Navigation

Antitainment »Nach Der Kippe Pogo!?«

Von Dennis

Die grandiose Hammerhead-DVD endet mit der Feststellung »wer aussieht wie ein Elternteil von sich, kann kein Punk sein«. Der formale Faktor »Mutti« tritt allerdings in den Hintergrund, führt man sich erst einmal vor die Adleraugen, dass der Lauf der Zeit einer/m selbst noch ganz andere Konventionen auferlegt hat, die bedenklich nah am Verhalten der Masse gastieren. Je öfter man sich dabei ertappt, mit dem allgemeinen common sense zu sympathisieren, desto unausweichlicher wird auch der Weg hin zum Abonnement der örtlichen Tageszeitung oder dem verständnisvollen Bezahlen der GEZ-Gebühren. Da ist es nur zeitgemäß sich selbst ab und zu das Misstrauen auszusprechen.

Denn jede/r kennt die Abkommen der allgemeinen Übereinkunft, die bereits von Jugendzeiten her herrschen und vielleicht für immer unangefochten bleiben. Z.B.: Wer mag Klugscheißer? Niemand, natürlich. Die Besatzung der Frankfurter Boygroup übernimmt diese Rolle trotzdem und trifft mit exzellent formulierten Beobachtungen so dermaßen ins Schwarze, dass viele nach dieser Platte beschließen werden, sich zukünftig nur noch traurige Tattoos stechen zu lassen. Die Texte sind eine herzensehrliche Aufräumaktion im Assoziationshaushalt der NormalocorelerInnen, wobei fraglich ist, ob die dranhängende Szene so viel Ironie überhaupt aushält. Denn Humor ist im Hardcore weit weniger üblich, als die bunten Käppis und Pullover der Protagonisten es manchmal suggerieren, besonders dann, wenn Mackertum oder tradierten Konzertritualen der Spiegel vorgehalten wird. Darauf, daß die Ansammlung von mehrheitlich jungen Männern irgendwann ihre eigene Spießbürgerlichkeit erkennt, braucht man nicht warten. Ebenso gut kann man in den Wind spucken.

Besser aber noch ist es zu hören, denn die sind die sympathischen Nestbeschmutzer dieser kleinen subkulturellen Lebenswelt und deshalb viel besser als deine Band. Nicht weil sie das sowieso nicht zuhörende Publikum mit erhobenem Zeigefinger von den gesellschaftlichen Zusammenhängen zwischen Überbau und Unterschicht belehren wollen, sondern wegen ihres ausgestreckten Mittelfingers, der gar nicht erst versucht über die ausbleibende Befreiung hinweg zu lügen, sind die Knackärsche der Kritik. So wichtig wie ein kleines Steak.


Artikel: versenden versenden   Drucken Drucken

Technorati Del.icio.us Digg Yigg Mr.Wong Webnews Netselektor Blogmarks Linkarena Newsvine 

Es wurde noch kein Kommentar abgegeben.

Reiss die Fresse auf:

XHTML: Du kannst die folgenden Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>




Schubladen
Surftipps
  • Faites Votre Jeu!
  • Communique1
  • Kittkritik