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Kommando Sonne-nmilch »Der Specht baut keine Häuser mehr«

Von Max

„Wenn es Nacht wird und du schläfst
und dir fehlt ein Traum
wenn es Herbst ist in deinem Leben

wenn die Faltenäffchen kommen
und dein Sack wird grau
Depressionen kommen und gehen

wenn du leicht vergräzt über Jugend hetzt
und dein Kater wird zum Tiger

deine Sätze mit früher anfangen
wird es Zeit dir zu erklären (…)

Brillenträgerschlange.
Faltenarschmatrose.
Vergesslichkeitskaiser.
Trombosenkrebskollekte.
Zukunftsangstbesitzer.

da hilft kein schrein da hilft keine Creme
man muss der Scheisse ins Auge sehen (…)„

(aus FALTENAFFE)

Punk wird alt. Duane Peters steht mit seinen vernutzten Skater-Knien tapfer auf der Bühne, Charlie Harper tourt mit den UK SUBS seit Anfang der 80er durch die Lande und auch in ziehen so Manche seit mehr als 20 Jahren ihr eigenes Ding durch. Die Rede ist hier natürlich von Jensen, Sänger und Texter von solch prägenden Bands wie ANGESCHISSEN, BLUMEN AM ARSCH DER HÖLLE, DACKELBLUT und OMA HANS, alles Kapellen, die immer wieder als Vergleichsmaßstab für zahlreiche Nachahmer herhalten müssen. Um das Namedropping auf die Spitze zu treiben, sei gesagt, dass bei Kommando Sonnenmilch ausserdem Leute von STEREO TOTAL, GOLDENE ZITRONEN, SLIME und den STERNEN am Werk sind, eine -Allstars-Inzest-Band sozusagen. Wobei Band wohl die falsche Bezeichnung ist, Projekt passt da schon eher und das Ganze in irgendeine musikalische Schublade zu stecken ist ein Ding der Unmöglichkeit. Im Gegensatz zur Vorgängerplatte, die mir persönlich zu stressig und noisig war, entwicklet man sich vom Hörspiel zu „richtigen“ Songs. Zwischen poppigen Gitarrenmelodien, geloopten Geräuschsamples, Orgel, Klavier und Synthies, minimal-Wave und sonst Was sind die tollen Texte das einzig Verbindende, vorgetragen von mindestens drei verschiedenen SängerInnen, meist mehr gesprochen als gesungen. Also alles andere als einfach und eingängig, für die Doppel-LP muss man sich wirklich Zeit nehmen…

kurzer Themenwechsel: Wir nähern uns dem Februar, was zyklisch wiederkehrendes Unheil verspricht. Das grenzdebiele Geseiere Perlenkronen-geschmückter Rentner, welches hierzulande mit Humor verwechselt wird, die Rede ist vom Fasching, schwingt sich auf, weitere Beweise zur Widerlichkeit Deutschlands zu erbringen. Der Tusch befiehlt, wann der gute Bürger seine Mundwinkel nach oben zu ziehen hat und auf den lärmenden Umzügen feiert man seine traurige Definition von Spass. Auf einem dieser Umzugs-Wägen in meiner Heimatstadt prangte in riesigen Lettern: „Die Türken und die Polen – wollen doch nur unsere Kohlen!“ – Ein prima Schenkelklopfer fürs Volk. Was das jetzt mit KS zu tun hat? Die Texte des Kommandos beobachten das menschliche Elend mit einer Spur ganz eigenen Humors, der im Gegensatz zum deutschen Massenfrohsinn den Namen auch verdient. Aus oft absurden Perspektiven geht es unter anderem ums Schluss-machen, den Bär und „Verwandte aus der DDR“.

Sich Zeit nehmen, etwas guten Willen mitbringen, dann erhält der/die HörerIn ein großartiges Werk, auf das man bald nicht mehr verzichten will!


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