Von Claudia
Kevin Devines Karriere verlief ganz klassisch und glatt wie der Klang seines Namens. Mit 15 startete er in der Band „Miracle of ´86“. Es folgten ab und zu Gigs auf Art-school Parties, irgendwann dann auch in Clubs von New York City. Letztendlich packte die Band ihre Koffer und ging auf Tour. Gut für Kevin Devine, der nun auch die Möglichkeit hatte, nebenbei sein Soloprojekt vorzustellen.
Kevin Devine hat rote Haare und könnte der nette Typ von nebenan sein. Quasi der Nachbar, den man ab und zu aus seinen vier Wänden klampfen und singen hört. Wenn Rock ’ne Autobahn wäre, dann würde Kevin Devine definitiv lieber Landstrassen fahren. Mal flott, mal langsamer tuckert er durch die Landschaften der großen und kleinen Gefühle, dabei immer ein paar luftige Akkorde in der Tasche. Akustische Kunststücke schafft er dabei nicht, eher nette, eingängige Melodien. Aber das soll auch gar nicht weiter stören, denn schließlich gehört er in die Schublade der Singer/Songwriter und darf sich da getrost auf das Treppchen neben Elliott Smith und Owen gesellen. „Make the clocks move“ ist sein zweites Solo‑ Album. Hat er sich auf dem Vorgänger „ Circle Gets The Square“ noch pathetisch die Seele aus dem Hals geschrien und mit Dramatik nicht gespart, wirkt er nun viel gelassener und ich möchte fast sagen … ähm … reifer. Das soll aber nicht heißen, dass die Texte abgeklärt sind und weniger berühren. Seine Stimme drückt sich sanft ans Mikrophon, schafft damit eine intime, vertraute Nähe. Beherztes Aufschreien, kratziges Stimmenerheben und vulkanartige Ausbrüche setzt er gern mal ein, um sich Luft zu machen und seinen Texten Nachdruck zu verleihen. Diese handeln u.a. von beschissenen Momenten, in denen Selbstzweifel das Atmen schwer machen, das schlechte Gewissen mal wieder an die Tür klopft oder von anderen facettenreichen Emotionen, die Devine wohl besser in Worte bringen kann, als ich es hier vermag. Was leicht kitschig und schnulzig rüberkommen könnte, verpackt er geschickt zwischen den Zeilen und lässt Platz für eigene Interpretation. Devine ist ein scharfer Beobachter und alles andere als ein langweiliger Geschichtenerzähler. Und weil er so ein dufter, gut erzogener Typ ist (aber trotzdem mal ein „fucking“ über die Lippen bringt) gibt’s noch zwei charmante Dankeschöns in Form der letzten beiden Tracks für seine Lieben.
Also, rundherum eine gelungene Sache, die nicht nach mehrmaligem Hören in der Ecke der verstaubten Alben landet. Allerdings ist Vorsicht geboten, wenn man sich im Netz nach dem Gitarrero auf die Suche begibt. Nur allzuschnell landet man bei www.kevindevine.com, einer netten Design Page, die allerdings gar nichts mit Singer/Songwriter-Musik zu tun hat.
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