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Koeter »s/t«

Es wäre leicht, Koeter als »die neue Band von Michi von NeinNeinNein« abzuhaken, nur würde das der Band nicht wirklich gerecht werden. Allerdings lässt sich die Verbindung auch nicht leugnen, denn Michis Stimme als Bindeglied steht halt an vorderster Front.

Musikalisch gehen Koeter allerdings deutlich weniger rabiate Wege als seine alte Band. Statt Holzhammer und Dampframme regieren zurückhaltende Instrumentierung und Bremspedal. Auch die Texte sind weniger »fickt euch alle« und mehr Metapher, was wirklich gut kommt. Dazu eine sehr warme Produktion, ein toller Gitarrensound, schöne Backingchöre und ein minimalistisches Cover, das ich gerne als Poster an der Wand hängen hätte. Eigentlich alles richtig gemacht.

Es wäre auch leicht zu behaupten Koeter verhielten sich zu NeinNeinNein wie Kettcar zu …But Alive, aber in Anbetracht der letzten Platten der Hamburger Band wäre das einfach nur gemein. Völlig unpassend ist der Vergleich allerdings auch nicht. Doch wo Kettcar in Studierendenpop und Befindlichkeitslyrik versinken, sind Koeter noch immer schlecht gelaunt und punk genug, das auch zu zeigen. Ganz nebenbei gewinnen sie noch den Preis für die wahrscheinlich erste Band, die über den Bornheimer Stadtteil Sechtem singt und haben mit »Identitätsbierkasten« schon jetzt einen der Hits des Jahres gelandet.

Wahrscheinlich war es auch richtig, das Projekt NeinNeinNein zu beenden, denn all die Wutausbrüche und Hasstiraden gegen zumeist richtige Teilstücke der Gesamtscheiße mussten am Ende doch Schattenboxen bleiben. Der Punk an sich ist eben nicht reformierbar. Entweder Punk lernt irgendwann, dem zu kommen und mit Glück vielleicht die positiven Aspekte aus dem Sumpf heraus zu schmuggeln oder Punk bleibt für immer Punk und wird zum Abziehbild mit schlechtem Klamottengeschmack. Traditionspflegeveranstaltungen wie »Punk im Pott« oder Festival gewordene Vatertagsausflüge mit Grauzonenbonus wie das »Force Attack« sind nur die gerechte Strafe für Menschen, die sich mit Punk im Ist-Zustand zufrieden geben. Wer bei so etwas nicht von alleine das Weite sucht, ist wahrscheinlich auch nicht mit solch zaghaften Schritten in Richtung Diskurspop, wie sie Koeter mit ihrem Debüt gegangen sind, hinter dem Ofen hervor zu locken bzw. für die Überzeugung zu gewinnen, dass nicht jede Entwicklung über den Teenagefrust hinaus einem Verrat gleicht.

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