12.06.2007 / 12:36
65DaysOfStatic, Instrumental, Lite, Postrock, Toe, Tokyo, Transduction
Von Sebastian
Bei der gängigen Fixierung auf die Texte kommt einiges zu kurz, geht mit ihr doch eine Verarmung von Erfahrung einher. Durch das gesungene oder gesprochene Wort beraubt man das Erschließen von Musik häufig interpretatorischer Zwischenräume. Es schmilzt die Undeterminiertheit des Materials auf seine textlichen Determinanten zusammen.
Der Hörer wird dadurch auf den Gesang gebracht. Selbiger stellt nicht ein Instrument unter vielen dar, sondern prägt die Musik derart nachhaltig, dass er ihr seinen Stempel aufdrückt. Weil das nicht sehr schön ist, darf man sich immer wieder freuen, wenn man auf gesprochene, geschrieene oder gesungene Sprache gleich ganz verzichtet.
Das ist pophistorisch nun wirklich keine sonderlich neue Idee – man denke nur an die meisten Spielarten des Jazz oder an das Gros elektronischer Tanzmusik. Im Gitarrenbereich bleibt dies trotz bedeutsamer Bands wie Mogwai, Explosions In The Sky, Do Make Say Think oder Godspeed You Black Emperor! eher die Seltenheit. Und zwar aus gutem Grund: verlangt das Absehen von Texten doch nach einer auswuchernden Komposition, nach versierten Instrumentalisten die keinen pampigen, unsauberen Hintergrundbrei zusammenrühren und die einem Stück mehr Ideen einhauchen, als anderen Bands auf einem ganzen Album kommt.
Dem Tokyoter Quartett LITE gelingt das. Ihre Arangements auf »Filmlets« prägen mehrstimmige Gitarren, die häufig ein Thema mit etlichen Variationen narrativ zusammenfügen. Ein Stück wirkt bisweilen wie eine aufgeregt musikalisch vorgetragene Geschichte, die niemand hören, geschweige denn verstehen will und die deshalb in unverminderter Erregung auf unzählige andere Weisen aus einem heraus platzt. LITE unterscheiden sich dabei von anderen Genrevertretern. Zum einen sind ihre Werke recht dicht gezurrt, so dass ihnen die scheußliche Easy-Listening-Komponente abgeht. Zum Hören neben einer Roman-Lektüre wollen sie sich also nicht missbraucht wissen, was sie gleichwohl nicht zu einer Sperrigkeit oder Angestrengtheit verleitet. »Filmlets« darf halbwegs vorraussetzungslos gelauscht werden.
Andererseits fehlt dem Album aber eine derart umwerfende Dynamik, wie sie beispielsweise Toe zu Stande bringen oder wie sie jüngst 65daysofstatic mit ihrer Platte »The Destruction Of Small Ideas« auf die Spitze getrieben haben. Aber es wäre vielleicht ein wenig unverschämt, sich die noch obendrauf zu wünschen.
12.06.2007 / 12:36
Toll. Endlich mal ein Beitrag über »Instrumentalmusik«. Ich habe auch schon längst die Schnauze voll von Bands, die ihre komischen Ideologien in 2,3 Songtexten packen. Aber die Gefahr bei »Instrumentalmusik« ist, dass man nie weiß, was für Typen hinter diesem ganzen Soundbrimborium stecken. Godspeedyoublackemperor! haben sich ja zum Beispiel ganz klar als Gegner der jetzigen US_Regierung geoutet.Da weiß man ja so ungefähr wo bei denen der Frosch die Locken hat aber das sind trotzdem klasse Avantgardemusiker.
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