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Deutsche Kleidung

Der Stoff aus dem die hippen und feuchten deutschnationalen Träume der jungen Generation sind, kommt natürlich aus Berlin. Unter dem Label »German Garment« rühmen sich vier jungen Herren – Matthias Schweighöfer, Kilian Kerner, Joko Winterscheidt und Sebastian Radlmeier – aus der neuen alten Hauptstadt mit Mode »Made in Germany« und sind naturgemäß auch noch stolz drauf. Beim Anblick der hässlichen Fummel kann es nur der nationale Mehrwert sein, auf den die Schnösel abzielen – bon alors, er ist es: pünktlich zum 20. Jahrestag des sog. »Mauerfalls« startete ihr Webshop mit dem Verkauf. Die Presse jubiliert: Endlich ein deutsches Label, die britischen Vorbehalte gegen »Made in Germany« gekonnt umschifft»es ist ja schließlich nicht Thor Steinar«. Die Integration in die postnazistische Volksgemeinschaft scheint zu klappen: »fashionfreaks.net« lobhudelt, es fehlten German Garment allein die Props von BILD und Taff, dabei starten die jungen Nationaldesigner direkt bei der Welt. Während ihrer Beschäftigung (»Arbeit« wollen sie ihr Geschäft nicht nennen) halluzinieren sie von der obligatorischen Charity-Abgabe, um die man im Bizz kaum herumkommt und sind neben »nett« auch noch »bodenständig« – verwurzelt, sagt man dazu! Ihr Beitrag zum »Standort Deutschland« ist ihre Verpflichtung aufs Ganze, Produktion in Deutschland um der Produktion in Deutschland willen. Ihr Selbstverständnis schwankt zwischen Psychose: »Wenn man in New York sagt, dass man aus Berlin kommt, ist man ein Gott« (Schweighöfer), Kontrollzwang: »Ich will wissen, wer das T-Shirt färbt, näht und verpackt.« (Winterscheidt) und Verdrängung: »Deutschland ist in allererster Linie meine Heimat. Und egal, was hier in der Vergangenheit für Greueltaten begangen wurden und wie sehr man sich dafür schämt – man kann auf eine gewisse, gesunde Art und Weise auch stolz darauf sein, hier zu leben. Wir haben eine Politik, die funktioniert, mit der man zwar nie komplett einverstanden sein wird, aber wir leben in Freiheit. Wir Deutschen waren es, die es geschafft haben, zusammen mit ehemaligen DDR-Bürgern die Mauer einzureißen und uns wiederzuvereinigen.« (Winterscheidt). Natürlich formulieren diese ungezwungenen Herren nicht ihre eigenen bösen Absichten, sondern die Teufelei steckt im ungemein guten Willen des Zeitgeistes, der nichts weiter reproduziert als das immer gleiche Unheil. Warum Fashion nur im Deutschen die Nähe zu Faschismus hat, diese Frage werfen die Kerle auf – beantworten können sie diese nicht anders als mit der Verbalisierung des Bauchgefühls des im nationalen Taumel »wiedervereinigten« Deutschlands – Konformismus eben. Dieser weist aber die Richtung, in die die Reise zwanzig Jahre nach dem Ende des letzten mickrigen Resultats des Zweiten Weltkriegs und der Vernichtung des europäischen Judentums geht. Der entspannte Nationalismus sucht sich seinen Ausdruck nicht nur in der Beschwörung der Gemeinschaft im Politischen, sondern ebenso im Alltäglichen, und hier sogar mehr noch im Repräsentativen denn im Argumentativen. Das Alltagsbewusstsein schlägt sich im Ausdruck nieder. Walter Benjamin hielt fest, dass wesentliches Merkmal faschistischer Kulturindustrie sei, den Massen zu ihrem Ausdruck zu verhelfen; was soll dort neben Filmen wie dem »Untergang«, »Der Sturmflut«, der »Luftbrücke« u.a. nicht treffender sein als ein deutsches Modelabel. Während diese strunzdummen Popper »den Stoff in Deutschland weben« wünsche ich ihnen und ihren Kunden ein Nesselhemd und webe Heinrich Heine lesend weiter an Deutschlands Leichentuch.

5 Kommentare zu diesem BeitragAuch was zu sagen?
  1. besonders geil find ich das interview mit joko winterscheid: »Wir Deutschen waren es, die es geschafft haben, zusammen mit ehemaligen DDR-Bürgern die Mauer einzureißen und uns wiederzuvereinigen.« vorher waren die also keine deutschen? lol

  2. …und im gesamten projekt schwingt die unreflektierte überzeugung, es wäre per defintion gut, lokal zu produzieren. das ist jenseits des echt mal schlechten namens schlicht und ergreifend falsch.

    ausserdem schmücken sie ihre deutschtümelei mit der aura des exklusiven anders machen. alle produzieren im ausland, wir produzieren hier! wir sind ja so anders und frisch und neu und modern und deutsch! pff.

  3. These people need some candy!

  4. Was ist eigentlich so schlimm an denen? Deren Texte lesen sich wie die Texte jeder normalen Tageszeitung und sind echt nicht schlimm. Keine Spur von Überhöhung des eigenen Heimatlandes o. ä.
    Lokal zu produzieren ist gut für den heimischen Arbeitsmarkt und die Einhaltung von Arbeiterrechten lässt sich hier besser kontrollieren, schon allein weil das deutsche Arbeitsrecht menschenfreundlicher ist als andere.
    Dass das Label »German«, deutsch, im Namen trägt, ist wohl Grund genug für einen weiteren langweiligen Artikel zur geglaubten Entnazifizierung Deutschlands!
    PS: Ich bin Linker, aber kein Endlos-Theoretiker oder Paranoider.

  5. @ein interessierter: auch die texte jeder normalen tageszeitung sind schlimm, falls es dir, auch als »linker« noch nicht aufgefallen sein sollte…

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