Von Sebastian
Das aktuelle Album der kanadischen Band Hot Hot Heat trägt den Titel „Make Up The Breakdown“, wurde von Jack Endino produziert, der seiner Zeit mit den Heroin‑ Rockern um Nirvana und Soundgarden bedeutsame Platten zauberte und ist auf Sub Pop erschienen, dem Label zum Seattle‑ Hype Anfang bis Mitte der 90er. Da finden aber glücklicherweise die Gemeinsamkeiten und Schnittpunkte mit dem ollen Grunge sein Ende, in dessen Kontext sich Hot Hot Heat keinesfalls bewegen. Besser ist’s auch.
So wichtig Nirvana auch gewesen sein mögen mit dem ausgeprägten Leidensmotiv, den destruktiven Zügen, die Selbstinszenierung zerrüttet‑ kranker Persönlichkeiten, trat all das mit dem Tod von Kurt Cobain hinter den Mythos des selbstmordenden Popstars zurück. Es ist ein Unterschied ums Ganze, Grunge als sakralen Todeskult zu rezipieren oder aber das intonierte Leiden als ein Eigenes zu erfahren.
Hot Hot Heat haben damit nichts am Hut, weder mit der Musik, deren Depressivität, noch dem Gestus des Abgewrackten. Ihre Bezüge reichen viel weiter zurück. Zur Sexiness der 70er und 80er. Vor allem die Nähe zu The Clash fällt auf, indem Hot Hot Heat Punkrock mit einer gehörigen Portion wahlweise aus Soul, Reggea Funk oder Pop anreichern. Das alles klingt recht abgespeckt ohne allerdings minimalistisch zu wirken. Vielmehr vertonen Hot Hot Heat einen nostalgischen Blick nach hinten‑ sie legen einen jener popkulturellen Rundflüge ein, der dort startet, wo sich zur Zeit kaum wieder jemand hinwagt. „Make Up The Brakedown“ ist eine Hommage an die Plattenkiste, die man aus Platzmangel frevelhafterweise im Keller verstaut hat‑ die dort aber definitiv nicht hingehört. In seiner sympathischen Antiquiertheit lädt dieses Album zu der schon lange fälligen Entstaubungs‑ Action auf und macht es fast zwingend mal wieder ein betagteres Stück Vinyl auf die Slipmat zu werfen. Wer ein solches nicht besitzt, nimmt dann halt die aktuelle Hot Hot Heat, die einem mal hymnisch, mal rockig ins Ohr orgelt. Das Album ist impulsiv‑ hippelig; die Drums klingen, als würden sie gejagt. Darüber Steve Bays Gesang, der sich in seiner attraktiven Lässigkeit hören lässt. Die besseren Strokes?- Ein nervender Vergleich, aber: Ja, bestimmt.
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