Von Caro
Kokain ist Schminke fürs Gehirn
Wenn ich Bücher kaufe, kaufe ich sie entweder, weil sie mich total interessieren, ich schon viel darüber gehört habe, sie unbedingt lesen möchte und mich deshalb auf die Suche nach ihnen mache. Oder ich kaufe sie per Zufall, wenn ein roter Stempel „Mängelexemplar“ die Buchunterseite ziert und damit ein immenser Preisnachlass einhergeht. Da muss es auch nicht das Buch meiner Träume sein. Frédéric Beigbeder’s „Ferien im Koma“ gehört zu der zweiten Sorte. Roter Stempel, nur noch drei Euro und seinen Roman „39,90“ hab ich auch schon gelesen, so dass ich schon ungefähr wusste, was auf mich zukommen würde – nette französische Popliteratur. 39,90 war ein angenehmer Zeitvertreib, der seinen Erfolg aus der Abrechnung mit der Webeindustrie zog. „Ferien im Koma“ ist nicht viel anders. Wieder Popliteratur, aber diesmal geht’s nicht um Reklame-Idioten sondern um die ganze Highsociety Frankreichs.
Eine Eröffnungsparty des neuen Pariser In-Clubs „Das Klo“ steht auf dem Programm. Mit Sex, drugs and Patchworkmusic (à la Kraftwerk, Zikadenzirpen und Mambo in einem Mix) feiern sich die Schönen und Reichen – von Schreckgestalten wie Daniel Cohn-Bendit bis Boris Jelzin. Supermodels, Fernsehproduzenten, Chefredakteure und Vorstandsvorsitzende schlürfen Austern und nehmen Drogen aller Art. Nach allgemeiner Lebenserfahrung ist ja „Kokain Schminke fürs Gehirn“. Der Abend und der Rausch nehmen seinen Lauf und in den frühen Morgenstunden klettern die Klo‑ Gäste auf historische Monumente, legen die Pariser Innenstadt in Schutt und Asche und schlagen bei ihren eigenen BMW Porsche die Scheiben ein. Sie erinnern dabei wohl eher an durchgeknallte black bloc‑ Autonome, als an die Crème de la crème der Gesellschaft. Die Hauptfigur Marc Marronnier, ein alternder Gesellschafts‑ Kolumnist, versucht in dem Getümmel Frauen (am liebsten Nymphomaninnen) für sich zu gewinnen um noch eine heiße Nacht zu erleben, obwohl er sich eigentlich nur verlieben will.
Mehr gibt’s zu dem Inhalt nicht zu sagen. Es ist halt Popliteratur um nicht nachdenken zu müssen. Der Roman handelt von wenigen Stunden und ist in noch kürzerer Zeit durchzulesen. Man fragt sich, ob der Schreibstil des Autors überhaupt irgendeinem Kunstbegriff genügt, oder ob er seine Geschichten nur stillos aufs Papier klatscht. Ein paar nette Sprüche können diesen Makel auch nicht beheben. „Ferien im Koma“ sind nix besonderes und deshalb ganz schön langweilig. Beigbeder behauptet: „sein bestes Buch“ – nicht mehr als 3 Euro wert.
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