»Anything to Declare? Yes, don’t go to Germany!« Diese Worte sind der mir erst kürzlich in die Hände gekommenen, posthum veröffentlichten und mit »The Last Session« betitelten EP von Cursed ins rote Vinyl graviert. Eine Warnung könnte man meinen, vielleicht aber auch ein Bekenntnis, dass die alten Wunden nach zwei Jahren noch nicht komplett verheilt sind.
In der Nacht des 18.05.2008, nur einen Tag vor Tourende, wurde den schlafenden Bandmitgliedern in Mülheim mehrere Taschen, die Pässe sowie sämtliche Toureinnahmen geklaut, wiewohl das AZ angeblich abgeschlossen gewesen sein soll und am darauffolgenden Morgen weder an Türen noch Fenstern Einbruchsspuren zu finden waren, und ließ die 4 Bandmitglieder relativ mittellos zurück. Eine der Taschen wurde auf dem Gelände des AZs wiedergefunden, geplündert und vollgepisst, der restliche Kram sowie das Geld tauchten nicht wieder auf. Die Bullen wurden gerufen und Anzeige erstattet. Für Cursed allerdings war es das letzte Kapitel als Band – der plötzliche Tod kam unerwartet und formlos, laut Sänger Chris Colohan wie »a bullet in the head«. Denn trotz zahlreicher Benefiz‑ und Solikonzerte, die nach Bekanntwerden der Vorfälle in verschiedenen Städten spontan arrangiert wurden, gab die Band wenige Tage später via Blog bekannt, dass es Cursed nicht mehr gibt und auch nicht wieder geben wird. Viele Fragen bezüglich des Diebstahls bleiben bis heute unbeantwortet.
Die vorliegende 5 Track-Single wurde irgendwann 2008 während der letzten Tour in England für die BBC aufgenommen, umfasst Songs der drei offiziellen Alben und existiert soweit ich weiß in einer 1000er Stückzahl. Eine Platte allerdings, die so niemals hätte erscheinen sollen. Cursed klingen intensiver als erwartet und aggressiver als gewohnt. Schnell ist vergessen, dass man es mit einer Aufnahme für’s Radio zu tun hat. Nicht als Reminiszenz an eine desaströse und entzweiende Tour sollte man »The Last Session« betrachten, sondern als das, was sie ist: die allerletzte Aufnahme einer herausragenden Kombo, die mit jeder Minute ihres rohen Vortrags belegt, welchen Verlust die Entscheidung, eine der einflussreicheren Gruppen der letzten 10 Jahre aufzulösen, für die Heavy Music Szene darstellt.



