Navigation

Japanther »Yer Living Grave«

Von Brigate

Ich sitze in meinem kalten Zimmer und höre mir mein Lieblingslied von Andy Borg an: »So muss das Leben wohl sein, es holt alle Verlierer mal ein. Ich komm verlassen mir vor, drum adios, adios, adios Amor…« Kaum zu glauben, dass es bereits eine Woche her ist, dass ich im Leipziger Frühauf zu Gast war, wo sich mit einer weiteren Band namens THE GOOD GOOD und einer dritten, deren Name ich leider vergessen und die ich auch nicht gesehen habe (von der mir aber erzählt wurde, dass sie ganz gut war..) die »Bühne« teilten.

THE GOOD GOOD erinnerten mich stellenweise an den von mir geliebten Schrammelwave der ersten Raincoats LP, allerdings sang glaube ich keine Frau und es war ein bisschen vertrackter – wie gesagt, die Bühne dort ist sehr niedrig. Wie auch immer, ich vermute mal die Band setzte sich aus den langhaarigen jungen Erwachsenen zusammen die später hinter dem entsprechenden T-Shirt-Stand rumgammelten. Jedenfalls soweit ich das in dem komplett verrauchten salpeterverseuchten Keller erkennen konnte – ich sehne mich nach Gesetzen und Verordnungen, die das Rauchen in öffentlichen Räumen einschränken. Leider scheint es nicht auszureichen, dass ich mit gutem Beispiel vorangehe.

Karten auf den Tisch: Ich habe mehr geplauscht als zugehört. Das gilt noch in gesteigertem Maße für , obwohl ich mich auf deren Konzert wirklich gefreut hatte.

Irgendwann vor einem Jahr bekam ich nämlich von einer Bekannten deren CD »Wolfenswan« zugespielt, auf der es mir das ein oder andere Lied wirklich angetan hatte. Live waren sie auch ganz gut, wobei ich der Show optisch nicht viel abgewinnen konnte. Als ich in die neue, betitelt »Yer Living Grave« hineinhörte, stutze ich zunächst, da mir schon das zweite Stück verdächtig bekannt vorkam.

Solche Dopplungen mögen bei einer längeren Musikerkarriere vom Format eines – sagen wir mal – Andy Borg zu rechtfertigen sein. Aber bei einer Band die erst seit 2002 besteht? Im direkten Vergleich stellte sich jedoch heraus, dass es sich um andere Aufnahmen handelt.

Sie klingen wesentlich rauer und weniger eingängig. An der Methode hat sich jedoch nicht viel geändert. Zwei sich vermutlich in Kunsthochschulkreisen bewegende junge Männer kreieren unter Zuhilfenahme von Schlagzeug, Drumcomputer, Gitarre, Keyboard und einer Reihe von Samples (die dem ganzen einen etwas nervig-postmodernen Touch geben) fein wummernde Schrammelpophäppchen mit leicht abgründigen Melodien und ziemlich übersteuertem Gesang, der bei der noisigen Gesamterscheinung jedoch in den Hintergrund tritt.

Worüber sie singen weiß ich nicht, da keine Texte beiliegen (shame on you!). Aber ich könnte mir ganz gut vorstellen, dass die auf der CD versammelten 7 Lieder im Wesentlichen aus mehr oder weniger dämlichen Alltagsbetrachtungen bestehen, z.B. wie es ist, wenn man beim Street-Art-Bewundern den iPod stiebitzt bekommt oder was mit Liebe. Naja, ich weiss es ja auch nicht. Wie schon auf der vorangegangenen CD ist mein Lieblingslied »Wolfenswan«, ein wunderbar monotones, misfits-esques Stück, auf das ich bei dem Konzert allerdings vergeblich gewartet habe. »Yer Living Grave« ist ein feines Release, aber mir als Gelegenheitshörer gefällt ja die ältere CD etwas besser.


Artikel: versenden versenden   Drucken Drucken

Technorati Del.icio.us Digg Yigg Mr.Wong Webnews Netselektor Blogmarks Linkarena Newsvine 

Es wurde noch kein Kommentar abgegeben.

Reiss die Fresse auf:

XHTML: Du kannst die folgenden Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>




Schubladen
Surftipps
  • Communique1
  • Kittkritik
  • Found Magazine