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Click Click Decker »Ich habe keine Angst vor…«

»Willkommen im Untergrund mit Dachterassenflair. Hier meine Rezension. ’Ich versteh gar nichts mehr.’«

Eine Steilvorlage wie auch einen bleiernen Bremsklotz wuchtet Kevin Hamann aka Click Click Decker in seinem Song »Wer erklärt mir wie das hier funktioniert« aufs Tableau. Wie will man nach solchen Zeilen noch unbefangen drauf los tippen, irgendwas von zuckersüßem Pop daherschwallen oder aber: wie kommt man trotz eines Satzes, der auf das sinnlose Unterfangen über Musik zu schreiben anspielt umhin ihn diesem Unterfangen voranzustellen?

Unverfänglich ist zunächst ein Blick auf den Tatsachenstoff. Bernd Begemann – so wird kolportiert – lud Mr. Click nach einem Konzert zum Frühstück ein, bestimmt zu frischen Brötchen, Obst und einem guten Kaffee. Mit einem vollen Bauch und einem Blick in die Zeitung schlug er die Veröffentlichung eines richtigen Albums vor. Ja warum eigentlich nicht? Nach einer Reihe veröffentlichter Tapes, einer phänomenalen Splitplatte mit Lattekohlertor und der Schnulli 7« bei Meerwert eine recht plausible Idee.

Wahrscheinlich ein ganzer Berg von Kassettenaufnahmen wanderte alsbald in einen Leinenbeutel, der mit seinem Träger und großen Plänen die U-Bahn Richtung Studio bestieg, wo die Songs gegen den Strich gebürstet, poliert und mit hautstraffenden Vitaminmasken behandelt wurden.

Das Resultat ist schön geworden. Es besteht aus einer CD mit dreizehn Lieder, deren Texte Dir nicht ganz unbekannt erscheinen. Bestimmt nicht. Worüber hast Du gestern nachgedacht, oder letzte Woche – Click Click Decker schreibt Songs davon, widmet dem kleine Geschichten, jongliert mit Metaphern. Vollgesogen von persönlichen Erlebnissen, Eindrücken oder Gefühlen. In jedem Fall und Hauptsache persönlich.

Auch wenn hier nicht stehen soll, die Platte klänge wie Hamburg wo im Übrigen die beteiligten Labels Audiolith und Meerwert ihr Basislager aufgeschlagen haben, verwundert kaum, dass auch Click Click Decker in der Nachbarschaft wohnt. Das Klischee vom Städtesound findet bei »Ich habe keine Angst vor…« gewiss frischen Nährboden.

Intelligente Popmusik mit dem Hang zur Grenzüberschreitung, der Freude an einer ausufernden Instrumentierung, getragen von bisweilen tanzbaren, elegischen oder fast-kitschigen Harmonien lokalisiert man durch Blumfeld, Tomte oder Kante in Altona, dem Schanzenviertel bzw. St.Georg – und genau dieses Eckpunkteprogramm passt auch auf Click Click Decker. Die Singer-Songwriter-Form ergänzt er durch elektronische Beats, fügt hier mal ein Klavier, dort noch eine Saxophonspur hinzu. Ich vermag zwar nicht zu erklären wie das hier funktioniert, aber es funktioniert.

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