Von Oli
Rein äußerlich ist die einen Millimeter dicke Scheibe (Durchmesser 173 mm) weißes Polyvinylchlorid schon mal sehr attraktiv. Der Elefant in deren Mitte wirkt gemütlich und harmlos glücklich. Bei 45 Umdrehungen pro Minute wird ihm dann ganz schön schlecht, was sich zunächst an der grünen Hautfarbe offenbart. Was denkt er nun? Digger und Allie erzählen es uns. Lassen wir erst mal den sympathischen schnauzbärtigen Herrn Barnes zu Wort kommen: Was du auch tust oder versuchst, es ist eine sinnlose Suche nach Nichts. Es ist immer wieder das gleiche alte Spiel (»Same Old Game«), ohne Lösung, ohne Ausweg. Du bist geboren, um zu verlieren. Das ist doch mal eine klare Aussage.
Fazit Nummer Eins: Ein gesunder Nihilismus im Country-Format kann Trost spenden. Deswegen hätte ich gerne eine Digger-Barnes-LP.
Und jetzt drehen wir das Ding um. Nur scheinbar ist Allie total blam blam. In einer ersten oberflächlichen Ebene thematisiert der Song »Districts, Parts, Belongings« die Jagd auf Elefanten zum Zweck der Elfenbeinherstellung; eine heutzutage völlig überflüssige Grausamkeit, kann man doch mit PVC alle relevanten Produkte viel einfacher herstellen (s.o.). Dabei berichtet Allie aus der Perspektive des Elefanten und spricht den Jäger direkt an, was unglaublich rührend wirkt.
In zweiter Interpretationsebene geht es um noch viel mehr, nämlich um Entfremdung im Zwischenmenschlichen, ein allgemein unterschätztes Phänomenen, sehe ich doch immer wieder Beziehungen daran zerbrechen. »Einzig durch die Anerkennung von Ferne im Nächsten wird Fremdheit gemildert: hineingenommen ins Bewusstsein. Der Anspruch ungeschmälerter, je schon erreichter Nähe jedoch, die Verleugnung der Fremdheit gerade, tut dem andern das äußerste Unrecht an, negiert ihn virtuell als besonderen Menschen und damit das Menschliche in ihm, ‚rechnet ihn dazu’, verleibt ihn dem Inventar des Besitzes ein.« (Opa Adorno). Oder wie ich selbst gerne kurz formuliere: Du bist du, und ich bin ich. Das ungefähr will uns auch Allie sagen. Das mit dem Elefanten hingegen hat er vermutlich nicht so gemeint.
Fazit Nummer Zwei: Adorno total blam blam mit Steel-Guitar (gespielt von Digger) gibt einiges her.
Spitzenplatte.
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