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Lewisit/H.A.T.E. »Det Sjunde Inseglet«

Von Dennis

Das Leben besteht zum Großteil aus Enttäuschungen. Manchmal allerdings hat es den Anschein, als würde der Absturz aus der eigenen biografischen Flugbahn doch ein wenig hart, ja geradezu unfair von statten gehen. Würde es einen Gott geben, einen universalen Schicksalslenker, man müsste ihm unterstellen, ein sadistisches Schwein zu sein. Wenn man sich von Liebe oder Hass in die Ecke getrieben sieht, weil das, was man sich ausmahlte, plötzlich verwischt und nicht wieder zuerkennen ist, wenn Fluchtversuche immer nur die Rückführung in den eigenen schäbigen Alltag bedeuten oder Gedankengebäude einfach in Flammen aufgehen, dann darf man sich getrost fragen, ob es eigentlich irgendeine Verpflichtung gibt bei dem ganzen Scheiß noch länger mitzumachen. Momentaufnahmen der Frustration und die kurze Lüge vom Glück samt ihrer persönlichen Tragweite finden sich auf der vorliegenden gesonderten Veröffentlichung vertont und eingestanzt, integriert in die simple Ablaufstruktur der subjektiven Tragödie, an deren Ende die Erkenntnis steht, dass kein besseres Leben zu bekommen ist. Es ist schade, dass auf der Platte nur 4 bzw. 3 Songs dieser tschechischen Bands zu hören sind, vermögen doch beide ein spannendes und hoch musikalisches Theater zu inszenieren, das jedes für sich ein ganzes Album wert gewesen wäre.

Es sind nicht die ganz üblichen Postrock-Akkorde, die dem Zuhörer von an die Ohren getragen werden. Sphärische, befriedenden Klängen wechseln mit einem vertrackten Themen-Groundhopping ab, dessen dynamischer Einbruch zwar gesichert ist, die Angriffe schriller Atemlosigkeit gegen das Sedieren der Synkopen aber nicht zum überflüssigen Wutausbruch verkommen lässt. Denn während der hochbeweglichen Unruhezustände knallt es vorne und hinten und gänzlich klischeevermeidend bis die Kulisse schließlich zu bersten beginnt und die Gefühlskonjunktur unter dem Einsatz eines ganzen Spektrums verschiedener Gitarrensounds anfängt, die Szene zu befrieden. Die einzelnen Songs brauchen eine gute Weile bis sie sich entfalten, bis man sie ganz zweifelsfrei anhören kann und sich alle Dramaturgie erschlossen hat. Die erste Seite schließt mit »Satan«, dem energischsten und abgehfähigsten Song der Platte und dem einzigen, der vielleicht auf einen Hintergrund im Hardcore schließen lässt.

Wo die Frage nach einer eindeutigen Grundstimmung unbeantwortet lassen, eröffnet die B-Seite von »Det Sjunde Inseglet« mit einem deutlich härteren und negativeren Ausbruch in die Emotionslandschaft. Dunkel wie die Nacht schafft die Band eine feindliche Umgebung für positive Assoziationen und schleppt sich von einer rohen Eruption zur nächsten. Dass die Kombo den Namen H.A.T.E. trägt, mag etwas einfach wirken. Die angebotenen Bilder und Sounds aber sprechen keine so einfache Sprache und kauern mitunter in den düstereren der düsteren Löcher der Hardcore-Vergangenheit wie sie bspw. Cartharsis einst ausgebuddelt hat. Anknüpfungspunkte liefert diese Platte reichlich. Der Zusammenbruch der Konstellationen, sofern man ihn mit Musik darstellen kann, konturiert die banale Grausamkeit des Lebens mehr als treffend.

Auch dieser Text ist nicht ohne die Beeinflussung einer trüben Melancholie entstanden. Das Mögliche ausklammern und den Verlust annehmen, das wäre wohl die richtige Therapie für Gescheiterte, deren Geschichten ebenfalls unbemerkt den Bach runter gehen; aber bitte nicht ohne Gefühlsausbruch, nicht ohne Schreien, nie ohne Tränen.


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