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	<title>Kommentare zu: Sonja Eismann (Hg.) &#187;Hot Topic&#171;</title>
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	<pubDate>Fri,  4 Jul 2008 12:53:48 +0000</pubDate>
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		<title>Von: Sonja</title>
		<link>http://www.beatpunk.org/papier/sonja-eismann-hot-topic/#comment-426</link>
		<dc:creator>Sonja</dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 May 2008 12:56:21 +0000</pubDate>
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		<description>Huhu, Janette, schön, dass du Hot Topic gelesen hast, schade nur, dass einiges an dir vorbei gegangen zu sein scheint. Wenn du schreibst

"Abtreibung, Eßstörung, Drag Queens, unrasierte Axelhöhlen, langweiliger Riot Grrrl Punk… ich fürchte, nicht der richtige Weg, um – wem auch immer – den Feminismus als sexy zu verkaufen."

Da hast du wohl übersehen, dass ich in der Einleitung bemerke, dass ich finde, dass Feminismus durchaus glamourös (und damit sexy) sein KANN (wie jede linke Befreiungsideologie meiner Meinung nach inhärent sexy ist, wenn man nicht die abgenudelten warenförmigen Konzeptionen von Sexyness meint), aber nicht MUSS. Es gibt doch wirklich schon genug Disziplinierungs-Dispositive, denen Frauen täglich unterworfen sind. Sollen sie jetzt auch noch mit marktkompatibler Sexyness weitere Frauen für ihre "Armee" rekrutieren und Männchen die Angst vor der feministischen Bedrohung nehmen? Hihi, über dieses absurde Bild hat sich schon Tammy Rae Carland vor Jahren amüsiert. 

Und wie kommst du denn auf den "langweiligen Riot Grrrl Punk"? Der spielt doch im Buch eigentlich gar keine Rolle, da ich immer die Erste bin, die davon enerviert ist, dass widerständige Musik von Frauen auch jetzt im xten Jahr nach Riot Grrrl formelhaft immer nur auf diese Bewegung reduziert wird. Damit schreibst du diese Limitierung, von der ich weg will, natürlich fort. Wenig insight verraten leider auch Aussagen wie solche:

"treibt mir Fremdscham ins Gesicht, als sie sich an die Verwunderung über die rasierten Axeln »einer beliebten Elektronik-Musikerin« auf einem Konzert erinnert."

Vor wem schämst du dich denn so fürchterlich? Und was wäre deiner Meinung nach die Überwindung des Selbstzurichtungsparadigmas, das nach wie vor fast ausschließlich für Frauen gilt (auch wenn der Metro-Mann jetzt - wir leben ja schließlich im Kapitalismus - werbemäßig ziemlich vereinnahmt wird)? Fresse halten, brav rasieren, und dann irgendwas von der Veränderung der Verhältnisse murmeln, wenn es noch nicht mal die Entscheidungshoheit über den eigenen Körper gibt? Come on. Oder habe ich dich da ganz falsch verstanden?

Du hast jedenfalls Li Gerhalter in ihrem Artikel zu Körperbehaarung nicht richtig verstanden, wenn du schreibst:

"Anstatt – wenn man schon Körperbehaarung diskutieren will – zu untersuchen, wie es zu geschlechtsspezifischen Zuschreibungen über die Körperwahrnehmung gekommen ist..."

Genau das macht sie ja - sie beschreibt z.B. die öffentliche, gegenderte Wahrnehmung von Körperbehaarung als "viril/ungezähmt/sexuell aktiv" konnotiert und vermutet, dass Männer durch behaarte Frauen eine Bedrohung ihrer begünstigten Geschlechterrolle orten könnten. Hingucken please!

Ach, du schreibst doch selbst: "Das Angebot zu einem Kollektiv zu gehören, klingt erstmal verlockend."
Eben - daher ist Solidarisierung und Kollektivierung das Gebot der Stunde, und nicht die Streuung von durch den (verinnerlichten) patriarchalen Blick induzierten Lookism-Antagonismen. Da stehst du doch drüber! Und die "Problematik des Küchentisches" liegt doch eher darin, dass "weibliche" Themen genau so pejorativ wahrgenommen werden, eben als zu einem "inneren, rein reproduktiven" Sphäre gehörenden Diskurs, der die "Allgemeinheit" nichts angehe. Da hat sich tatsächlich seit den 1970ern nicht viel geändert und deswegen kann ein Autor wie Thomas Glavinic auch heute noch ungestraft behaupten, "Männerbücher" seien für alle, "Frauenbücher" nur für Frauen da. Wichtig ist es doch, sich als Frau dieser sexistischen Hierarchisierung nicht auch noch anheim zu geben. 
Aber wir wissen ja, it is a long and winding road, und schon Le Tigre sangen, one step forward, two steps back.

Und es kann natürlich nicht nur darum gehen, dass Frauen Fußball spielen (machen sie z.B. auch in Hot Topic) oder Physik studieren, was ja eh schon passiert, wenn auch noch zu wenig, sondern dass sich die geschlechter-klischierten Zuweisungen endlich auflösen. Wie Julie Miess schon ironisch und plakativ in ihrem Lemmy-Artikel anmerkt, müssten dann alle halt mal eine Blumenampel knüpfen oder ein Drahtfahrrad zurecht biegen. Hihi.

Hot Topic ist ja nicht ein verabsolutierendes Kompendium des Status Quo, sondern soll eher als ein exemplarischer, punktueller Überblick funktionieren, der vor allem eines will: kollektivieren und agitieren! Schafft ein, zwei, drei viele Netzwerke! In diesem Sinne:
nur das Allerbeste,
Sonja</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Huhu, Janette, sch&ouml;n, dass du Hot Topic gelesen hast, schade nur, dass einiges an dir vorbei gegangen zu sein scheint. Wenn du schreibst</p>
<p>»Abtreibung, E&szlig;st&ouml;rung, Drag Queens, unrasierte Axelh&ouml;hlen, langweiliger Riot Grrrl Punk… ich f&uuml;rchte, nicht der richtige Weg, um &ndash; wem auch immer &ndash; den Feminismus als sexy zu verkaufen.«</p>
<p>Da hast du wohl &uuml;bersehen, dass ich in der Einleitung bemerke, dass ich finde, dass Feminismus durchaus glamour&ouml;s (und damit sexy) sein KANN (wie jede linke Befreiungsideologie meiner Meinung nach inh&auml;rent sexy ist, wenn man nicht die abgenudelten warenf&ouml;rmigen Konzeptionen von Sexyness meint), aber nicht MUSS. Es gibt doch wirklich schon genug Disziplinierungs-Dispositive, denen Frauen t&auml;glich unterworfen sind. Sollen sie jetzt auch noch mit marktkompatibler Sexyness weitere Frauen f&uuml;r ihre »Armee« rekrutieren und M&auml;nnchen die Angst vor der feministischen Bedrohung nehmen? Hihi, &uuml;ber dieses absurde Bild hat sich schon Tammy Rae Carland vor Jahren am&uuml;siert. </p>
<p>Und wie kommst du denn auf den »langweiligen Riot Grrrl Punk«? Der spielt doch im Buch eigentlich gar keine Rolle, da ich immer die Erste bin, die davon enerviert ist, dass widerst&auml;ndige Musik von Frauen auch jetzt im xten Jahr nach Riot Grrrl formelhaft immer nur auf diese Bewegung reduziert wird. Damit schreibst du diese Limitierung, von der ich weg will, nat&uuml;rlich fort. Wenig insight verraten leider auch Aussagen wie solche:</p>
<p>»treibt mir Fremdscham ins Gesicht, als sie sich an die Verwunderung &uuml;ber die rasierten Axeln &raquo;einer beliebten Elektronik-Musikerin&laquo; auf einem Konzert erinnert.«</p>
<p>Vor wem sch&auml;mst du dich denn so f&uuml;rchterlich? Und was w&auml;re deiner Meinung nach die &Uuml;berwindung des Selbstzurichtungsparadigmas, das nach wie vor fast ausschlie&szlig;lich f&uuml;r Frauen gilt (auch wenn der Metro-Mann jetzt&#160;&#8211; wir leben ja schlie&szlig;lich im Kapitalismus&#160;&#8211; werbem&auml;&szlig;ig ziemlich vereinnahmt wird)? Fresse halten, brav rasieren, und dann irgendwas von der Ver&auml;nderung der Verh&auml;ltnisse murmeln, wenn es noch nicht mal die Entscheidungshoheit &uuml;ber den eigenen K&ouml;rper gibt? Come on. Oder habe ich dich da ganz falsch verstanden?</p>
<p>Du hast jedenfalls Li Gerhalter in ihrem Artikel zu K&ouml;rperbehaarung nicht richtig verstanden, wenn du schreibst:</p>
<p>»Anstatt &ndash; wenn man schon K&ouml;rperbehaarung diskutieren will &ndash; zu untersuchen, wie es zu geschlechtsspezifischen Zuschreibungen &uuml;ber die K&ouml;rperwahrnehmung gekommen ist&#8230;«</p>
<p>Genau das macht sie ja&#160;&#8211; sie beschreibt z.B. die &ouml;ffentliche, gegenderte Wahrnehmung von K&ouml;rperbehaarung als »viril/ungez&auml;hmt/sexuell aktiv« konnotiert und vermutet, dass M&auml;nner durch behaarte Frauen eine Bedrohung ihrer beg&uuml;nstigten Geschlechterrolle orten k&ouml;nnten. Hingucken please!</p>
<p>Ach, du schreibst doch selbst: »Das Angebot zu einem Kollektiv zu geh&ouml;ren, klingt erstmal verlockend.«<br />
Eben&#160;&#8211; daher ist Solidarisierung und Kollektivierung das Gebot der Stunde, und nicht die Streuung von durch den (verinnerlichten) patriarchalen Blick induzierten Lookism-Antagonismen. Da stehst du doch dr&uuml;ber! Und die »Problematik des K&uuml;chentisches« liegt doch eher darin, dass »weibliche« Themen genau so pejorativ wahrgenommen werden, eben als zu einem »inneren, rein reproduktiven« Sph&auml;re geh&ouml;renden Diskurs, der die »Allgemeinheit« nichts angehe. Da hat sich tats&auml;chlich seit den 1970ern nicht viel ge&auml;ndert und deswegen kann ein Autor wie Thomas Glavinic auch heute noch ungestraft behaupten, »M&auml;nnerb&uuml;cher« seien f&uuml;r alle, »Frauenb&uuml;cher« nur f&uuml;r Frauen da. Wichtig ist es doch, sich als Frau dieser sexistischen Hierarchisierung nicht auch noch anheim zu geben.<br />
Aber wir wissen ja, it is a long and winding road, und schon Le Tigre sangen, one step forward, two steps back.</p>
<p>Und es kann nat&uuml;rlich nicht nur darum gehen, dass Frauen Fu&szlig;ball spielen (machen sie z.B. auch in Hot Topic) oder Physik studieren, was ja eh schon passiert, wenn auch noch zu wenig, sondern dass sich die geschlechter-klischierten Zuweisungen endlich aufl&ouml;sen. Wie Julie Miess schon ironisch und plakativ in ihrem Lemmy-Artikel anmerkt, m&uuml;ssten dann alle halt mal eine Blumenampel kn&uuml;pfen oder ein Drahtfahrrad zurecht biegen. Hihi.</p>
<p>Hot Topic ist ja nicht ein verabsolutierendes Kompendium des Status Quo, sondern soll eher als ein exemplarischer, punktueller &Uuml;berblick funktionieren, der vor allem eines will: kollektivieren und agitieren! Schafft ein, zwei, drei viele Netzwerke! In diesem Sinne:<br />
nur das Allerbeste,<br />
Sonja</p>
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