Von Sebastian
Jede Wette: Stumpf ist trumpf. Wer dieser Erkenntnis bisher zweifelnd gegenüberstand, der wird mit dem Debüt-Album der Cockbirds eines Besseren belehrt. Im Grunde sollte ja schon der Bandname hinreichende Rückschlüsse auf ihren Inhalt zulassen. Wer hingegen entweder des Englischen oder gänzlich des Lesens nicht mächtig ist, dem gaben die Wahlberliner bereits 2003 mit dem Cover ihrer ersten 7“ eine helfende Stütze an die Hand – es sollte schließlich niemand behaupten dürfen, hier wäre etwas nicht zu verstehen. Und so flog vergnügt und bedeutungsschwer eine Friedenstaube dem Bildrand entgegen, die dem Betrachter ihren anmontierten Krickelkrakel-Penis entblößt, der wahrscheinlich in mühevoller Kleinarbeit mit Windows Paint an die adäquate Position gewerkelt wurde.
Man ahnt es bereits: gehobelter Dilletantismus und geschmackvolle Geschmacklosigkeiten werden geboten, ausgedacht und umgesetzt in deliriösem Wahn. In all seinen wohlklingenden Schattierungen ölt frischgezapftes Dosenbier die raubeinigen Punkrockstücke, fließt durch sie hindurch, gärt in den Pausen und wird letztlich stilecht in der Gaderobe auf der Polenten-Uniform und dem Rascheltrainingsanzug verkleckert, die man für gewöhnlich live anlegt. Wie hübsch.
Jedoch, wer nun mutmaßt es mit den 15jährigen Kaufhallen-Vorstehpunks zu tun zu haben, die in ihren Jugendzimmern Hosen mit Chlorix verschandeln, der hat sich geschnitten. Die einzelnen Cockbirds flatterten bereits durch recht bekannte Kapellen, wie Surrogat, die Türen und die bei der lieben RezensentInnengemeinde in dieser Aufzählung immer sträflichst vernachlässigten Novotny TV.
Gerade letztere aber, die irgendwann in den 90ern mit ihrem Album »Deutschland braucht Deutschpunk« über vorgenannte Jungendzimmer hereinbrachen, braucht man bei den Cockbirds nicht mit der musikalischen Lupe zu suchen. Ein schmissiges 1,2,3,4-ufftauffta mit nörgeligem Unterhemd-Gegröhle füllt auch »Superdanke«, nur wird der Punkrock-Konservativismus hier ab und an durch ein wenig Orgel, Saxophon und ein paar Elektrospielerein durchlöchert. Dezent genug versteht sich, damit das Album nicht um das Signet des Klassischen fürchten muss. Keine Experimente! Das darf man wohl erst recht von den Texten behaupten. Wer Zeilen, wie »Amok im Freibad, ich mach Euch alle platt. Dann sauf ich Eure Biere aus, und geh wieder nach Haus« dichtet, der kann kein schlechter Mensch sein – oder hat Vogelgrippe.
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