Von Sebastian
Das Buch ist im besten Sinne trivial. Ein ostdeutscher Jungmann erläutert auf 150 Seiten eine Reise nach Amerika. Das Sujet ist treffend gewählt. Der mitreisende Leser ordentlich angeschnallt. Los geht’s. Schon immer hat der Erzähler davon geträumt mal den Vereinigten Staaten einen Besuch abzustatten‑ bereits zu Zonenzeiten, in denen er bunte Plastiktüten mit stolzgeschwellter Brust zur Schule trug und einem „niveablauen“ Pullover den die Zeichenfolge „n.y.c. 1984“ schmückte, den Titel des Lieblingskleidungsstücks verlieh. Irgendwann war dann Schluss mit Osten und man konnte getrost mal dahin fahren, wo „n.y.c. 1984“ herkam. Es schliesst sich ein bunter Urlaubsreport an, der den Leser von New York, über Miami und Kentucky bis nach San Francisco führt und der mit allerlei Unwägbarkeiten, wie WG-Stress, Geburtstagen, nervenden deutschen Touristen, Blinddates, Nebenjobs und Ähnlichem gepflastert ist.
Mit einer feinsinnigen Liebe zu Amerika schreibt Hein Erfahrungen und Begegnungen nieder‑ Eindrücke, die den Roman in seiner ganzen Subjektivität zu einem schicken Reisetagebuch werden lassen. Zu nicht mehr und zu nicht weniger. Weder Originalität, noch eine ausgeprägte Sprachführung sind Heins Büchlein gutzuschreiben. Im ausgelatscht popliterarischen Stil betreibt der Autor eine muntere Nabelschau auf das von ihm Durchlebte. Der autobiographische Rückschritt ins eigene Kinderzimmer, die „Naivität, die freilich auch nur gespielt ist, wenn auch so gut, dass sie einem manchmal richtig auf die Nerven geht“ (Süddeutsche Zeitung 08.04.2003) lassen die „Formen menschlichen Zusammenlebens“ betont „unspektakulär, banal“ (Der Spiegel 12/2003) wirken.
Würde da nicht die Banalität durch den Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung weggewischt. Unfreiwillig bekommt Heins Roman eine bedeutsame Note. Mit dem unmittelbaren Bevorstehen des dritten Golfkriegs schlägt in Deutschland das antiamerikanische Ressentiment hoch, das quer durch alle Gesellschaftsschichten im deutschen Ruf nach Frieden mitschwingt, der sich nur als Krieg gegen Amerika denken lässt. In einer solchen Zeit weiß selbst ein Buch zu erfreuen, das keineswegs den Anspruch der Kritik hat; aber in seiner unübersehbaren Sympathie für den „american way“, unfreiwillig kritisch ist.
Ansonsten wäre dieses Buch lediglich das, was es auch so noch ist, nämlich nett. Der Roman eignet sich vorzüglich für einen kurzweiligen Nachmittag mit einer Flasche Wein und einer alten Blondies Platte. In dieser unheimlich empfehlenswerten Kombination wirft die Lektüre dieses Bändchens in jedem Fall Gewinn ab.
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