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Adjudgement »At Two O’Clock«

Von Dennis

Das Leipziger Label schickt die neue -Platte raus und die ist überraschend toll geworden. Die fünf Hannoveraner sind schon seit Jahren eine der wenigen sympathischen Konstanten in der deutschen Hardcoreszene und kein Musiktrend konnte sie bisher aus den Schuhen hauen. Zwar beackert man musikalisch keine neuen Felder, sondern steuert ziemlich gradlinig in altbekanntem Terrain, aber dafür verfügen über den oft beschworenen Wiedererkennungswert, und der ist gerade bei der Masse an Bands ungleich mehr wert, als hippe Steinzeitparolen oder Zeitgeistsounds.
Die Anfänge der Kombo sind viereckig und mit einer ordentlichen Old School Kante – nenne ich doch die Erstveröffentlichung »Kiss My Ass« (1995) mein Eigen und kann das hier mal locker behaupten – was sich über die Jahre, derer inzwischen zehn, aber mehr und mehr hin zum Sound der neuen Schule entwickelt hat, schließlich noch durch Zweitgitarrist Tim angedickt wurde und spätestens mit dieser Veröffentlichung zum Kanzlercore erkoren gehört. Zusammenspiel und Stil hat man perfektioniert und knüppelt mit mindestens genauso hohen Anforderungen in Richtung gutes Liedgut!
Und genau da gewinnt »At Two O´Clock«. Das Ziel wurde verfolgt, nämlich prima Songs schreiben und die haben nicht nur die absolute Mehrheit, sondern auch die absolute Durchschlagskraft. Was es nicht gibt, ist Männergepose oder belangloses Geschwätz. Das gilt sowohl für diese Platte, als auch für das aktive Erscheinungsbild auf der Bühne. Als ein Garant für bewegende Konzerte ist es der Band (und Produzenten) gelungen, die Intensität ihrer Liveshows einzufangen und trotzdem einen modernen, lebendigen Sound auf Platte zu pressen, und damit den besten Beweis dafür zu liefern, dass auch konservierte Musik die Distanz zum Hörer zwar nie ganz überbrückt, trotzdem aber ein Gefühl der fast-Authentizität des Vertonten schaffen kann. »Ehrliche« Atmosphäre – wenn´s geht, auch noch die Bandeigene, sollte doch die Mindestanforderung an eine gute Platte sein. Denn das schafft Identifikation. Und im besten Fall, dass du dich in deinem Wohnzimmer selbst umpogst.

Dass vom Zuhörer gerade bei intensiv vorgetragener Musik wie , besonders Übereinkunft mit der Band gesucht wird, liegt nicht zuletzt an der Begeisterung für die subtile Grundstimmung. Bezeichnend ist, dass speziell als Live-Musik ein sehr vereinendes Moment hat, in dem Songs und Musik eine Form für Aggressivität und Gefühl schaffen, die nicht nur von den Akteuren, sondern auch vom Zuhörer bestimmt und gesteigert werden kann. Diese These hält wiederum nicht für die Musikkonserve, bei der der Zuhörer höchstens die Lautstärke steigern kann. Ohne visuelle Untermalung, sympathischem Augenkontakt oder Publikumsbegeisterung hat schon manch eine Band zu Hause in der Stube die Erwartungen des Auditors mit tatsächlicher Langeweile oder schlicht Sinnlosem erwürgt.


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