Navigation

Kurhaus »Refuse To Be Dead«

Von Dennis

Gewichtet und geeicht in Bad Bramstedt bei Kiel, sind dem ewigen Rebellentum längst noch nicht entwachsen, nach acht Jahren musikalisch aber so reif, dass ihr Sound auf jegliche Schablonen verzichten kann. Und davon, dass die Band schon lange zusammen spielt, zeugt vor allem die Fähigkeit, die Stimmungen der einzelnen Lieder deutlich zu unterstreichen und trotzdem entlang des notorischen roten Fadens das richtige Maß an Härte und Zurückhaltung zu finden, um den nötigen Platz für den charismatisch Gesang zu schaffen. Zusammengeformt zu einer Absage an Klischees, ist dieses aussagekräftige, energiegeladene Punk/Hardcore-Album entstanden.

Zu der geglückten akustischen Repräsentation gesellt sich ’ Versuch, das eigene Konzept von Hardcore zu verbalisieren, dessen Ausgangspunkt die Band selbst und die Bedingungen für ein lebenswerteres Dasein sind. »Selber Denken, wirklich Fühlen und endlich Handeln«, das Ergebnis zeugt vor allem von Ehrlichkeit und Selbstreflexion und führt zwangsläufig zu inhaltlichen Widersprüchen.

Dass nicht versucht wurde, diese hinter Parolen zu verstecken oder zu leugnen verlangt nach Betonung. Erfahrungen persönlicher Niederlagen, das Tagebuch der political correctness, aber auch die Forderung nach mehr ausgedrückter Emotion und der nie aufhörenden Arbeit an sich selbst liegen den Texten und Aussagen auf »Refuse To Be Dead« zugrunde.

Dass versucht wird, diesen Anspruch auf eine irgendwie geartete Szene zu projizieren, kann man ihnen dann aber doch vorwerfen. Muss man vielleicht sogar, denn die schon so oft beschworene Mär vom bewussteren Leben in der aufgeklärten Gemeinschaft verzweigt sich schnell in Weltverbesserungsformeln nebst linken Aufputschmitteln und endet bei genauerer Betrachtung stets mit der Einsicht, dass die Musik auf Konzerten eigentlich die einzige Schnittstelle unterm Kulturvolk darstellt und es gar keine kritischen Mindeststandards gibt.

Selbst als aussagewillige Band, oft nur der mal mehr, mal weniger beachtete und schnell wieder vergessene Unterhaltungsteil zu sein, ist das unbefriedigenden Zeugnis der Kulturindustrie, als deren Ausschnitt sich auch das bewegt, was wir als Szene bezeichnen. Die Leute in dieser trotzdem immer wieder zum denken zu animieren, ist ein wahrscheinlich auswegloses Unterfangen. Den Versuch in allen Ehren, hoffe ich, dass »Refuse To Be Dead« viel Bestätigung findet.


Artikel: versenden versenden   Drucken Drucken

Technorati Del.icio.us Digg Yigg Mr.Wong Webnews Netselektor Blogmarks Linkarena Newsvine 

Es wurde noch kein Kommentar abgegeben.

Reiss die Fresse auf:

XHTML: Du kannst die folgenden Tags verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>




Schubladen
Surftipps
  • Faites Votre Jeu!
  • Communique1
  • Kittkritik