Navigation

Noisy Neighbours #11

Von Markus

Ich muss ja ehrlich gestehen, dass mir Musik-Hefte häufig genug ziemlich quer vorbei gehen. Klar, ich mag Musik genauso gerne wie die meisten anderen Menschen. Musik ist in meinem täglichen Leben total wichtig – ein Antrieb, aus dem Bett aufzustehen zum Beispiel. Zu Soophie Nun Squad Morgengymnastik machen, nachts zu The Notwist aus dem Fenster schauen und so. Aber ich halte es da eher mit Marcus Wiebusch von »…but alive«: »Über Musik schreiben ist wie zu Architektur tanzen.« Hefte wie das Plastic Bomb, das Trust oder das Ox-, die in jeder Regelmäßgikeit mit dutzenden Interviews aus der Druckpresse in die Bahnhofskioske und Plattenläden unserer Republik geschleudert werden entlocken mir meist nur ein sanftes Gähnen und der Blick auf die eigentlich viel spannendere FAZ. (Ha, jetzt hab ich mich aber geoutet.) Nur weil jemand anständige Musik schreibt, heißt das ja noch lange nicht, dass er/sie in Musikmagazinen auch nur ansatzweise was Spannendes zu sagen hätte. Da interviewe ich doch lieber meine 5-jährige Nachbarin oder die Katze, die mir jeden Tag über den Weg läuft. Hrmpf. Aber dies sollte ja eigentlich eine Rezension des Noisy Neighbours sein, und kein Musik--Dissen – auch wenn mir das noch so viel Spaß macht. Das Noisy Neighbours ist also ein Musik- wie es im Buche steht: Es gibt Interviews, die mal mehr (in dieser Ausgabe The Flying Luttenbachers, in anderen Liquid Laughter Quartet, oder Klez.e) oder weniger interessant sind (die anderen Interviews austauschbarer Jungskapellen), Rezensionen, Konzertberichte, Tourdaten. Alles soweit im Rahmen des Kanons. Was das Noisy Neighbours aber von anderen Gazetten dieser Art unterscheidet ist die erfrischende Herangehensweise an die Musik und die Bands. Da wird einerseits gerne mal intellektualisiert, TonträgerInnen und Konzerte werden sehr gut analysiert, besprochen, vorgestellt. Gleichzeitig werden andere, un-musikalische Dinge in den Blick genommen. In Ausgabe 11, die Anfang diesen Jahres erschienen ist, findet sich beispielsweise noch ein Nachruf auf den amerikanischen Journalisten Hunter S. Thompson, DaDa-inspirierte Pamphlete und eine Vorstellung von Reprodukt, einem Berliner Independent-Comicverlag. Das macht das Noisy Neighbours für mich also lesenswert – und unterscheidet das Heft positiv von anderen. Wenn Ihr jetzt noch ein paar – aus meiner Sicht – spannendere Bands vorstellen würdet, dann wäre ich wirklich froh über so ein Heft wie das Noisy Neighbours. Das stammt übrigens aus einer der spannendsten Subszenen in Deutschland: Der Bonn-Troisdorfer Noise/Indie-Szene um das Nois-O-Lution Label und BluNoise – die einfach seit ewigen Zeiten echt gute Musik produzieren und veröffentlichen.

So weit ich weiß, ist das Noisy Neighbours weiterhin kostenlos. Ich bin aber sicher, dass die Leute sich freuen würden, zumindest Rückporto erstattet zu bekommen. P.S.: Ich weiß, dass Ihr mit den Anzeigen das Heft finanziert, aber ein paar weniger sexistische Rock’n Roll-Anzeigen hätten es auch getan, vielleicht, oder?


Artikel: versenden versenden   Drucken Drucken

Technorati Del.icio.us Myspace Facebook Digg Yigg Mr.Wong Webnews Netselektor Blogmarks Linkarena Newsvine 

Es wurde noch kein Kommentar abgegeben.

Reiss die Fresse auf:

XHTML: Du kannst die folgenden Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>




Schubladen
Surftipps
  • Faites Votre Jeu!
  • Communique1
  • Kittkritik