Von Dennis
Mit den schwer untendurchen Boy Sets Fire haben HASTE aus Birmingham/Alabama getourt und auf ihrem dritten Album hört man auch bei mehr als einem Stück raus, dass die überall beliebten Berufslinken aus Delaware, na sagen wir mal, ein großer musikalischer Einfluss waren. Denn auch auf „The Mercury Lift“ findet sich ein altes Schema, der Verbund von schicken melodischen Rockteilen mit Wutausbrüchen, die es auf dem HC-Thermometer schon mal warm werden lassen. Dazu haben HASTE gegenüber den ziemlich unseriösen US-Emokriegern den Vorteil, dass sie über zwei Sänger verfügen, die auf Befehl richtig loslegen und für Abwechslung aufm Tisch sorgen. Mal gefühlvoll, mal völlig angepisst und manchmal sogar mit Gastsängern (von Lamb of God und Codeseven), was der Vielfalt in der Vokalabteilung nur zu gute kommt. Das die Band einen Hang zum Metal hat stößt zwar hier und da ein wenig unappetitlich auf, sollte aber nicht abschrecken, besteht doch keine Matten‑ oder Kuttengefahr. Ebenso, wie die inzwischen stark missachtungswürdigen Boy Sets Fire, wissen auch die hier in Rede stehenden sechs Musikanten, wie man Melodien zu Ohrwürmern verarbeitet, finden aber fast immer zurück zu ihrer aggressiven Ader.
Klaro! Mit einer „echten musikalischen Revolution“ haben wir es hier nicht zu tun, wie es uns die Plattenfirma in ihrem Info verspricht, aber ich ziehe „The Mercury Lift“ auf jeden Fall der letzten Platte der voll überschätzten Boy Sets Fire vor, weil hier doch deutlich mehr veranstaltet wird und anstelle von kuschelgerocktem Einheitsemo, HASTE sich nicht zu schade sind mit fiesen Gitarren und oft noch fieserem Gesang die gute Laune zu vermiesen.
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