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Neues von Claude Lanzmann

Gesamtausgabe der Filme, Ankündigung der Autobiographie und Lesereise

Pünktlich zur Veröffentlichung der Memoiren Claude Lanzmanns gibt der feine Berliner Filmverlag Absolut Medien gemeinsam mit ARTE weltweit erstmals eine Gesamtausgabe der Filme Lanzmanns heraus. Neben den von Hamburger Antisemiten inkriminierten »Warum Israel« und seinem filmischen Denkmal »Shoah« enthält die DVD-Box auch »Tzahal«, der 1994 die »Jüdische Trilogie« beschloß. Außerdem sind die jüngst ebenfalls bei Absolut Medien erschienenen Filme »Sobibor, 14. Oktober 1943, 16 Uhr« und »Ein Lebender geht vorbei« in der Gesamtausgabe enthalten. Als exklusives Stück enthält die DVD-Box noch den Bericht Jan Karskis, Kurier der polnischen Regierung während des deutschen Okkupationsregimes, der vom jüdischen Untergrund als Augenzeuge ins Warschauer Ghetto geschleust wurde. Erstmals sprach Karski vor Lanzmann über das Erlebte und seine Versuche, rettend gegen die Deutschen einzugreifen.
Der Preis von 99,90 €, den Absolut Medien veranschlagt, scheint auf den ersten Blick recht hoch – bei dem Vergleich mit der Summe der Einzelpreise (163,70 €) relativiert sich der Eindruck. Warum aber Klaus Theweleit einen Essay beisteuern durfte, macht nach dessen miserablen weil an der Sache vorbei schwätzenden Auftritt bei der Aufführung von »Warum Israel« im Übel & Gefährlich in Hamburg, stutzig (hier der Mitschnitt der Veranstaltung).
Im deutschen Feuilleton entsponn sich an die Publikation von Lanzmanns Memoiren »Le Lièvre de Patagonie« beim Pariser Verlag Gallimard eine kleine häßliche Debatte. Auslöser war die nicht von antisemitischen Tönen freien »Kleine Warnung an den Rowohlt Verlag«, die Christian Welzbacher in der »Zeit« aussprach. Kritik an der »Warnung« kam von Jürg Altwegg in der FAZ, J. Wilms in der Süddeutschen und Sebastian Hammelehle auf Spiegel Online, woraufhin Florian Illies sich in der »Zeit« darauf kaprizierte, mit der »Warnung« habe man »journalistische Sorgfaltspflicht« geltend machen wollen und letztlich Lanzmann zu einem Buch mit korrekter Faktenlage was die Absetzung des ersten Rektors der FU Berlin, Edwin Redslob, anginge helfen wollen.1 Am 7. September diesen Jahres wird »Der patagonische Hase« nun endlich bei Rowohlt veröffentlicht. Dank der Debatte wird das Publikumsinteresse groß sein. Die 688 Seiten dicke Autobiografie Lanzmanns soll 24,95 € kosten. Begleitet wird die Veröffentlichung von einer Lesereise des bald 85-Jährigen: 13.9. Berlin–Berliner Ensemble, 14.9. Hamburg–Fischauktionshalle, 6.–8.10. Frankfurt–Frankfurter Buchmesse, 10.10. Berlin–Babylon-Kino. Alle drei nun möglichen Dinge – sehen, lesen, sehen – seien an dieser Stelle empfohlen.

Anmerkungen

  1. Welzbacher trägt anscheindend schwer unter dem Wunsch, sich als redlicher Biograf Redslobs Gehör verschaffen und seine Arbeit gewürdigt wissen zu wollen. Um dies zu erreichen, setzt er aufs antisemitische Ticket. Denn, wenn man dem Rezensenten seiner Biographie glauben darf, registrierte Welzbacher sehr genau, die »antisemitischen Untertöne« und »Huldigungen an den ’Führer’«, die Redslob nach 1933 veröffentlichte. Lanzmann wie auch Welzbacher kommen Redslob betreffend letztlich zum gleichen Ergebnis – nur dass der Franzose den deutschen Fleißarbeiter nicht konsultiert hatte, bevor er das zweite Mal über Redslob schrieb…()
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