Captain Gips, Hamburg, Hip Hop, Humor, Rap, SilberRücken-Records
Von Abel vB
Im neuen Jahrzehnt und dem noch jungen Jahrtausend stehen die Zeichen so gut wie nie, dass die Menschheit es endlich und ein für alle mal schafft, sich von der widerlichen Praxis der Massenproduktion loszusagen. »Gleich und gleich gesellt sich gern« war gestern. Denn der gestiegene Grad der Technologisierung von Produktionsabläufen erlaubt es der Industrie den Konsumenten zu gleichen Kosten maßgeschneiderte Produkte anzubieten. Nie wieder den ganzen Tag am immer gleichen Fliessband stehen, sondern Heute hier und Morgen dort. Ob Müsli, Pralinen, ein schönes Fahrrad oder den neuen 5er, alles dank Zukunft genauso wie wir es möchten. Dementsprechend war es nur eine Frage der Zeit, bis auch die Kulturproduzenten dieser Entwicklung folgen und nicht länger nur eine Linie anbieten würden. Captain Gips aus Hamburg ist einer der Pioniere dieser erwünschten Bewegung. Auf seinem neuen Album Optimus Prime präsentiert er sich nicht nur als authentisch-ehrlicher Captain Gips, sondern auch als Blumentopflappen MC Fresh; er denkt sich in die Innenwelt des weltberühmten Florida Rolf und bedient natürlich auch das Genre des lachhaften deutschen Gangster HipHop mit seinem Alter Ego King Fuck. Für jeden das richtige.
Das Album gefällt nicht nur Dank des innovativen Konzeptes, sondern auch musikalisch. Die ersten Tracks kommen vom Captain persönlich und präsentieren gewohnte Hip Hop Themen (Hood, Hate, Humour) in neuem Gewand. Statt blingbling und Schwanz-Vergleich geht es um die endgültige Veränderung Hamburgs zum schicken Ghetto, um sexistische Rapper, Statussymbole und den Genuss, Morgens einfach liegen zu bleiben. Harter Tobak also.
Es ist eine schmale Planke auf der Captain Gips balanciert. Immer kurz vorm Absturz in ein Meer von erhobenen Zeigefingern und moralgeschwängerten Phrasen. Aber man merkt dem Album an, dass mehr dahinter steckt, als Hass auf die Reichen, weil das eigene Leben nervt. Die politischen Texte versuchen nicht, krampfhaft eine Message zu verbreiten. Hier fühlt sich niemand als Messias oder nimmt sich zu ernst: »ich will mein leben so leben wie josef ackermann/ich kann tun was ich will/die anderen ackern, mann.« Die Texte sind vielmehr eine Mischung aus klassischen Punchlines und smarten Querverweisen, in denen – selbst wenn sie von King Fuck kommen – nicht (nur) einfach Klischee an Klischee geknallt und danach zusammen darüber gelacht wird, sondern in denen sich die Figur des Gangster Rappers zärtlich dekonstruiert findet: »das ist ultrabrutal/das ist hardcore/wir sind die schergen/und geld der diktator«
Bei Florida Klaus und MC Fresh driftet das Album dann zwar etwas in Richtung Comedy ab und ist nicht mehr wirklich hörbar. Aber zum einen sollte man die Idee honorieren Florida Rolf solch ein Denkmal zu setzen und zum anderen hat man ja noch die Punchline aus dem Song +/- von Captain Gips im Ohr: »ich hasse das/hasse das was die masse macht/euer comedy quatsch/thomas hermanns worüber die masse lacht.«
Und unterm Strich zählt ja, was man nicht mag.
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