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Crowfish »Requiem For A Broken Heart«

Von Sebastian

Emo/Pop aus Bulgarien ist nicht wirklich die Musik, die man in Osteuropa zu finden erwartet. Doch so sehr man sich in seinen Ressentiments auch wälzt: an der erfreulichen Erkenntnis wird kein Vorbeikommen sein, dass es außerhalb des First-World-Musikhorizonts noch eine Menge zu entdecken gibt. Gute Bands etwa, die sich im Proberaum und kleinen Clubs in Belgrad, Moskau, Warschau oder Budapest den Arsch wund spielen, ohne dass hier jemand davon Notiz nimmt. waren eine davon bis sie Records dankenswerterweise auch einem größeren Publikum bei uns zugänglich machte. Und das soll auch hier noch einmal geschehen: Chavdar Manolchev (Gesang, Gitarre), George Pechlivanov (Bass) und Boljidar Atanasov (Drums) sind drei Jungs aus dem bulgarischen Küstenort Varna, die mit ihrem „Requiem For A Broken Heart“ ein Album zusammengeschrieben haben, das den Weg durch energetischen Pop, Emocore und Pop-Punk antritt − und jedenfalls in den Passagen ersterer Gattungen ordentlich Geschmacks-Bienchen abräumt. Balladen wie der Titelsong oder „There’s Nothing Left To Say“ sind nicht besser als die der großen Emobands, die zur Zeit wieder als das neue heiße Ding befeiert werden, sie sind aber auch nicht schlechter.

Die anderen Songs haben mitunter ihre Haken: Etwa der Opener „Porcelain a) apostrohph“ in dem das synkopierte Stolpern des Schlagzeugs zwar durch den Gesang und die Gitarre gekonnt zu einem Song gekittet werden, der allerdings im Refrain ein wenig in Pathos zerfällt. Ebenso wirken in ihren „punkigen“ Phasen (bei „No More Goodbyes“ und „Drawing Paintings“) wie eine zerfahrene Skateband mit schlimmen Harmonien in Dur und nicht wie die versierte Emo-Pop-Combo, die sie eigentlich sind. Diese Platte ist jedoch nicht schlecht, bevor da jetzt Zweifel aufkommen. Sie lebt vielmehr von ihren großen Momenten, die das Rauskramen der auditiven Lupe unnötig und die wenigen Fehlgriffe vergessen macht.

Bemerkenswert ist dieses Album vor allem in seinem Kontext, der sich aus einer neuen, startenden Indie-Szene mit den dazugehörigen Mühen und Problemen auf der einen und der euphorischer Begeisterung auf der anderen Seite speist. Wer da noch von Subkultur redet, der ist dem Begriff zumindest auf der Spur. müssen aus diesem Grund aufpassen, um über ihre Musik und nicht die „Realness“ ihrer Herkunft rezipiert zu werden. Die kulturindustrielle Suche nach Authentizität wird etwa am pop-mythologischen Ort schlechthin erquickt sein Ziel erreichen, auf den die drei Musiker im Gegensatz zur New York Hardcore Crowd völlig unprätentios verweisen: „Die Strasse, das sind die Kumpels, die Plattenhändler um die Ecke, die lokale Tanz-Posse. Was zählt ist der Respekt, den einem die Strasse zollt.“ So richtig das für sie auch sein mag, schützt sie hoffentlich der Umstand, so etwas nicht zum Thema ihrer Lyrics gemacht zu haben, vor der Liebe ihrer Liebhaber.


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