Mit das Schönste an einer Punk-Sozialisation ist, wenn man selbst mit gewonnenem Abstand, Rave in den Knochen, eigener Band ohne Ohrstöpsel, und weise erkannten Fehlschlüssen immer mal wieder an den Punkt kommt, der einem klar macht, dass einen dieses simple Prinzip »Punkrock« doch immer noch mehr umhauen und mitreißen kann als so vieles andere da draußen.
Die erste Platte von Honigbomber ist so ein Wachrüttler, der einen von albernen, längst verdrängten Tätigkeiten wie »Patch-auf-Jacke-Nähen« tagträumen lässt, und zu dem man mit Flutschefinger-Wassereis im Büro (sic!) fingerpointet.
Honigbomber sind zu fünft und aus Hamburg, haben alle schon viel hinter sich (soll heißen: sind nicht mehr so jung), und toben sich mit dieser Band ganz offensichtlich aus. Wenn es etwas zur Sache täte, könnte angemerkt werden, dass außer dem Poesie-Newcomer am Mikro alle anderen bisher in honorablen Gruppen wie Eniac, Kurt, Oma Hans, Solemn League, Fröbe oder Die Charts gespielt haben oder noch spielen (wird hiermit also angemerkt). Der Clou ist aber, dass das wirklich nichts zur Sache tut.
Wie sonst vielleicht nur noch die Düsseldorfer Oiro sind Honigbomber eine jener Bands, denen man anmerkt, dass sie Bücher lesen, in den üblichen mehr oder minder emanzipatorischen Strukturen involviert sind, aber trotzdem (oder gerade deswegen) auch gerne zu viel Bier trinken. Die bürgerliche Presse nennt das dann »einen Männerausflug von Intellektuellen, die sich zu verstellen wissen« und liegt damit gar nicht so falsch. Punk war schon immer eine Männerveranstaltung, da machen Honigbomber (leider) keine Ausnahme, aber es ist schon fast süß anzusehen, wie schüchtern und uncool sich hier größtenteils aufgeführt wird, wie unaufgesetzt und natürlich. Da hat keiner die Wipers-Platte rausgezogen und gesagt »Ich will jetzt so was machen wie«. Auch auf die große Geste verzichtet Honigbomber. Musikalisch wird das Beste aus 80er Post-Punk, 90er Noiserock/Post-Hardcore und nöligem Hamburg-Punkrock zusammengeschmissen und verwurstet, und das Maximum herausgeholt. Lange schon hat keine Band dieses Genres das »Zwei-Gitarren-Argument« derart überzeugend unterfüttert.
Dass Sänger Bartzy vorher nie musikalisch tätig war, sondern ansonsten höchstens Lesungen (oder besser: Auftritte) mit eigenen Texten hielt, ist in diesem Fall ein Glücksgriff, sowohl Vortrag als auch Inhalt sind komplett unpeinlich und für Punkverhältnisse angenehm selbstironisch, aber trotzdem »dagegen« (haha, da muss ich selber lachen). Als wäre das nicht genug, ist die LP verpackt in bildgewordener Selbstironie, exakt so muss eine Punkplatte aussehen um auch optisch als Statement verstanden zu werden, eingetütet in den allerdicksten Karton unter der Sonne. Ja!!!



