Bottomless Pit aus Chicago ist eine dieser Bands, die ob ihrer unspektakulären Zeitlosigkeit – gottseidank – nie in auflagenabhängigen Umsonst‑ oder Sinnlosmagazinen auftauchen werden, im Zweifelsfall deshalb, weil sie ihre Platten nach wie vor selbst rausbringen. Und doch sind sie Halbgötter im Indierock-Mikrokosmos: Bis ihr Schlagzeuger Mike Dahlquist bei einem Autounfall von einer Selbstmörderin getötet wurde, spielten Andy Cohen und Tim Midgett bei Silkworm, der Band mit den nackten, schnarrenden Riffs, die das Rückenmark runterschabten, und den selbstzerfleischenden Texten mit ganzen Alben über Alkoholismus. Silkworm vereinten damals quasi das Beste von Pavement und Shellac in einer Band. Der Bottomless Pit Schlagzeuger Chris Manfrin war früher bei Seam, noch so einer End-90er Touch&Go Band, die heute riesig sein müsste.
Bottomless Pit ist nun die konsequente Weiterführung der Vorgängerprojekte, etwas ruhiger und doch schwer, etwas versöhnlicher (wobei »So many fuckers in this world/to line up/and trade for you« eine Zeile für die Ewigkeit bleiben muss), zeitlos und fernab von Pitchfork-Hypes und Indiehütchen-Pop. Und doch eine der Platten des vergangenen Jahres. Aufgemacht ist das von der Band selbst herausgebrachte Album als Doppel-LP mit gigantisch dickem Karton, Klappcover und wunderschönem Druck, der zum Glück eine CD beigelegt wurde, denn das Auspacken der Schallplatte wäre hier wirklich zu schade: die gute alte Zeit eben, schöne Scheiße.



