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Chicks On Speed »99 Cents«

Von Sebastian

99 Cents, so heißt sie, die neue Platte der . Die drei Frauen, die sich keineswegs aufs Musikmachen beschränken, gliedern ihr Album in ein Großprojekt ein, das neben der Band und dem Label, auch im Modedesign und Bücherschreiben seinen Ausdruck findet. Aber weder um das Fashion‑ Output, noch das Druckwerk » − it’s a project« soll es hier gehen, sondern »lediglich« um gute Musik. Obwohl das eine ohne das andere nicht zu haben ist: bei Songs, wie „Fashion Rules!“ oder der Selbstinszenierung der Chicks wird relativ schnell klar, dass auch die Lieder sowohl Reflexionsfläche, als auch Ausdruck des Großprojekts COS sind. Und das geht auch extrem in Ordnung.

Jedenfalls muß sich die Band nicht hinter dem Rest verstecken. Der glamouröse Stil aus Elektrogedresche mit Rockattitude wurde jedenfalls nicht im Supermarkt der Popkultur aus dem Regal geklaut, um ihn später als das neue, heiße Ding zu verkaufen. Tatsächlich können Melissa, Kiki und Alex für sich in Anspruch nehmen, unverwechselbare Musik auf Vinyl oder Blech zu bannen, bei der sich jedenfalls die Frage nach gut oder schlecht nicht stellt, wohl aber die des Geschmacks. Mein Ding ist die »99 Cents« abgesehen von einigen gewichtigen Ausnahmen nicht. Eine davon ist der Song »Coventry«, der von „People and places, people in different towns“ handelt. Eine Ballade über die Freunde, die in aller Welt versprengt sind. Neben Stücken, wie »Culture Vulture« und »Love Life« schält dieser Song eine eher ruhigere Seite des Albums heraus, die mit der ungewohnten Zugänglichkeit der Musik tatsächlich ein Novum bei COS ist.

Vielleicht liegt gerade darin das Programm der Platte versteckt, in konsumierbaren Songstrukturen das Problem der Popkultur illustrieren zu wollen. (Welch gewagte These) Es ist schon erstaunlich, dass mir gerade die tanzbaren, seichten und einprägsamen Stücke am Besten gefallen, auf der die drei Frauen ansehnlich, emotional und aggressionsfrei ins Mikro flöten. Mit einer sauberen Stimme die Haltung bewahren im Auftrag glatter und schöner Töne. Prima zum Abwaschen und sonnenbaden geeignet, kann Musik keinen Einspruch mehr einlegen, sondern immer nur »Ja, bitte« sagen.

pointieren dies auf »99 Cents«, indem sie Kritik in überzeichneter Affirmation abbilden. Wenn sie singen: »Just sellout. Do it to yourself, before it’s done to you.« oder »We shop more than other people« setzen sie im Gegensatz zu den trendy Anti-Kommerzschlagern von Wir sind Helden und Mützen-Ben dort an, wo’s ums Ganze geht. Nicht Markenjeans oder Einkaufen sind das Problem, sondern ein gesellschaftliches Verhältnis, das mit Mützen-Ben, Judith Holofernes, Dir und mir mindestens so viel zu tun hat, wie mit Nike und Levis.


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