Navigation

Jingo De Luch »The Independent Years 1987–1989«

Von Lehni

Eine Band, die durchaus Potential hätte, als meine ganz persönliche »Heldenband« in gleichnamiger Beatpunk Rubrik zu landen, hat jetzt eine wirklich nette Compilation mit dem, in diesem Fall nicht übertriebenen Titel »The Independent Years 1987–1989«, herausgebracht. Quasi ein Best of der ersten drei Alben, also auch der unerreichten ersten Scheibe »Perpetuum Mobile« von 1987.

Nicht dass Bands schon tausendfach fälschlich angedichtet wurde, sie würden so gar nicht in eine Schublade passen, wären wirklich unabhängig von Szene-Konventionen und versteckten Subkulturformalien – bei trifft das schon irgendwie zu. Für mich als 15jährigen hatte die Band um die sympathische Frontfrau Yvonne Ducksworth damals zudem den Vorteil, meine frühe IronMaiden/JudasPriest/Megadeth-Sozialisation – wenn schon heimlich – wenigstens bruchstückhaft in die Punkrock-Pubertät mit hinüberzuretten.

Der Mix aus Punk, Hardcore und Rock/Metal-Elementen gab es meines Wissens so nicht in der BRD und dazu hatte man in der Kanadierin Ducksworth eine Sängerin, deren Background die Texte, wenn auch nicht politisch, so doch sprachlich ungewohnt vielschichtig und tiefsinnig machten. Also praktisch gegensätzlich zum damaligen »Szenetrend« eher tief persönliche statt kämpferisch-politische Texte, interpretiert durch diese unwiderstehliche, harte, verrauchte, mal aggressive, mal gefühlvolle Stimme.

Auch wenn man immer wieder liest, wären eine der wichtigsten deutschen Indie-Bands der 80er und frühen 90er, ist es doch die Band, die ich noch niemals irgendwo bei Bekannten und Freunden im Plattenregal finden konnte. So unverständlich das heute für mich ist, war es doch eine super Gelegenheit, sich wenigstens mit einer Band im persönlichen und imaginiert erfolgreichen Abgrenzungskampf wieder zu finden. Die Einbildung endlich mal »selbstbestimmt« und nur für sich eine Band gefunden zu haben, mag aus heutiger Sicht lächerlich sein, war mir aber in Zeiten von Heerscharen an Gymnasiasten mit Bad-Religion-T-Shirt auf Karrierekurs emotional enorm wichtig.

Dabei zeigt gerade die Liste der Vorgänger‑ und Nachfolgeprojekte (Skeptiker, Vorkriegsjugend, Mansion Youth und unvergessen der schrullig-sympathische Autonomen‑ und Rebellionsliebesfilm »Trouble«, in dem Ducksworth die Hauptrolle spielte), dass durchaus genau aus der Zeit und Szene entstammen, in der in autonomen Jugendzentren noch das Aufkeimen der sozialen Revolution halluziniert und kritisches Hinterfragen der politischen Selbstverständnisses mitunter scharf sanktioniert wurde. Bei den musikalischen Biographien ist es aus heutiger Sicht also umso beachtlicher, dass man sich weder textlich noch musikalisch dieser Szenewelt sonderlich weit annäherte.

Und umso besser, dass sich Records bei dieser Best Of auf die Auswahl der kreativsten und umtriebigste Frühphase beschränkt und die ersten 3 Alben der späten 80er – in diesem Sinne auch »thematisch« sinnvoll – neu gemastert veröffentlicht hat. Und wer wie ich dachte, die Band nie wieder zu Gesicht zu bekommen, wurde zudem mit der diesjährigen 20-Jahre-Jubiläumstour (leider ohne Zonen-Gig) wohl gehörig überrascht.


Artikel: versenden versenden   Drucken Drucken

Technorati Del.icio.us Digg Yigg Mr.Wong Webnews Netselektor Blogmarks Linkarena Newsvine 

Es wurde noch kein Kommentar abgegeben.

Reiss die Fresse auf:

XHTML: Du kannst die folgenden Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>




Schubladen
Surftipps
  • Faites Votre Jeu!
  • Communique1
  • Kittkritik