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Mike Evans »New York City Rock«

Von Cathy

Underground und Hype von 1950 bis heute.

City von (Journalist und Musiker) ist ein detailliertes (Geschichts‑) Buch über die Entwicklungen des in , »(…) einem Mikrokosmos innerhalb der Geschichte des ’n’Roll«.1 Vom Rhythm and Blues Ende der 40er bis zum Indie- der Gegenwart. Von Alan Freed, dem Brill-Building oder den Shangri-Las bis hin zu Williamsburg oder den Yeah Yeah Yeahs. Vom Beginn der Jugendkultur bis zum Hype um die neuen Strokes. Evans beschreibt ein lebhaftes Bild der Stadt, die in ständiger Bewegung ist. In seinem Buch kommt die ganze Bandbreite der Akteure vor, die im Musikgeschäft tätig sind und waren: Künstler2, Produzenten, Radiomoderatoren oder Promoter. Ein kurzer Abriss:

Mit dem Aufkommen der Jugendkultur in den 50ern und deren potentiellen Konsumenten, dem »Teenager« und der gleichzeitigen Verbreitung des Doo-Woop, R’n’B und ’n’Roll im Radio durch Alan Freed wurde die Musik von der Straße massenhaft verbreitet und populär. Die dabei bedeutendste Rolle im Musikbusiness der 50er und 60er hatten Songwriter und Produzenten. Mit dem Aufkommen des Folk- in den 60ern wurde Greenwich Village zur zentralen Adresse von Künstlern, Bohêmians und Beatniks und der Washington Square Park zur Bühne von Folk-Sessions und spontanen Improvisationen.

Politische Kampf‑ und Arbeiterlieder entstanden, und es herrschte ein reger Austausch zwischen der Beatszene und Folkmusikern. Beide Gruppen lehnten ’n’Roll ab, den sie als Teil des Mainstreams ansahen. Der wohl Bekannteste aus dieser Szene war Bob Dylan, der – so schreibt Evans – der Wegbereiter des neuen Underground zwischen und Beat-Bohême war. Dieser Underground, der Mitte der 60er begann, hatte wohl seine Bedeutung darin, dass keiner so richtig seine Instrumente spielen konnte, es chaotische Auftritte oder Psycho-Happenings gab und die Texte von surrealer und satirischer, rotziger und politisch unkorrekter Art waren. Dieses Rotzige und Freche, das bei den Fugs und dann in krasserer Form bei The Velvet Underground stattfand, war schon , als es noch gar kein Wort dafür gab, schreibt Evans.

Mit der Musikform des wurde aber auch Widerstand ausgedrückt. beschritt ab »1966 den Weg in eine zumindest nominell andere, alternative Gesellschaft. Es kam zu einem tiefgreifenden kulturellen Paradigma, welches sich im Widerstand gegen Vietnam ausdrückte«.3 Die rebellische Haltung von Musikern der Greenwich-Szene drückte sich besonders in den Zeilen von John Lennon oder David Peel aus. So zum Beispiel in Songs wie »I’m Gonna Start Another Riot« (Peel) oder »Woman Is The Nigger Of The World« (Lennon), mit denen Peel fast überall Landesverbot erhielt und Lennon vom FBI und der CIA beobachtet wurde.

Mitte der 70er kam es zu einem neuen Konzertverständnis, welches im Stadionrock und in Disco gipfelte. Der Ursprung des Ganzen lag wieder einmal in , genauer: In den schwarzen Schwulenclubs Manhattans, in denen zu Soulmusik getanzt wurde. Disco bot nicht nur für die gay community aus den Großstädten Rückzugsräume, sie war vor allem eine Welt fern von der Öffentlichkeit, die als diskriminierend empfunden wurde. Disco verbreitete sich so explosionsartig in ganz Amerika.

’n’Roll hingegen entwickelte sich in eine ganz andere Richtung: mit Iggy und den Stooges nahm seinen Anfang. 1976 erschien das -Zine von John Holmstrom. Künstler wie The Dolls, Television, Richard Hell, Patti Smith, Blondie oder die Ramones spielten in der zweiten Hälfte der 70er im CBGB’s oder Max’ Kansas City. Man stellte sich einfach auf die Bühne und schrammelte los – chaotisch, laut, poetisch, trashig, queer. Evans schreibt, dass die Verbreitung des von Großbritannien forciert, aber nie als dessen Geburtsort gewürdigt wurde. Nach der Lektüre seines Buches wird klar, was für einen Einfluss auf die darauf folgende Musik der Stadt hatte – wie sehr sich die verschiedenen Musikstile gegenseitig inspirierten.

Das, was an zu grob und rau war, wurde durch die Bewegung des New Wave und von Bands wie Talking Heads oder den B-52’s glattgebügelt. Mit No-Wave in wurde ein traditionelles Rockformat abgelehnt, Einflüsse wie Free Jazz, Funk und Neue Musik kamen hinzu. Man nahm den Nihilismus des und setzte ihn in eine ästhetische Form um – eine der wohl bekanntesten Bands hierfür waren Sonic Youth. Sie klangen atonal, krachig, lärmend.

Mit dem Bogen vom Avantgarde- zum Alternative- entwickelte sich eine neue Independent-Label-Szene für all die kleinen unzähligen Bands, die oder besser Williamsburg Ende der 90er zu ihrem neuen -Mekka machten. Hier kommen Adam Green, The Strokes, Interpol, Radio 4 oder die Yeah Yeah Yeahs her – aus dieser sich immer wieder neu erfindenden Szene.

Evans » City « ist ein Buch, das eine musikalische Tradition anhand seiner Protagonisten nachzeichnet – manchmal wünscht man sich aber eher eine tiefgehendere Beschreibung der ganzen sozialen und politischen Stimmung, aus der bestimmte Spielarten des in entstehen konnten. Für Leser, die weniger mit Künstlern des frühen ’n’Roll oder R’n’B vertraut sind, könnten die zahlreichen Bandgeschichten und deren Verzweigungen schon mal langwierig werden. Also eher ein Buch für Liebhaber von Dylan, The Velvet Underground oder Blondie? Nein, auch wer »Call me« nur aus der Disco kennt, kann nach diesem Buch endlich mit Insiderwissen zu Blondie und angeben.

» City « vereinigt die Spielarten, führt vom ’n’Roll über bis zum Indie- – doch wo bleibt Hardcore? Diese Musikrichtung wird von Evans nicht einmal angeschnitten, obwohl die Bedeutung des NYHC, der sich mit und aus dem entwickelte, genauso groß ist wie dieser. Aber eventuell wurden Hardcore-Bands auch hier nicht betrachtet, da dies schon in den reichlichen Veröffentlichung über Hardcore geschehen ist. Vielleicht auch, weil Hardcore eine zu spezielle Richtung des ist und die Bands, die im Buch auftauchen, von Jugendlichen heutzutage wohl als lahme Rocker bezeichnet würden. Wer das Buch aber mit der Intention liest, etwas über die New Yorker Musikszene zu erfahren, versteht, dass der »lahme « aus den 60ern, 70ern oder 80ern damals progressiver, krasser und hotter Stuff war, aus dem sich erst die einzelnen Spielarten von Hardcore, Metal oder Indie entwickeln haben.

Das Buch ist damit auch die Lobpreisung einer Stadt, die im ständigen Austausch ihrer kreativen Geister steht und die diese Künstler in einem magnetischen Bann hält, der für neue innovative Musik sorgt. East Village, West Village, SoHo oder Williamsburg – egal wie oft die Namen der Szeneviertel wechseln – ist eine Ausnahmeort in Sachen großartiger -Musik. Und das wird beim Lesen klar!

Evans, Mike: City . Underground und Hype von 1950 bis heute. , Mainz, 2003. 280 Seiten, 14,90 Euro

Anmerkungen

  1. Evans, Mike: City , Mainz, , 2003, S.242()
  2. der Einfachheit halber alle Personengruppen im generisches Maskulinum, beinhalten aber meist beide Geschlechter.()
  3. ebd., S. 83()

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