Von Chris
Schön finde ich es, zwar nicht bei allen Bands, aber bei einigen dafür umso mehr, wenn das Booklet mehr hergibt, als die Texte vorzustellen, »geile« Live-Pics zu präsentieren und die Grußliste an Mama, Papa und die Freunde loszuwerden. Katzenstreik machen das. Sie setzen persönliche Gedanken neben ihre Lyrics und lassen damit ein bisschen durchschimmern, dass es ihnen um mehr als nur das Gefühl des Musik-Machens geht. Der Song »Spirit« scheint die Richtung anzugeben. »Spirit« wird groß geschrieben, nicht nur als Lied, sondern eben auch als Lebensgefühl.
Ganz schlau werde ich aus Katzenstreik trotzdem nicht, denn so richtig wohl scheinen sie sich in keiner einzigen musikalischen Sparte, die aus dem traditionellen »Stromgitarre – Bass – Schlagzeug«-Schema resultiert, zu fühlen. Hier und da etwas Punk, viel Emo, ein Schuss Hardcore und Indierock, mal auf englisch, mal auf deutsch – fertig ist der wilde Stilmix, der es manchmal in sich hat und manchmal einfach zu dürftig daherkommt. Denn so vielseitig wechselnd der Sound auch ist, desto abwechslungsreicher auch die Beanspruchung meiner musikalischen Geschmacksnerven. Schafft man es gegen Anfang der Platte noch mit einigen Rockern aufzuwarten, so bleibt gegen Ende einzig der Trost der auf stets hohem Niveau gehaltenen Samples, die einen bis zu guter letzt zum Schmunzeln bringen. Dazwischen allerdings viele belanglose Parts, die den ganzen Elan des Vorherigen entschwinden lässt, um viel zu spät wieder die Kurve in Richtung Ohrwurm bekommen zu können.
Musikalisch hört sich das schon ziemlich ausgereift an und auch technisch haben Katzenstreik einiges aufzubieten. Ich werde aber das beklemmende Gefühl nicht los, dass man hier auf Teufel komm raus alles daran setzt, so abwechslungsreich, so extravagant wie möglich zu klingen – und genau das geht in die Hose.
Sicher, Katzenstreik werden Spaß an der Sache haben, sind gute Freunde, die zusammen Musik machen, was ja an sich durchaus akzeptable Gründe sind, um weiterhin kulturindustriellen Output zu liefern. Darüber hinaus interessieren sie sich auch noch für Kritik an den Zuständen, was sie sympathisch macht. Alles in allem bleibt aber ein Feeling, das mir beim Hören kein eindeutiges Lächeln auf die Lippen zaubert. Schlecht ist diese Platte ganz und gar nicht, dennoch muss an dieser Stelle gesagt werden, dass diese ganze Harmonie, dieses »Friede – Freude – Eierkuchen«-Ding, das mich trotz der formulierten Gesellschaftskritik irgendwie nicht verlassen will, keineswegs vor einigen Aussetzern auf Konserve schützt. Ist ja schön, wenn man sich und das, was man tut, mag. Jedoch besagter »Spirit« ist nun mal kein Garant für außerordentlich gute Musik. Eben so wie hier.
Meine Probleme hat – in Anspielung auf den Titel – das Album jedenfalls nicht gelöst. Aber: vielleicht wollten sie das ja auch gar nicht.
XHTML: Du kannst die folgenden Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>
Keine Kommentare
Zum Kommentar - Formular | Kommentare als RSS-Feed [?] | trackback uri [?]