Haben Sie eine Kackzeitung im Abo, dann haben Sie immer was zu erzählen. Deshalb bietet sich mir die Möglichkeit in aller Kürze zwei Artikel aus der Süddeutschen Zeitung zu bewerben. Der Erste dreht sich um eine alte Bekannte in unserem Webzine, nämlich um die Frage nach dem Politischen im Pop, die man im Münchner Printerzeugnis zielsicher so platt bespricht, wie man sie hier nie beantworten würde. Wie aus den 90ern gefallen feuert Karl Bruckmaier die Theorie-Basuka der Poplinken hemmungslos verspätet im Bürger-Feuilleton ab. Das klingt dann so:
»Pop war und ist immer schon per se politisch. Pop ist das Geräusch, das die Vielen machen.« bzw. »Pop ist und bleibt Lärm und geistiger Diebstahl und Provokation des Bestehenden.« (Quelle)
Artikel Nummer zwei kreist hingegen um einen Alltagsaspekt, der nicht unerheblich darüber entscheidet, ob und vor allem wo man sich überhaupt noch mit so quatschigen Themen wie dem Verhältnis von Pop und Politik beschäftigen kann. Denn jedenfalls in den größeren Städten und ihren ex-linken Vierteln lässt es sich zusehends aufgrund der After-Hour-Lounge-Chill-Out-Vollidioten und des entsprechenden Preisniveaus kaum noch aushalten. Was mal nett gedacht war – die passable alternative Kneipe nebenan, der Infoladen, das Atelier, die Galerie oder der Kellerclub – zog letztlich seinem Publikum, wie sich selbst den Teppich unter den Füßen weg. Die Viertel wurden szenig, hip und damit relativ schnell lukrativ, sauber, hübsch und unbezahlbar. Was in Leipzig Connewitz gerade in Gang kommt, ist andernorts bereits abgeschlossen. Jedenfalls in Hamburg braucht man nicht übers Wetter reden, wenn man sich nichts zu sagen hat: mit den Unwägbarkeiten des Mietmarktes, die Vertreibungsdynamik, die man ohne nenneswertes Einkommen sicher zu spüren bekommt, kann man sich an all den unangenehmen Small-Talk-Sandbänken immer galant vorbei manövrieren.




janette
4.07.2008
»fuck yuppies« bei polylux
http://www.polylog.tv/videothek/videocast/14221/