Von Cathy
Fakten: Unglaublich aber wahr: Ich bekam den Pressezettel von 62TV Records über JWSM, auf dem über das Album »The Purple Hearted Youth Club« stand: »Before you know it you´re dancing like an idiot. True rough art!« Ich las diese Zeile während der erste Ton losrockte‑ und ich mit. Völlig gaga tanzte ich durchs Zimmer, ich konnte gar nichts tun, auf einmal zappelte ich in allen Variationen und freute mich über diese lustigen elektronischen Geräusche aus den Boxen. Es war eine Mischung aus lo-fi Keyboardgedudel und rockiger Minimalgitarre (ja das ist kein Gegensatz), unterstrichen durch Trompete und ziemlich verwirbelten Drums. Noch mal mit ein paar mehr verdrehten Elektro-Keyboard Lines in den Popmixer und heraus kommt eine cremig gerührte Homedisco. In dieser geht es ziemlich wild und technologisch zu. »Speakers of Microphones« erzählt die Geschichte über was wäre wenn ich ohne meine geliebten Küchengeräte, Videogames und Cartoons leben müsste. Quasi die Geschichte eines langweiligen Sonntags. Aber wie im wahren Leben ist nicht alles Disco. Da gibt es auch die ruhigen, melancholischen Klänge, die sich in Songs wie »The Tentacle Song«, oder »A Song About Fishing« wiederfinden. Wobei das Adjektiv melancholisch hier auf einer neuen Sinnebene angesiedelt wird. Dort, wo auch Roboter traurig sein könn(t)en. Auf der melodischen Weltkarte würde ich sie in der Hügellandschaft der Disharmonie verorten, die gerade durch ihre sympathischen Stimmchen dann doch wieder höchst harmonisch sind. Lustige Computer und Syntiegeräuschen drehen die Songs zur smoothen, unbekümmernden Seite des Lebens. Auch die weltbekannte Melodie: »ctrl alt del« sind vertreten, welche vielleicht nicht unbedingt durch den Titel ihre Berühmtheit offenbart, aber auch schon von Outcast herausgegroovt wurde. »These magnetic sheets keep me captured in bed, sorrow seems so sweet, but they are witches instead, it might be time for some action, maybe I think, from now on every day I sing: …«. Diese wunderbar verspielte Version, dessen Originaltitel und Refrain ihr selber herausbekommen müsst, ist großes Coverkino, bloß vom wem war es gleich noch mal?
Ganz ernst nehmen sie sich nicht, wie sich unschwer schon am Bandtitel erkennen lässt. Die vier Band mates sind verspielt, verrückt und haben mit dem Antonym von ernst ein gutes Verhältnis. Das ganze Album besticht durch Computer und Technikästhetik der alten Schule in jedem Sinne – von den einzelnen Tönen über die Titel bis zum Layout. Man fühlt sich eigentlich die ganze Zeit in einem Haus aus sci-fi Geräuschen, wie aus Spacefilmen der ersten Stunde.
Ihre weiteren Projekte: Eine 7“ Split mit Grandaddy, ein Duett mit Kimya Dawson von Moldy Peaches und geliebt werden sie von Pavement Gitarrist Spiral Stairs. Verpassen sollte man sie auf jeden Fall nicht, wenn sie mit Roboter Emilio die Bühne betreten. Roboter gibt es nämlich wirklich. Also Tschüß und »wubba ockels (think big → global → intergalactic)«
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