Von Toralf
»Teilen was du weisst« von Jona Steinbach ist wie ein Gespräch unter Freunden an einem regnerischen Sonntagnachmittag nach einem langen Wochenende. Man erzählt sich von den Begegnungen, die man gemacht hat, von Gesprächen, von Partys und Konzerten. Man reflektiert über den Sinn und Unsinn des Lebens, von Erinnerungen, vielleicht von Stagnation und Wiederholung, vom Zuschauen, von der Ohnmächtigkeit bei gescheiterten Beziehungen und dass es trotz allem immer irgendwie weitergeht. »Und Stunden später, Jahre früher, auf der Autobahn. Erst dort versteht man dann, was es bedeuten kann.«
Das alles ist in zehn vom Sterne Sänger Frank Spilker produzierte Songs verpackt, in denen man von Jona direkt angesprochen und oft in das kollektive »wir« von gemeinsam erlebten Situationen eingeschlossen wird. Begleitet werden diese Gedanken in Singer/Songwriter‑ Manier von Jonas Gitarre und dezenter elektronischer Untermalung. Der Kölner wandelt auf den Pfaden von Hamburger Schule‑ Größen wie Tomte oder Kettcar und deren Einfluss ist für meinen Geschmack zu deutlich herauszuhören. Zwar schälen sich nach mehrmaligen Durchhören dann doch die Eigentümlichkeiten von Jonas »Interpretation« seiner Vorbilder heraus, aber einige Lieder wirken trotzdem wie (wenn auch gute) Coversongs oben genannter Bands. Im Platteninfo wird Jona auch als »Einmannpunkkapelle« bezeichnet, was im Hinblick auf die Orientierung an schon Bewährtem, am Lehrplan der Hamburger Schule sozusagen, etwas übertrieben scheint. Diese Bezeichnung wäre für Lattekohlertor, dessen Musik selbstverständlich auch von der Verarbeitung eigener Hörerfahrungen lebt, zutreffend, denn er generiert daraus etwas Eigenes. Interessant ist, dass stattdessen selbst Schilderungen der eigenen Emotionen nahezu formelhaft werden, da sie wie Versatzstücke aus schon Gesungenem der Klassenkameraden erscheinen. Trotz aller Kritik ist »Teilen was du weisst« eine solide Platte und angesichts der Tatsache, dass der erst 20jährige Jona schon seinen zweiten Longplayer veröffentlicht hat, sind noch innovativere musikalische Statements zu erwarten.
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