Beatpunk Webzine

Pussy Riot Prozess endet mit Haftstrafen

Am 17. August 2012 wurden Nadezhda Tolokonnikova, Yekaterina Samutsevich und Maria Alyokhin von der russischen Justiz verurteilt. Zwei Jahre Haft in einem Gefangenenlager sollen nun als gerechte Strafe für eine 42sekündigen Punk-Andacht des MusikerInnen-Kollektivs Pussy Riot in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale durchgehen. Die lesenswerten Prozesserklärungen der Angeklagten wurden auf englisch beim n+1-Magazin dokumentiert. Sie zeigen, dass all der Repressionsdruck und die Belastung des Prozesses die Drei nicht klein kriegen konnte. Ebenso erfreulich fanden wir auch, dass sich viele MusikerInnen ausnahmsweise nicht weggeduckt und ihre Allerwelts-Floskeln über die angeblich »unpolitische Kunst« zusammen gestottert haben: Madonna, Jarvis Cocker, Sting, Peaches und viele andere bezogen für Pussy Riot Stellung. Dadurch wurde ihr Prozess in eine breite Öffentlichkeit gezogen.

Der mediale Blick auf die Angeklagten und auf Pussy Riot war dabei seltsamerweise ein verzerrter; und zwar der Blick auf schöne, arme Frauen hinter Gittern. In dieser Männerphantasie wurde der feministische und subkulturelle Background des abgeurteilten Vergehens von Pussy Riot zu zweitrangigem Ballast. »Das Regime Putin hat dem feministischen Kollektiv Pussy Riot die Sturmhauben vom Gesicht genommen, drei von ihnen in einen Käfig gesteckt, und die Medien hauen noch n bisschen ‘Germanys Next Topmodel‘ rein, weil sie mit emanzipierten Frauen, die sich über mehr als ihr Aussehen und ihre Abgrenzung zu anderen Frauen definieren, einfach nicht zurecht kommen.«, heißt es dazu in einem guten Text auf dem Doctorella Blog.

Nadezdah Tolokonnikova

Wenn dem mal nur in den bürgerlichen Medien so wäre. In sozialen Netzwerken zog die kämpferische Pose von Nadezdah Tolokonnikova im blauen »No Pasaran!«-T-Shirt, wie sie auf dem Weg in das Gerichtsgebäude die linke Faust ballt, unter linksradikalen Männern vor allem Liebesschwüre nach sich. Aber wahrscheinlich ist das auch nur wieder so eine postironische Scheiße, die nur ich nicht verstanden habe, während die Angeklagten und das Kollektiv Pussy Riot von den Genossen »selbstverständlich als politische Gefangene und Aktvistinnen ernst genommen und…« Aber lassen wir das. Ihr wisst ja selbst, wie es in diesem Jargon passend weiter geht.

Auch mal das Maul aufreissen?

Gib deinen Namen ein

Keinen Namen?

Please enter a valid email address

Keine Email-Adresse?

Gib deinen Kommentar ein