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Cardigans »Long Gone Before Daylight«

Von arlo

Hits waren da. Schon einige, und wer kann schon von sich behaupten, er habe nicht zu ihrem Lied Leonardo angeschmachtet, lautstark im Cabrio zum „ Gran Tourismo“ mitgesummt oder aber auch in schlechten Discos verzweifelt „Burning Down The House“ gefordert ? Doch mehr mochte ich von den nie hören. Ich weiß nicht, warum das so war. Die Lieder gingen meist in Ordnung und begleiteten mich auch eine Zeit lang recht gut, doch der Wunsch nach mehr machte sich nie in mir breit. So war das, und es wurde ruhig um sie und vermissen konnte ich auch nix.

Aber Dinge ändern sich. Als ich zum ersten mal „For What It´s Worth“ hörte war ich begeistert. Kein Angeberlied, nicht aufdringlich noch laut oder sonst was, was mit Macht versucht Aufmerksamkeit zu erhaschen. Nur diese Melodie, getragen von Nina´s Stimme untrennbar verbunden mit dem leichten Arrangements der Band. Einfach und doch verdammt sexy. Ich hörte es wieder und wieder, wissend , das jedes erneute Hören, dem Lied ein Stück des Zaubers nehmen kann und irgendwann das Gefühl einkehrt : „ Weg damit, ich kann’s nicht mehr hören“. Doch nix da, selbst das 84. Mal hören änderte nichts, und es hieß immer noch „ one , two, three, four “. Vertraut, nicht ausgelutscht. Doch mehr als das. Ich war neugierig. Neugierig auf das was die knapp 4 Min versprachen und mit dem folgenden Album namens „Long Gone Before Daylight“ noch kommen mochte. Auch der Opener offenbarte Grosses, und war es bei „For What Is Worth“ noch zaghaftes Schwärmen aus sicherer Distanz ,so wich dieses nun zugunsten einer tiefen Sympathie. Anders ausgedrückt: Es gibt Platten und Platten und „ some of them get closer then others “. So mag es auch nicht verwundern das zentrales Thema „ die Liebe“ in all ihren Stadien ist. Mögen einige schon voreilig die Hände über den Kopf zusammenschlagen und eine weitere unnötige (ist das überhaupt möglich?) Aneinanderreihung gescheiterter Liebesbemühungen erwarten, so kann ich sie beruhigen. Dies mag zum einen an den Texten selbst liegen. Oftmals geht es in ihnen nicht um frustrierte Menschen, die einsilbig ihre Geschichten erzählen, vielmehr um jene, die an Wendepunkten stehen, Entscheidungen getroffen haben und nun warten, vielleicht sogar hoffen, dass es ein Morgen gibt, am besten gemeinsam. Sie wissen aus gelebter Erfahrung, dass die Liebe mehr ist als das anfängliche Hochgefühl („Communication“), aber auch, dass es dazugehört, das Erobertwerden („You’re The Storm“), und sie alles wollen. Zurecht!! Und zum anderen ist dann ja noch die Musik, die alles andere als klagend oder auch ausweglos klingt. Mögen insgesamt die ruhigen Töne dominieren, so kommt doch mehr das Gefühl des Innehaltens auf, als Trauer oder gar Melancholie. Musik als Ruhepol. Man möchte in einen Schoß fallen, in den man sich zurückziehen kann, vielleicht auch, um nur noch einmal durchzuatmen, vorbeugend für alles weitere. Schönstes Geständnis ist „You´re The Storm“, welches zaghaft, zerbrechlich beginnt aber mit jedem Ton an Selbstsicherheit gewinnt und sich in einem finalen Refrain verliert, der vor Lebensfreude überschäumen zu droht und schwer darin zu überbieten ist. Ein breites Grinsen zieht sich durch mein Gesicht, ich möchte aufstehen, den Arm in die Luft strecken‑ sky is the limit‑ dazu den Kopf nicken und alles um mich bedingungslos gut finden. Es kommt mir so vor, als lege jemand die Hand auf mein Leben, schützend; ein schönes Gefühl, welches ich nicht mehr freigeben möchte. Das alles ist schon nah dran, am perfekten Lied.

Liebenswert, charmant, optimistisch, einnehmend. Dies sind Attribute, die mir spontan einfallen, müsste ich das Album mit knappen Worten beschreiben, das doch mehr Indie klingt, als alles mir bislang von den bekannt war und was sie, wenn man sich das Cover anschaut, auch optisch zu unterstreichen versuchen. Letzteres bleibt reine Vermutung. Was bleibt ist eine Pop-Platte mit wunderschönen Momenten, die einen sanft durch die manch verhassten Sonntage bringt und verspricht, was jeder weiß, aber doch schnell zu verschütten droht: Das es weiter geht und dort draußen Erlösung ist, für jeden. Ganz bestimmt.


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