Von Dennis
»Split Session« heißt diese EP des Kentucky-Vierers Breather Resist, deren intensive Gefühlsaubrüche hier zusammengetragen wurden. Der dunkelste aller Sounds begleitet ein einmaliges, weil durchgängig extremes Songwriting. Alle Stücke sind bereits in den vergangenen zwei Jahren auf verschiedenen Singles veröffentlicht und im Sommer diesen Jahres neu aufgenommen worden. Zwei, drei mehr hätten es aber schon sein können, angesichts der bescheidenen Spielzeit von 13 : 35 Minuten.
Als in den Neunzigern vermehrt punkfremde Elemente im Hardcore auftauchten – »A Shape Of Punk To Come« war dann sozusagen der Startschuss, der nicht aus Amerika kam –, begannen Bands unabhängig von einander HC aus der starren Form, die nur unterschiedliche Stile kannte, herauszulösen, indem sie bewährte Strukturen kaputt machten und damit ganz neuartigen Sounds den Weg pflasterten. Dagegen orientieren sich Bands heute eher daran, wie oft es welchen Sound in welcher Kombination schon gegeben hat. Neue Ausdrucksformen zu erfinden scheint unmöglich. Es braucht viel ästhetisches Verständnis (oder aber gar keins) um sich frei von bereits existierender Musik zu glauben. Die ständige Reproduktion und die damit einhergehende Vervielfältigung des Immergleichen lässt erahnen, wie überflüssig die Haufen eigentlich sind, die die Musikindustrie ständig macht. Sich in einem stagnierenden Genre trotzdem neuartig auszutoben, vielleicht eine kleine Richtungsänderung einzuführen, könnte der Anspruch sein, an dem Innovation erkennbar ist.
Auch Breather Resist führen nicht aus der Stagnation heraus und handeln nur mit gewöhnlichen Zutaten, aber verlangen sich und dem Zuhörer viel mehr Konzentration ab, sind viel kompromittierender und unzugänglicher. Musikalischer Pluralismus ist nicht ihr Ding, sondern eher die einseitige Konfrontation mit Hörgewohnheiten. Der mitunter chaotische Ablauf der Lieder überfordert mehr als einmal und macht es schwer dem Spektakel zu folgen. Ist das Kalkül oder schlicht der Sound der entsteht, wenn sich vier Musiker aus Luiseville treffen, um Hardcore zu machen? Die Frage, die letztendlich entscheidet, nämlich ob gut oder schlecht, ist, wie oft, nur eine des Ausgangspunkts. Sicher gibt es Bands, die noch härter und kaputter zu Werke gehen, aber Breather Resist tun gut daran, ihren rohen NewSchool derart bloßzustellen, der zwar vielen zu anstrengenden und limitiert sein wird, aber genau deshalb eine Nische im modernen Gitarrenkrach besetzt, die auszubauen wäre.
Die Tatsache, dass die 7 Lieder auf der CD in insgesamt 61 Einzeltracks zerstückelt sind, kann man wahlweise als avantgardistische Untermauerung des Titelkonzeptes verstehen oder schlicht als »Kunstkack!« (O-Ton Chef) gutheißen. Überhören kann man es jedenfalls nicht. Denn auf Pausen zwischen den regulären Stücken wurde verzichtet, somit ist es fast unmöglich ein bestimmtes Lied anzuwählen. Ein Korsett, das die Abfolge festlegt und keine andere Alternative zulässt. So wird schließlich doch das Getrennte zum einheitlichen, ganzen Ausstellungstück und dem Hörer ganz programmatisch jede Atempause verweigert.
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