Von Reed
Ein Dankeschön vorab an beatpunk.org, durch sie war es mir gestattet zu einem Tonträger hochwertigster Qualität und Güte eine persönliche Einschätzung zu verfassen.
Ich möchte aber nicht bei der Plattenkritik ewige Vergleiche wie, »klingt wie Slayer« oder »sieht aus wie Rex Gildo« bemühen. Das farbige Plattencover lässt schon einige Vorahnungen aufkommen um welchen diffizilen Forschungsgegenstand es sich hier handelt: zwei ältere Damen beim »Rock-Beat« tanzen, salopp formuliert doch ein wenig in die Jahre gekommen, aber stilistisch und vom Outfit her allererste Sahne. Disco Maxim – der Name der Band verrät erst mal nicht allzu viel, außer vielleicht etwas frei übersetzt: maximales Tanzvergnügen. Disco Maxim das sind laut der eigenen Homepage Ron, Butch, E. Schmelze und Horsti eben »eine erstklassige Tanzkapelle, witzig, charmant, jugendnah und komplett über 30, also alte Hasen, die noch mal aus der Pfanne gehopst sind«. Dann mal schnell den CD-Player in Bereitschaft und die Silberscheibe eingelegt, eine erste Hörprobe.
Die Musik aus den Boxen nimmt langsam den Raum in Beschlag, besser sie verteilt sich in Windeseile wie ein weiches Frühlingslüftchen in allen Ecken des Zimmers. Locker und fluffig, Regenwasser gleich, spielen sie auf, die Musikanten von der Küste, die sich selber als »stilvolle Beatschaffende« bezeichnen. Schon der erste Titel »Herbstwind« ist ein Hit der alten Schule. Man stelle sich vor – Oktober des vergangenen Jahres, der Sommer ist am Abklingen, Laub in allen Farben bedeckt die Straßen. Als Passant sitzt man in einem Cafe seiner Wahl, versucht die letzten Sonnenstrahlen zu erhaschen und hat einen leckeren »Latte Macchiato« in der Hand, kurz man trauert stilvoll der schönen Sommerzeit nach. Die Trauer mischt sich mit Erinnerungen an aufregende Erlebnisse im Sommer, an Softeis, ein Open-Air und natürlich – an Baden gehen oder den letzten Urlaub. Besser kann ein Interpret eine Stimmung in einem Titel nicht romantisierend und doch glaubhaft vermitteln.
Weiter geht es mit dem Titel »Mädchen du bist schön«, ganz im Stile eines 60er-Jahre-Klassikers. Ein Track der einem Ritt auf einer alten Vespa gleicht. Obwohl man beim lesen des Titels die schlimmsten Befürchtungen hat, gelingt es D.M. diese mit einer Leichtigkeit zu zerstreuen, die man selten in diesem Genre findet. Sie vollbringen mit Eleganz den Spagat zwischen Trash-Musik mit einem Augenzwinkern und tanzbarer Musik gepaart mit einer Lyrik, die Erfahrungen eines langen Lebens widerspiegeln. Mein persönlicher Favorit dieser Langspielplatte ist und bleibt aber der Titel »Die Mädchen von Paris«.
Dieser Longplayer von Disco Maxim verbreitet gute Laune pur, nicht umsonst verkürzte er meine Rekonvaleszenz nach einer Magen-Darm-Grippe um einige Tage. Die sicherlich nicht immer ganz ernst gemeinten Texte werden jeder und jedem gut gefallen, die oder der sich nicht zu den Protagonisten der aktuellen Musikentwicklungen zählen. Übrigens finden sich auf der CD noch zwei hörenswerte Cover, u.a. der Titel »Sur Une Nappe De Restaurant« von Jacques Dutronc und »69 Année Erotique« von Serge Gainsbourg. Dass Musiker aus dem hohen Norden eben keine verschlossenen »Fischköppe« sein müssen zeigen D.M. eindrücklich mit dieser CD. Der Vorgänger der aktuellen LP von Disco Maxim heißt »Dancing Gombay in Bombay«. Veröffentlicht wurden alle diese schönen Scheiben beim Label Döner-Diskothek aus Kiel, welches mir bis dato unbekannt war. Auf diesem Label, welches laut eigenen Angaben seit 2001 existiert, kann man u.a. auch einen Billy Idol Tribute-Sampler mit dem Titel Edelpank vs. Döner-Diskothek käuflich erwerben. Auf dieser leider eher mittelmäßigen Compilation findet sich ein weiterer Beitrag von Disco Maxim, der Titel trägt den Namen »Heiss in der Kleinstadt« und ist ein fundamentaler Klassiker der Rockhistorie.
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