Von Sebastian
Würde Elvis heute noch leben, so würde er sich wohl anhören. Feinste Rock’n’Roll Läufe über klickernde Elektrobeats, gesampelte Gitarren und Computerkrach. Die vier Songs auf der EP schlagen einen eigenen Weg ein, auf dem eine heitere Collage aus der Popgeschichte gebastelt wird. Der astreine Rock’n’Roll Opener „Pocket Rocket Queen“, gefolgt vom Gainsbourg Cover „Le Claquer de Doigts“, noch eine Blues Nummer im sauberen 16-Takt Blues Schema (remember Musikunterricht in school) und fertig ist eine angenehm innovative Scheibe, die alles zwischen 1920 und jetzt völlig respektlos und begrüßenswert miteinander verrührt. Hervorheben sollte man den Track 4 der Scheibe namens „2–0–0–1=OK“, der das Kunststück vollbringt, sich 10 Minuten lang auf ein und demselben Ton rumzudrücken. Damit entfaltet der Song zwar seinen ganzen nervtötenden Charme, tut dies jedoch für bzw. mit einem ironischen Verhältnis zum eigenen Titel. Und so was ist ja immer nett.
Der Boy From Brazil scheint eine ganze Time-Life-Sammlung vergangener Hits in sich aufgesogen zu haben, um sie in seinen eigenen Sound zu übersetzen. Und das hört sich recht gekonnt an, wenngleich mit einer ordentlichen Portion Trash, wie ja bereits der Name des Debüts andeutet. Aber bei einem, der mal bei Stereo Total den Bass bedient hat, und der zusammen mit den Yeah Yeahs Yeahs einige Shows auf deren Europa‑ Tour bestreiten wird, sollte dies nicht weiter verwundern. Ein eigenwilliges Stück Musik, dem hoffentlich noch ein ebenso interessantes Album folgen wird. Bis dahin, Hüften kreisen zum Elektro Elvis aus Berlin!
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