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Circle Takes The Square »As The Roots Undo«

Von Dennis

Angeschossen ist noch nicht tot. Die Konjunktur der eigenen Widerstandsfähigkeit bekommt gerade in solchen Momenten wieder Aufschwung, in denen du dich entscheidest, entweder in der Kuhle mit vollgepissten Hosen sitzen zu bleiben oder aber Hand anzulegen ans eigene Elend und sich neue Gründe für ein Weitermachen zu erschwindeln. Und dann hoffst du, dass du sie nicht gleich wieder verlierst. Auch mit Alkohol lässt sich der Wahnsinn vertreiben – lügen tut, wer anderes behauptet – aber nicht für immer und danach fühlst du dich wieder wie vorher, oder schlimmer. Immer mit der Gewissheit, beim nächsten mal ja auch wen abballern zu können. Um damit Platz zu schaffen. Mehr Platz für zynische Atmosphäre, um sich seinen kleinlichen Depressionen so richtig bewusst zu werden und sich zu versichern, dass man nicht einmal die Wahl hat zwischen angekettet sein und Konformismus bis zum Exitus. Der Gedanke, dass man es ja eigentlich noch ganz gut getroffen hat, hilft da gar nichts.

Mit vertonter Emotion wollen diesem durchaus schizophrenen Eindruck Ausdruck verleihen. Hingerissen zwischen schnellen, chaotischen Hardcore/Crust und minimalistischen Melodien, die sich vom friedlichen Luftzug zum vernichtenden Sturm entwickeln, wird mit jedem weiteren Stück ein verzweifeltes stop-and-go Kunstwerk aufbaut. Wer glaubt Harmonie und Krankheit könnten nicht zusammen gehen, der schaue bitte aus dem Fenster, um sich der gesellschaftlichen Realität zu vergewissern. „Life is lowly, lowly anonymityâ€? Die eigene Demütigung wird gecastet und live ausgestrahlt. Irgendwann wird nicht mehr nachgefragt, warum die ständig wiederkehrenden Neurosen der bürgerlichen Gesellschaft immer wieder durch neue, leichter zu konsumierende ersetzt werden. Bleib bloß in der Reihe!

Wie in einem MartialArts Film, begeistert die Technik und die Professionalität der Akteure, ein auf und ab von einstudierter Choreographie und scheinbar spontanen Gefühlsausbrüchen des Gesangsduos Drew und Kathy, die durch das Album führen. Weinerlich, angepisst, total kollabierend oder flüsternd, lässt erst der atmosphärische Wechselgesang das Duell zwischen Belagerung und Wut wahr werden.

Meist wird auf herkömmliche Songstrukturen verzichtet. Die einzelnen Stücke, stehen zwar auch alleine auf zwei Beinen, werden aber durch ein Titelthema das sich durch das ganze Album zieht, zusammengehalten. Als Chorsprechgesang, Pfeifen oder wie im abschließenden zehnminütigen „A Crater To Cough In“, als Akustikteil, um sich dann als Gitarrenriff in allen möglichen Variationen vom Zuhörer zu verabschieden. Als musikalische Referenz fallen mir manchmal Fingerprint oder Majority Rule ein.

Blitzschnell und lebendig zelebrieren CTTS Musik als Ausdrucksmittel. Eine Band deren Widerstand sich als Widersprechen äußert. Innovation und musikalischer Anspruch als ein Ausbruchsversuch in direkter Opposition zur objektiven Schönheit in einer Gesellschaft, die fadenscheiniger und schizophrener gar nicht mehr sein kann. „Compromise nothing, but that which secures a comfortable life, risk as the indication of a healing sacrificeâ€?

»As The Roots Undo“ ist dramatisches Musiktheater im robustem Schick der Folterkammer Gesellschaft in sieben Akten. Aber man fragt sich trotzdem, was das denn gerade war, dass einen da eine dreiviertel Stunde gefesselt hat.


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