstellen, als zur High School zurück zu gehen.

Aber du schliesst definitiv ab mit ?
Ich spiele meine letzte Show als am 29. August 2003 in Philadelphia. Ich denke, dass ich immer meine eigene Musik schreiben und aufnehmen werde und ich spiele noch in einer ’echten’ Band mit ein paar Freunde.

Irgendwelche letzten Worte an beatpunk.org?
Vielen Dank für das Interesse, auch an meinen Meinungen. Ich fühle mich geschmeichelt.


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