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Hot Cross »Fair Trades And Farewells«

Von Sebastian

Gute Nachrichten gibt es nicht gerade zu hauf. Hier ist aber eine, die tatsächlich als ausgesprochen gut bezeichnet werden darf: die neue Scheibe von mit dem Titel »Fair Trades And Farewells« auf Records steht zum Ohren streicheln und gern haben bereit! Spätestens mit der letzten Platte »Cryonics« dürfte sich rumgesprochen haben, dass Innovation und Abwechslung verknoten. Mal vertrackt, mal catchy liegt über der Instrumentierung der Gesang von Billy Werner, der auf der schmalen Linie zwischen schreien und singen balanciert. Die Gebrochenheit, die mit dem ständig drohenden Abknicken und Zusammenfallen der Stimme ihren Ausdruck findet, wird von melodiösen, unverkitschten Backing Vocals und gesprochenen Parts aufgefangen. Prädikat: großes Kino!

Mehr lässt sich zur Musik kaum hinzufügen. Klar wären noch die Texte zu analysieren, bei denen mein Schulenglisch an seine Grenzen stößt oder die Gitarren‑ und Rhythmusarbeit verdientermaßen zu würdigen, aber darauf habe ich gerade keine Lust bzw. es gelänge mir sowieso nicht. Statt dessen fand ich bei der »Fair Trades und Farewells« etwas anderes dann doch interessanter: und zwar das Cover-Artwork. Schon beim ersten Bestaunen des Papiers zur Musik fühlte ich mich an irgendetwas erinnert. Ohne genau zu wissen an was, blätterte ich meine Plattenkiste durch und stieß – siehe da – auf die »Old Blue Eyes is Dead« 7« von The Swarm aus dem Jahre 1999 (PLATTENCOVER). Nicht nur, dass bei beiden Veröffentlichungen mit Schwarz, blau und silber die gleichen Farben aufs Beiwerk gedruckt wurden; zudem gleichen sich auch noch die Bildaufteilung, die Ästhetik und die Schrift fast bis ins Detail. Hier wie dort ist ein Teil des menschlichen Körpers in silber/schwarz zu sehen – bei The Swarm ein Gesicht, bei eine Faust bzw. ein Unterarm. Hier wie dort befindet sich im Hintergrund ein Ausschnitt fordistisch-kapitalistischer Alltagskultur. Ein Auto bzw. Hochhaus und Schraubenschlüssel, die – wenn man so will – den Lebenshorizont und die Versagung des Glücks gleichsam symbolisieren, dem das Individuum ausgesetzt ist: »nothing but fair trades and farewells when the present tens reveals a sixth sense when you’d die for a word or one less empty shell« ( »Prepare/Repair«).

Ob die Layoutüberschneidung den Tatbestand des Zufalls, Ideenklaus oder der bewussten Referenz zu The Swarm oder deren Sänger Chris Colohan erfüllen, der ja bereits bei Left for Dead oder Ruination für Verzückungen sorgte, wage ich nicht zu beurteilen. Eine interessante Frage wäre das schon aus dem einfachen Grund, dass die The Swarm-Temporakete mit dem rocking Screamo-Sound von musikalisch nicht viel gemein hat.


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