Von Dennis
Wenn man eine Platte sofort mag und schon nach wenigen Umdrehungen weiß, dass sie mit das Gelungenste ist, was das eigene Ohr in letzter Zeit vernommen hat, sollte man das so auch in eine Rezension schreiben? Oder lieber doch nicht?
Das holländische Label Shield Recordings hat uns die Debut-Single von High Treason geschenkt und sie ist bestückt mit 6 wunderbaren, rockigen HC-Perlen, die voll und ganz meinen Geschmack treffen. Ein paar Mal schon war ich verwundert über die Mittelmäßigkeit der Veröffentlichung aus jenem Hause, bei dieser 7“ jedoch handelt es sich um eine sehr gute Shield-Platte über dem gewohnten Durchschnitt.
Der Fünfer aus Randstad tischt hier ein feines Punk-Gemisch aus krachigem spät-80er-Old School und fast schon liebevollem Gitarrenspiel auf, gleichwohl immer innerhalb zweier Minuten auf den Punkt und zu Ende gebracht, in denen der nie nervender Shouter Steven einigermaßen abgeklärte Texte verstaut.
Neben dem festgehaltenen Audiozeugnis zeichnen sich die spielenden Beteiligten auch durch ihre musikalische Vorgeschichte in diversen anderen Bands aus, von denen mir außer Fairfight aber keine ein Begriff ist. Und das ist vielleicht auch ganz gut so. Manch eine Band lebt ja quasi davon, dass Mitglieder vorher in namhaften Kombos gezockt haben und erhalten im Auftrag des rezensionsbedürftigen Konsumenten vom eifrig nach Bezugspunkten suchenden Schreiberling eine Vorschusskreditierung, bei der es egal ist, was sie danach für Scheiß verzapfen.
HT kommen dafür aber eher nicht in Frage, denn die vormaligen Gruppen, die der Promozettel anführt, kenne ich wie gesagt nicht und Fairfight war auch langweilig. Von langer Weile ist man mit dieser Single aber wenigstens 12 Minuten entfernt. Denn anders als beispielsweise bei ihren Labelkollegen von Heartfelt, gewähren die Songabläufe eine gewisse Spannung, die den Stil zwar nicht weniger antiquiert erscheinen lässt, dafür aber das Althergebrachte frisch aufpoliert und im Endeffekt den Unterschied um Ganze macht. High Treason sind ganz sicher eine Live-Granate und das hier eine sehr ansprechende Platte, die so vielleicht auch vor zehn aber eben nicht vor zwanzig Jahren hätte erscheinen können.
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